Antigua – St. Maarten, 28.2.10 – 11.3.10

Sonntag – Montag, 28.2. – 1.3.

Die verbleibenden Tage in Antigua verbringen wir mit der Dolfjin Crew im English Harbour. Die Racesegel werden wieder verpackt und verstaut, das Rennen bei coolen Drinks im Schatten analisiert, zu vergleichen mit Nachjassen. Fazit: junge gute Crew, ausser einmal stets die richtigen Segel gesetzt, den Spinnaker immer rechtzeitig geborgen, trotz der gezwungenen Aufgabe des Rennes sind alle glücklich.

Am Montag mieten Dawn, Richard und Travor einen Mietwagen. Wir dürfen uns der Inselrundfahrt anschliessen. Es ist so heiss, dass man die Aussicht aus dem klimatisierten Wagen geniesst. Nur in St. John der Hauptstadt verlassen wir dann den Wagen.

Auf den Autonummernschildern von Antigua steht folgender Slogan: Sea and Sun. Für schöne Buchten und Strände ist die Insel berühmt, die Fahrt durchs Landesinnere ist nicht so spektakulär. Travor, der Naviguesser, macht seinem Spitznamen alle Ehre und lotst uns mehrmals falsch. Am Nachmittag findet er aber doch noch zurück zum English Harbour. Dort treffen wir auf Emelie und Alan. Alan ist mit einem noch kleineren Schiff als wir unterwegs, einer Sadler 25 (7.5 m). Während der Atlantiküberquerung wurde sein Ruder von einem Containerdeckel arg beschädigt. Mit den Mitteln an Bord hat er ein neues Ruder gebastelt. Seither ist er berühmt. In Las Palmas hat er Emelie von der Cantare getroffen. Seit St. Lucia reisen sie nun gemeinsam. Was für eine Liebesgeschichte!

 

Dienstag  - Mittwoch, 2.3. – 3.3.

Am Dienstag verlassen wir den English Harbour und verabschieden uns von Dawn und Richard. Dass wir sie wieder sehen ist für uns klar. Die Frage ist nur wo? In den Bahamas, in der Schweiz oder sogar mal in Neuseeland. J

Es sind 115 nm nach St. Maarten. In Racelaune setzen wir das Gross und den Parasailor. So machen wir mit einer Segelfläche von 90 Quadratmetern 7.5 kn Speed. (Max. 10.1kn) Es geht richtig ab, wir sind gefordert. Bevor es dunkel wird, reduzieren wir die Segelfläche. Wir sind froh, dass wir nur noch das Gross und die Genua oben haben, denn der Wind frischt auf. Unser Ziel Sint Maarten/ Saint Martin ist halb französisch halb holländisch. Die Grenze verläuft sogar mitten durch den berühmtesten Ankerplatz, die Simpson Lagoon.

Nach Alans auf dem WC aufgeschnapptem Tipp, wollen wir von der französischen Seite in die Simpson Lagoon hineinfahren. Die französische Brücke und das Einklarieren im französischen Teil von St. Maarten kostet nur 5 Euro. Hingegen die Gebühren der Brücke, die Nationalparkgebühren und die Zollgebühren im holländischen Teil wären sauteuer. Den 10nm-Umweg nehmen wir in Kauf. Wegen der guten Windverhältnissen sind wir sogar eineinhalb Stunden vor Brückenöffnung um acht Uhr morgens im französischen Teil. So können wir gerade unseren verpassten Schlaf nachholen. Dies tun wir dann aber etwas ausgedehnter als geplant und schlafen 3 Stunden. Den Wecker haben wir beide glatt überhört. Bis zur nächsten Brückenöffnung bleibt Zeit zum Einklarieren. Die zweite Brückenöffnung verpassen wir nicht. Der französische Ankerplatz liegt weiter weg. Damit wir mit unserem Minidinghi nicht zu weit fahren müssen, setzen wir den Anker haarscharf an der Grenze. D.h. der Anker liegt in Holland und Ranja liegt in Frankreich.

 

Am Abend gehen wir noch an Land. Wir erwarten ein Ersatzteil aus der Schweiz, das an den Trans Ozean-Stützpunkt geschickt wurde. Sofort machen wir uns auf die Suche dem Shrimpy’s, wo unser Paket angekommen sein sollte. Wir können das Restaurant nicht auf den ersten Augenblick finden. Weil wir dort erst etwas später Abendessen wollen, erkunden wir die Strasse zum Zentrum. Da in den kommenden 4 Tagen die Heineken Regatta stattfindet, ist alles in Festlaune. Wir verweilen nicht zu lange, denn unser Ziel ist ja noch das Shrimpy’s. Wir können es aber nicht finden, denn es ist seit eineinhalb Jahren geschlossen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich unser 2-jähriger Doyle-Führer täuscht. In der Karibik spüren die Leute die Krise scheinbar auch. Geschlossene Restaurants, Internetcafes etc.

