Kuba, 23.3. - 10.4.10
Dienstag, 23.3.10
Wir werden auf dem Funk vom Hafenmeister freundlich empfangen und direkt an den Steg gewiesen. Bald darauf beginnt schon das Einklarierungsprozedere. Zuerst kommt die Dame der Gesundheitsbehörde an Bord. Sie füllt ihr Formular aus checkt die Medikamente. Nach dem ihr Kumpane das Schiffsinnere mit Moskitospray eingenebelt hat, dürfen wir die Quarantänefahne runter holen. D.h. grünes Licht für die andern Behörden: Immigration, Nahrungsmittel- und Hygienekontrolle und der Zoll. Die ersten drei füllen nur ihre Formulare aus und schauen sich im Schiff um. Die Zollkontrolle nimmt es etwas genauer. Vier Zöllner sind dabei involviert. Als erstes kommt jedoch der Drogenhund, Astra zum Zug. Danach macht sich einer an den Ankerkasten, ein anderer schaut sich in der Bugkabine um. GPS und Signalraketen werden versiegelt. Eigentlich müssten die Zöllner das ganze Schiff auseinander nehmen. Doch dem Leiter der Bande, wird es wegen dem Wackeln schlecht und als junges Paar, mit kleinem Schiff, scheinen wir einen Vertrauensbonus zu haben. Die Bugkabine die mit Material voll gestopft ist, überfliegt ein Zöllner nur. Martins Kleiderboxen und ein Fach mit Ersatzteilen räumt er dann doch noch ganz aus. Danach schaut er aber nur noch oberflächlich in einige Staukammern hinein, die ganzen Rückenlehnenfächer lässt er komplett aus. Der Blick in die Bilge ist nur noch pro forma.
Das ganze Einklarierungsritual dauert den halben Nachmittag und kostet uns ca. 60 USD.
Wir hatten vor der Kontrolle noch einigen Respekt, doch alles lief ziemlich locker und freundlich ab. Wir hatten etwas zu viel Alkohol dabei, nach dem sie aber gar nicht gesucht haben. Das hat uns ziemlich verblüfft.
Unter den Yachties haben wir nun herausgefunden, dass es darauf ankommt, wen sie kontrollieren. Bei einer Familie dauerte die Kontrolle nur eine Stunde, bei einem Boot mit jungen Engländern und Tschechen nahmen sie es sehr genau. Mit dem Werkzeugkasten und dem Akkuschrauber rückten sie an und nahmen alles auseinander!
Die ganze Kontrolle wird vom Staat vorgeschrieben, aber die Ausführenden sind ja auch nur Menschen. So werden wir während der Kontrolle um Schoggi und Fertigkaffee gebeten und der Veterinär taucht erst am nächsten Morgen auf. Nach Formular hat die Kontrolle natürlich gestern mit den andern stattgefunden.
Versiegeltes GPS:
Mittwoch, 25. 3. 10
Mit dem Taxi geht es heute in die Stadt. Wir sind uns den Rummel gar nicht mehr gewohnt. Ein Auto können wir noch nicht organisieren, doch für die morgige Fahrt mit dem Bus nach Havanna ist nun alles klar. Als unsere Mägen knurren, leitet uns ein Passant zu einem Restaurant etwas ausserhalb. Dabei meinen wir der Touristenflut zu entkommen und sicher einen fairen Preis zu erhalten. Denkste, wir zahlen den Touristenpreis, ca. 35 Fr., was einem Durchschnittsmonatslohn der Kubaner entspricht.
Ein Privater bietet uns den Taxidienst bis zum Busbahnhof an. Zurück in die Stadt kutschiert uns ein Velotaxi. Wir machen noch Halt auf dem Friedhof. Neben den Märtyrern der Revolution ist hier auch Compay de Segundo, ein berühmter Musiker begraben. Die Marmorgräber sind lieblich verziert. Bei der Wachablöse trällert eine Hymne aus den Lautsprechern und die Soldaten laufen im Paradeschritt.
Als wir uns vom Velotaxifahrer verabschieden wollen, verlangt er plötzlich einen viel höheren Preis als abgemacht, er sei doch so arm. Das ist mühsam. Zwar hat er einen kleinen Umweg gemacht, doch dies rechtfertigt nicht seine neue Forderung. Wir markten ihn etwas runter und überlassen ihm aber ein schönes Sackgeld.
Wenigstens hat er uns an der richtigen Bushaltestelle abgeliefert. Nach einiger Wartezeit, kommt dann der Bus. Eine Studentin winkt uns, und meint, ihre Münze reiche für drei. Eine Busfahrt kostet bescheidene 20 Cents ca. 1Rp. Im öffentlichen Bus scheint es kein Rückgeld zu geben. Es hat nur eine Metallbox mit einem Schlitz. Die Studentin hat unsere Stimmung gerettet.
