Bahamas, 15.4.10 – 28.4.10
Donnerstag, 15.4.10
Dass die letzte Fahrt ziemlich wild war, erkennt man schnell, wenn man einen Blick ins Schiff wirft. Den Inhalt der Bugkabine hat es quer durcheinander geworfen, Geschirr häuft sich im Spülbecken, man erkennt die Spuren des Wassers aus der Bilge, das bei grosser Krängung hinauf schwappt, Colabüchsen die im Fach unter der Mittschiffkoje beschädigt wurden und ausgelauften, Kleider und Rettungswesten blockieren den Salontisch, anders gesagt: Chaos!
Beim Aufräumen der Bugkabine fällt uns auf, dass Wasser auf der Backbordseite eintritt. Diesem Leck müssen wir nachdem wir einklariert haben, nachgehen.
Wir fahren mit dem Dinghi in das Government Bassin um an Land zu gehen. Im Becken bleibt kaum mehr Platz, weil gerade das Versorgungsschiff im „Hafen“ ist. Das Schiff liegt quer im Hafen und braucht die ganze Breite. Die einheimischen Fischerboote mussten sogar Platz machen. Zudem versperren vier Wracks das halbe Becken. An einem von den Fischerbooten dürfen wir unser Dinghi anmachen und übers Schiff an Land gehen.
Als wir nach dem Weg zum Zoll fragen, chauffiert uns ein Einheimischer gerade mit dem Pickup vor die Türe. Die Behörden sind die freundlichsten die wir bis jetzt abgeklappert haben. Hier an Land geht es gemütlich und locker zu und her. Die Leute sind auch auf der Strasse herzlich und winken einem nett zu. Nachdem wir einen Blick in den Supermarkt geworfen haben, das Sortiment ist gar nicht so schlecht, machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Doch in Matthews Town ist das gar nicht so einfach. Die Strassen sind zwar alle wie in einem Netz angelegt, Restaurants, Tankstellen, etc sind aber scheinbar willkürlich verteilt. So geben wir schnell auf und fragen nach. Wieder chauffiert uns der Gefragte direkt vor ein Restaurant. Im Raum hängen drei grosse Bildschirme und die Musik läuft lautstark, klar dass es hier ein Wifi-Netz hat. Die Einheimischen holen hier ihren Take-away Zmittag ab, von der Hausfrau bis zum Pfarrer scheint hier niemand zu kochen. Wir bekommen die amerikanische Portion in der Bar serviert. Danach laden wir unsere Homepage nach und gehen noch einkaufen.
Freitag, 16.4
Wir gehen nochmals aufs Internet. Dieses Mal lassen wir uns nicht chauffieren, sondern wir machen uns alleine durch das Strassengitternetz. In Great Iguana bauen sie eine Million Tonnen Salz pro Jahr ab. Wovon die Leute sonst leben, wissen wir nicht. Für Landwirtschaft ist es zu trocken, die Fischerboote reichen wahrscheinlich gerade für den Inselbedarf aus. Trotzdem scheint hier jeder früher oder später sein eigenes Haus mit Garten aufzustellen. Die Krise scheint man aber auch hier zu spüren, einige Rohbauten scheinen schon ziemlich lange still zu stehen (Die Karre vor dem Rohbau ist aber trotzdem vom Feinsten).
Der Ort ist sehr amerikanisch angehaucht: Man fährt Pickups, isst riesige Portionen, hat dementsprechende Figuren, spielt Basketball, schaut TV rund um die Uhr, kauft Megapackungen, hat eine riesige Garage, etc.
Beim Einkaufen lassen wir uns der Amerikawelle anstecken. Zum Znacht gibt es hausgemachte, deftige Cheeseburger.
Das dürfen wir uns schon gönnen, sind wir doch am Nachmittag bis zum Leuchtturm gewandert. Beim Rückweg war die Verlockung eines passierenden Pickups dann zu gross. Hier geht niemand zu Fuss, Passanten nimmt man immer mit.
Samstag, Sonntag, 17.4. – 18.4
Diese Nacht haben wir nicht so gut geschlafen, weil es mitten in der Nacht auf dem Ankerplatz ziemlich unruhig wurde. Nach dem Grib-file, das wir gestern heruntergeladen haben, können wir heute Morgen nach Long Island aufbrechen. Um Viertel vor neun legen wir los. Es bläst den ganzen Tag mit 4 – 5 Windstärken, unsere Segel sind dementsprechend gerefft. Weil wir halben Wind segeln können ist dies viel angenehmer als die Tage zuvor. Direkter Kurs, in den ersten 12 Stunden machen wir 6.4 kn Fahrt im Durchschnitt, da kommt man gut voran.