Der ehemalige Besitzer des Restaurants nimmt aber die Pakete immer noch entgegen. Ein Einheimischer erklärt uns, wo wir ihn sogar heute Abend sicher finden können. Da wir aber die Telefonnummer von ihm haben, wollen wir ihm morgen anrufen.

Zurück im Tummel finden wir ein Restaurant. Prompt treffen wir dort Alan. Obwohl er uns geraten hat, über die französische Seite in die Lagune zu fahren, hat er es nun doch anders gemacht. In seinem neuen Führer hätte er nichts von den Kosten gelesen und es riskiert. 8 US ist wirklich nicht sauteuer. Scheinbar wissen aber noch nicht viele Yachties vom Wechsel, denn es liegen immer noch eindeutig mehr Segler im französischen Ankergebiet.

Live-musik und Drinks zu 2 US Dollars, Open Air Stimmung dank der Heineken Regatta. So lassen wir den Abend ausklingen bzw. ausdröhnen.

 

Donnerstag, 4.3.

St. Marteen ist das Yachtzentrum schlechthin. Da die ganze Insel zollfrei ist, floriert der Handel von Yachten und Yachtzubehör. Martin hat sich schon lange darauf gefreut, sich in den Shipchandlern umzusehen und sein Poschtizettelchen ist nicht ganz kurz. Bevor wir jedoch losfahren, erkundigen wir uns, wo wir unser Paket mit dem Ersatzteil abholen können. Paketpech verfolgt uns scheinbar. Michael Glatz, der Besitzer des Shrimpys hat noch nichts erhalten! GRRRRRRRRRRRRRR. Seit dem 8. Februar ist es schon unterwegs?!? Einen Monat könne es manchmal schon gehen. Was heisst das?

Werden unsere Reisepläne womöglich ziemlich über den Haufen geworfen? Martin bleibt um einiges cooler als ich, obwohl wir von Gibraltar her ja wissen, dass manche Pakete sogar ganz vom Erdboden verschwinden und dann natürlich alle Warterei vergebens ist. Zum Glück gibt es im Schiff eine Menge Holz!

Nachdem wir einen Plan B zu Wege geschlagen haben, machen wir uns auf Schiffszubehörshopping. Nun sind wir stolze Besitzer eines AIS, das Martin kaum auf dem Schiff, installiert. Für alle Schiffe, grösser als 300 Tonnen  ist ein AIS-Sender Pflicht. Wir haben nun einen Receiver gekauft. Darauf können wir Name, Position, Richtung und Geschwindigkeit dieser Schiffe ablesen. Dieses Gerät gibt uns mehr Sicherheit und auch die Möglichkeit grosse Schiffe leichter anzufunken.

 

Freitag – Montag, 5.3.-10.3.10

Die Tage vergehen wie im Nu. Vielleicht ist das auch darum, weil hier einiges etwas komplizierter ist als zuhause:

Am Freitag ist Wäschetag. Von einem Deutschen Seglerpaar haben wir den Insidertipp erhalten, wo man für 2 US waschen kann. Dies hat sich scheinbar rumgesprochen, denn oft seien die Wartezeiten ziemlich lang. Schon nach 10 min komme ich an die Reihe. Schwein gehabt. Das ändert sich, als eine Amerikanerin mit einer riesigen Reisetasche auftaucht. Natürlich setzt sie sich nicht lesend zu uns Wartenden in den Schatten, sondern checkt direkt die Lage aus. Dummerweise ist gerade dann die zweite Maschine fertig und so fordert sie die Canadierin auf, diese zu räumen. Sie scheut sich später auch nicht, einen Tumbler auszuräumen um ihre Wäsche zu platzieren. Mit ein bisschen Schadenfreude informiert man sie erst später, dass bei ihrem erhaschten Tumbler die Hitze nicht mehr funktioniert. Daraufhin verlässt sie ziemlich bald das Schlachtfeld, fürs Warten ist sie sich wahrscheinlich zu schön. Diese Ellböglerei hat mich ziemlich geschockt. Nächstes Mal gönnen wir uns wohl wieder den herkömmlichen Laundryservice, washed, dryed and folded!

Am Samstag stocken wir unsere Vorräte auf, weil es in Kuba und in den Bahamas viel schwieriger und auch teurer sei. Wir treffen uns oft mit der Cantare- und der Starfire-Crew. (Alan und Emelie), sei es für den Ausgang, fürs Sightseeing, oder fürs Homepage-up-daten.