Am Abend treffen wir uns noch mit unseren Nachbarn zu einem Stegtrunk. Shaka, eine kanadische Familie und Foxglove, ein britisches Paar, zeigen uns, wo wir in den Bahamas hingehen sollen. So haben wir nun das erste Mal eine grössere Tour bereits vorausgeplant. Praktisch. Der Abend ist gemütlich und weil der Kanadier bei Emmi Canada gearbeitet hat, wird sogar noch auf dem Steg Fondue zubereitet. Eine gemütliche Runde.
Donnerstag, 26.3
Wir stehen früh auf und packen für Havanna. Da wir Ranja einige Tage zurück im Hafen lassen, gibt es einiges zu tun. Die Autovermieterin hat gesagt, dass wir heute Morgen ein Auto reservieren können, gestern ging es eben nicht. Bevor wir jedoch aufbrechen, gibt uns die Kanadierin den Tipp, dass wir es über die Marina machen könnten. Der Hafenmeister ruft bei einer Hotelautovermietung an und es heisst wir sollen einfach nächste Woche vorbeikommen. Der Wagen wäre bereit. Um 18.00 Uhr fährt unser Bus in Santiago de Cuba ab und kommt um 7.00 Uhr in Havanna an.
Freitag, 27.3. – Sonntag, 29.3.
Wir erleben auf unserem Kurztrip viel. Es ist wie ein bisschen wie Ferien vom Segeln.
Havanna ist dort, wo . . .
- die Strasse einem Oldtimermuseum gleichkommt.
- jedes Museum 1-2 Cuc kostet und dementsprechend eher wenig bietet.
- man in einem Revolutionsmuseum eigentlich nichts über die Revolution erfährt, aber schöne Fahnen, Münzen und Fotos bewundern kann.
- am Abend in eigentlich jeder Bar eine Band aufspielt.
- ein Softice 5 Rp. kostet.
- Touristen beinahe überall das Mehrfache bezahlen. (Ausser beim Softicestand!)
- es unzählige, koloniale Bauten in allen verschiedenen Zuständen zu bewundern gibt.
- alle mit dem Baseballfinal mitfiebern. Havanna hat gewonnen!
- Martin eine Menge Zigarren kauft.
- wir eine Touristentour nach Vinales buchen und uns wie Kreuzfahrtschiffspassagiere herumchauffieren lassen. Zugegeben, wir haben es genossen!
- wir bei Homar hausen. Es ist kein offizielles Casa Particular und darum billiger. Homar hat uns sein Zimmer überlassen und dafür die Zeit auf dem Boden geschlafen. Dies alles erfahren wir erst am Schluss.
- man nur mit „where do you come from“ begrüsst wird. Und jeder zweite schon mal in der Schweiz gewesen ist (Kubaner dürfen nicht das Land verlassen), und jeder dritte weiss, dass wir vier Landessprachen haben.
- immer mindestens 30 Leute vor dem Telekomshop warten.
- wir uns rundum sicher und wohl gefühlt haben.
Kuba ist dort, wo
- viele ihr Einkommen illegal verbessern wollen oder müssen. (Privattaxis, Privatunterkunft, Museumsführer, selbsternannte Stadtführer, Zigarrenverkäufer …. )
- es auf der Autobahn eine Spur für Pferdekutschen, Velos oder Fussgänger gibt.
- die Autobahn manchmal zur Schotterpiste wird.
- die Revolution mindestens noch auf unzähligen Plakaten weiterlebt.
- wo man im Bus spanische Filme vorgespielt bekommt. Im Film wird einer mit Communista verflucht. Ausser uns findet das aber niemand lustig.
- die offizielle Touristenführerin den Staat schönredet. Alles ist optimal.
- man Seife nicht in jedem Laden bekommt und eine leere DVD purer Luxus ist.
- man das ewige Warten lernt. (Bus, Soft-ice, Bank, Taxi ….. ) Für uns halb so wild, wir haben ja Ferien. Aber für die Kubaner ist das der Alltag.
- die Leute Essensrationen vom Staat bekommen. Ein einfaches Büchlein gibt Auskunft, was sie schon eingelöst haben.
- wo sie den Papierkrieg lieben.
Dienstag, 30. 3. – Montag, 5.4.10
Auf unserer Tour mit dem gemieteten Auto erkunden wir den Osten. Auf halbem Weg treffen wir die Schwedinnen und setzten die Tour mit ihnen fort.
Das ist dort, …..
- wo die Drehorgel Guantanamera spielt und mit Schlagzeug und anderen Rhythmusinstrumenten begleitet wird.
- wo wir von der Strasse aus zu einer Teenagergeburtstagsparty eingeladen werden.
- wo man auf der Strasse Salsa tanzt und Sofia dabei den Männern den Kopf verdreht.