Ab Mitternacht kommt der Wind mehr von achtern und lässt ein bisschen nach. Obwohl Martin die Genua ausbaumt, machen wir etwas weniger Geschwindigkeit. Bis zum Morgen segeln wir zwei Stunden unter einer Regenwolke und werden ziemlich nass. Das ist der längste Schauer seit langem. Am Vormittag erreichen wir Clarence Town auf Long Island. Wir ankern in der Nähe der Marina, damit wir am Nachmittag noch an Land können. Das Dörfchen ist am Sonntag wie ausgestorben. Einzig die Bar in der Marina ist offen.
Montag, 19.4.
Die Kanadier und Briten in Santiago haben uns vom Blue Hole vorgeschwärmt. In einer Flachwasserlagune, fällt der Grund plötzlich senkrecht ab. Das Loch ist 202 m tief! Das wollen wir uns nicht entgehen lassen.
Heute ist die Strasse belebter. Die Einheimischen rennen mit Grillzangen nervös auf dem Asphalt herum. Die Krabben sind los! Die scheinen hier eine Delikatesse zu sein. Auch wir bekommen einige zu Gesicht, haben aber leider kein Werkzeug dabei. Wenn man sich den Krabben nähert, stellen sie sich angriffslustig auf die Hinterbeine und schnellen mit den Scheren in die Höhe. Trotz der Wichtigtuerei weichen sie aber langsam zurück. Dabei sind sie zu langsam um Grillzangen und Fotoapparaten zu entkommen.
Als wir auf der Hauptstrasse sind, hält das erste Auto und erkundigt sich, wohin wir denn wollen. Bei der Abzweigung zum Blue Hole laden sie uns ab und organisieren uns gerade die nächste Fahrtmöglichkeit, indem sie einem vorbeifahrenden Auto zuwinken und zujohlen. Die jungen Typen scheinen keine Einheimische zu sein. Sie wollen auch zum Blue Hole, Schwein gehabt. Als wir dort ankommen, staunen wir nicht schlecht. Heute findet ein Wettbewerb im Free Diving statt. Dort geht es darum ohne Hilfsmittel so tief wie möglich zu tauchen. Der ganze Event läuft sehr ruhig ab. In der Nähe der Badeplattform wird nicht gesprochen, damit sich die Athleten konzentrieren können. Wir packen sofort unsere Taucherbrillen und verfolgen den Wettkampf. Ohne Sauerstoff tauchen die Sportler in die blaue Tiefe ab. Es ist echt spektakulär. Der Höhepunkt des Tages sind zwei aufgestellte Weltrekorde. Ein Österreicher taucht ohne Flossen und ohne Sauerstoff 114 m tief. Er braucht dazu nur ca. 3 min. Unser Fahrer, ein Neuseeländer und der Organisator der Veranstaltung, hat in einer anderen Kategorie einen Weltrekord aufgestellt. Seine Tiefe war 92 m.
Am Mittag ist der Wettkampf zu Ende. Eigentlich würden wir noch gerne ein bisschen am Strand liegen und faulenzen. Weil wir aber heute Abend schon wieder weiter wollen, ist es höchste Zeit aufzubrechen.
Zurück beim Schiff machen wir Ranja fahrtklar. Ein Amerikaner, der gestern eine riesige Dorade gefischt hat, schenkt uns ein schönes Filet, das es bevor wir aufbrechen zum Znacht gibt. Um halb sieben steht die Sonne gerade noch genug hoch, damit wir bei der Ausfahrt den Riffen und Untiefen einfach ausweichen können.
Der Wind bläst eher schwach. So können wir von Ranjas Binnenrigg profitieren. Im Wellenlee von Long Island, mit einer netten Brise geniessen wir die Fahrt in die Nacht in vollen Zügen. Es fühlt sich an, wie ein perfekter Segeltag auf dem Bodensee! Daran müssen wir uns ja auch langsam wieder gewöhnen.
Dienstag, 20.4.10
Am Morgen umrunden wir das Kap. Der Wendewinkel ist 90 Grad. So gut war er schon lange nicht mehr. Das ist der Grund, dass wir prompt zu spät gewendet haben und einen Umweg gefahren sind. Der Wind meint es auf dieser Fahrt wirklich gut mit uns. Den letzten Schlag nach Georgetown können wir bis auf ein paar letzte Meilen alles segeln. Erst kurz vor der Einfahrt in die Riesenbucht, gibt er erst ab.