Wir schätzen das Zusammensein mit Gleichaltrigen. St. Martin hat viel zu bieten: Regatta-Abschlussparty am Strand, Multiplex Kino, gemütliche Internet-Cafés, viele Bars….

Am Montagnachmittag will die Cantare aufbrechen. Doch der defekte Kartenplotter vereitelt den Plan. Wir sind mit Problemen nicht alleine.

 

Dienstag - Donnerstag- 9.3. – 11.3.10 Seit Samstag haben wir schlechteres Wetter. Es ist durchgehend bewölkt und immer mal wieder regnet es. Dabei hat unser Regenwasserauffangsversuch einen Eimer Wasser geliefert und das Thermometer hat in unserer Kabine die Mindesttemperatur der Karibik angezeigt: 25 Grad. Kaum zu glauben aber wahr, uns hat es regelrecht gefröstelt. Mit einem T-Shirt bzw. leichten Pullover ist die Lage aber schnell entschärft.

 

Etwas brenzliger ist es während unserer Dinghifahrt nach dem Konzert am Sonntagabend geworden. Bis jetzt haben wir uns ja mit unserem kleinen Dinghi ziemlich gut durchgeschlagen. Wir haben uns auch damit abgefunden, dass wir bei rauen Verhältnissen ziemlich langsam sind und oft völlig nass gespritzt werden. Hier in der Lagune versuchen wir sogar mit Abkürzungen zwischen Megayachten und unterhalb der Betonstege hindurch, den Wellen auszuweichen.

Doch am diesem Sonntag gibt es kein Entrinnen. Kaum sind wir aus dem geschützten Bereich des Kanals, schwappen die Wellen direkt ins Dinghi. Mit jeder Welle füllt sich das Dinghi immer mehr und der einsetzende Regen steuert vielleicht auch noch etwas dazu, dass unser Dinghi zur Badewanne wird. Wegen des Windes und der Wellen machen wir auch kaum mehr Fahrt. Wasser kommt von überall: Von oben, von unten und von den Seiten. Der Motor bekommt offensichtlich mehr Wasser als Luft und steigt aus. Sofort schnappen wir die Paddel und kämpfen gegen das Abtreiben an. Zum Glück ist der Motor ganz in der Nähe der Starfire ausgestiegen. So können wir uns gerade noch bis zu ihr retten. 10 Minuten mussten wir für die 50m paddeln. Alan und Emelie sind mit ihrem Monsterdinghi bereits zurück und nehmen uns die Leine ab. Alan bietet uns für den restlichen Heimweg sein Dinghi an, so dass wir es doch noch nach Hause schaffen.

Von unserem Paket fehlt immer noch jede Spur. Um die Wartezeit zu verkürzen wollen wir für ein paar Tage nach St. Barts gehen. Bevor wir aufbrechen, finden wir im französischen Saint Martin endlich unser Antifouling. Unser Plan sieht wie folgt aus: 1. Die Farbe dutyfree in Saint Martin kaufen 2. Falls wir einen billigen Ort zum Auswassern finden,  das Unterwasserschiff neu streichen. Wenn nicht, muss das Schnorcheln reichen und wir brauchen die Farbe, wenn wir wieder zurück in der Schweiz sind.

Der erste Teil des Planes ist aufgegangen. Für das Antifouling haben wir nur 60 % des Normalpreises gezahlt, da wir anscheinend genug mitleiderregend dreingeschaut haben.

 

Die Fahrt zur Insel Fourchue / St. Barts können wir in vollen Zügen geniessen. Guten Wind und das schöne Wetter ist zurück. Wir schnappen uns die zweitletzte Boje in der Bucht. Neben uns liegen vor allem Charteryachten. An diese sind wir uns gar nicht mehr gewohnt. Sofort lassen wir uns von ihnen inspirieren: schnorcheln, Inselspitze erkunden, sünnele, …..

Ferienstimmung pur. Das haben wir ohne Witz schon lange nicht mehr gemacht. Das letzte mal auf den Iles des Saintes. Bevor wir am Donnerstagmorgen zum Einklarieren auf die nächste Insel verschieben, checken wir die E-mails. Good news! Das Paket ist in St. Maarten angekommen. So brechen wir unsern Abstecher nach St. Barths natürlich gerne ab. Nun sind wir zurück in St. Maarten. Wir liegen dieses Mal im holländischen Teil. Paket abholen, Ersatzteil am Mast montieren, Internet up-daten, Einkaufen, waschen, …

 

Spätestens am Sonntag wollen wir nach Kuba aufbrechen.