- wo wir ein Auge für Peso-plätze entwickeln. (d.h. man kann mit einheimischem Peso bezahlen und darum ist es echt billig. Znacht für fünf für 5 Fr.!
- wo es jeden Mittag Strassenpizza gibt, die 20 Rp. kostet.
- wo wir auf die Führung in die Commandancia (Fidel und Ches Lager im Osten) wegen den saftigen Touripreisen verzichten, die Nacht aber trotzdem in den Bergen genossen haben. (25 CuC pro Person, das wären 125 Pizzas! Das wollen wir echt nicht unterstützen.)
- wo man vor lauter Schlaglöchern die Strasse nicht mehr sieht.
- wo wir mit den Casas particulares (Zimmer bei Privaten) vier verschiedene Familien kennen lernen konnten.
- wo wir den Hyundai ATOS krampfen lassen.
- wo wir gerade noch rechtzeitig eine Tankstelle finden.
- wo Martin wegen den kurzen Hosen nicht bei den Frauen essen darf und in der Küche platziert wird
- wo unsere Mägen an der einheimischen Kost leiden. Unsere Apotheke ist Gold wert!
- wo OsWALDo uns offiziel den UrWALD zeigt. Den Weg zum Wasserfall zeigt er uns schwarz, was uns auch zugute kommt.
- wo bei jeder Kasse auch ein Buchhalter sitzt und alles kontrolliert
- wo wir auf dem Markt frische Orangen, Tomaten, Zwiebeln, Mangos, Ananas, Chilis, Zapote, Knoblauch und Eier bunkern.
Montag, 5.4. – Samstag, 10.4.2010
Am Montagabend sind wir wieder zurück beim Schiff. Martins Magen hat es schlimmer erwischt als meinen. Da Martin auch noch Fieber bekommt, sind wir froh, dass wir wieder „zuhause“ sind. Am Dienstag geht es Martin langsam wieder besser, das Fieber ist zum Glück verschwunden. Die Medikamente scheinen zu wirken. Ich gehe alleine in die Stadt um das Auto zurückzugeben und einzukaufen. Am Mittwoch klären wir miteinander bei einer Firma ab, ob sie uns das Schiff auswassern können. Wir staunen nicht schlecht, wie gut die Firma ausgerüstet ist. Sie stellen Pilotschiffe und Buxis her. Leider wollen sie viel zu viel zu viel für Auswassern und wir lassen es bleiben. Wenigstens haben wir einen Kaffee und eine Taxifahrt spendiert bekommen.
Die letzten Tage verbringen wir im Hafen. Dank der Medikamente, der leichten Kost und dem lockeren Programm kann sich Martin gut erholen. Wir pflegen die Kontakte zu den andern Yachties. Zurzeit sind drei Schweizeryachten (von insgesamt ca 10) in Santiago. Tanja, ein Herisauer Paar, hat auf der Fahrt das Grosssegel zerrissen. Einen Segelmacher gibt es keinen, aber Kubaner sind ja Improvisationskünstler. Wir haben zum Beispiel den gebrochenen Spibaumbeschlag am Mast schweissen lassen, der gut, günstig und schnell gemacht wurde. Nun sind wir alle gespannt, was bei der Segelreparatur herauskommt.
Eigentlich wollen wir am Samstag aufbrechen, aber das Wetter lässt uns noch einen Tag abwarten. Auf unserem letzten Trip nach Santiago gehen wir nochmals auf den Markt. Das Angebot ändert sich scheinbar von Tag zu Tag. Anstatt Ananas gibt es Papaya, anstatt Kopfsalat Karotten. Es ist wie eine Lotterie. Die ganze Woche hat es keine Kartoffeln gegeben, weshalb sich viele Leute in die Reihe stellen. Wir überlassen den Kubanern die Kartoffeln und wollen noch ein paar Eier dazukaufen. Doch dort wo sich am Dienstag noch die Eier türmten, herrscht Leere! Später bekommen wir in einem Supermarkt nur gerade 4 Literflaschen Wasser, das wäre alles. Erst in einem andern Laden finden wir dann mehr Wasser. Einkaufen in Kuba ist eine Herausforderung. Wir sind in der Schweiz mit dem riesigen Sortiment schon privilegiert.
Bevor wir zurückgehen lässt sich Martin beim staatlichen Barbier die Haare schneiden und den Bart rasieren. Mit Schaumpinsel und Messer geht’s dem Bart an den Kragen. Beweisfotos gibt es leider keine, doch die Show werden wir in guter Erinnerung behalten. Da wird gepinselt, geschabt, gepudert, nasse Lappen aufgelegt, massiert, eingeschmiert, gekühlt, gewärmt und am Schluss poliert und ventiliert. Kein Härchen an Ohr, Nase und Augenbraue wurde nicht getrimmt. Martins Backe fühlt sich an wie ein Babypo.