Das Gebiet rund um Georgetown ist perfekt zum Ankern. Eine Hügelkette läuft parallel zur Küste. Dazwischen ist das Wasser im Schnitt 2 Meter tief, es gibt Inseln und Kanäle. Wellen hat es wegen der Hügelkette natürlich keine. Das einzig tückische sind einige Korallenköpfe und wandernde Sandfelder, wo es untief ist. Mit einer guten Karte und Sonnenlicht, lassen sich jedoch diese Gefahren leicht erkennen. Während Martin an der Pinne ist, gehe ich für die so genannte Eyeball-Navigation vorne zum Bug.
So bringen wir Ranja sicher an den malerischen Ankerplatz.
Mittwoch, 21.4.
Bevor wir näher bei der Stadt ankern, schauen wir in der Nähe etwas ausserhalb der Stadt beim Masters Harbour vorbei. Wir wollen abchecken, ob wir hier das Schiff auswassern, putzen und frisch streichen können. Der Bewuchs bremst uns zurzeit enorm. (Der Motor dreht unter Vollgas nur noch 2800 statt 3600 Umdrehungen pro Minute!) Klar könnten wir das Unterwasserschiff nochmals schnorchelnd putzen, doch wir holen sicher mehr Geschwindigkeit raus, wenn wir das Unterwasserschiff neu streichen. Für die kommende längere Überfahrt sind wir um jeden halben Knoten froh.
Die Auflösung der Karte zeigt die Passage zum Hafen nicht so genau an. Mit unserem Tiefgang von 1.70 wird es an einigen Stellen sicher knapp. Martin steuert und kontrolliert die Tiefenanzeige, ich stelle mich wieder an den Bug. Kurz vor dem Hafen ist Schluss, weder links noch rechts lässt sich eine tiefere Stelle finden. So setzen wir uns sanft mit dem Kiel auf den Sand. Die Tide wird uns wieder befreien, denn sie ist hat ihr Höchstes noch nicht erreicht. Martin klärt darum mit dem Dinghi ab, ob wir im Masters Harbour unser Schiff auswassern können. Preis und Leistung sind i.O. Wartelisten gibt es keine, wir werden wahrscheinlich nächste Woche das Schiff hier auswassern.
Wir kommen leicht frei. Leider haben sich gerade dann einige Wolken vor die Sonne gesetzt, als wir zwischen zwei Korallenfeldern hindurchnavigieren müssen. Die verschiedenen Wasserfarbtöne lassen sich so kaum mehr unterscheiden, eine Weiterfahrt wäre mit mehr Risiko verbunden. Einmal aufsitzen im Sand ist genug. Wir wissen auch nicht, was für Schäden Korallenriffe anrichten können und werfen darum den Anker bis die Wolke verschwindet. Der Himmel lockert zwar auf, doch die Sonne wird immer wieder mal verdeckt. Darum ändern wir die Strategie und fahren keinen neuen Weg, sondern den von gestern.
Auf dem Ankerfeld vor der Stadt liegen viele Yachten. Martin erkennt sie schon von weitem. Es ist Ainia, die Yacht des Kanullis. Dass wir Bruce und June nochmals treffen, hätten wir nicht gedacht. Bruce denkt da anders und ruft er hätte für uns einen Platz reserviert! Wir nehmen die Einladung an und ankern im freien Raum neben ihm. Die beiden Kanadier sind schon ein paar Tage hier und erklären uns kurz, wo wir alles finden. Von heute bis am Samstag findet die Family-Regatta statt. Es ist die wichtigste Regatta der Bahamas. Jede Insel schickt eines ihrer traditionellen Boote ins Rennen. Am Land sind alle in Festlaune. So speisen wir an einem Foodstand mit Blick auf das Renngeschehen. Sogar eine Schulklasse hat auf der Tribüne Platz genommen.
In Georgetown gibt es am Dinghisteg gratis Wasser. Das kommt uns für die bevorstehende Tankreinigung natürlich gelegen. Weil wir keine Wasserkanister haben, verwenden wir einfach die wasserfesten Seesäcke um das Wasser zum Schiff zu transportieren. Die Fahrt zurück ist spektakulär. Zwei Taschen Lebensmittel, 60 Liter Wasser und die komplette Crew. Unser Töff wäre beinahe abgesoffen.
Nach einem kurzen Willkommensdrink auf Ainia am späteren Nachmittag machen wir uns wieder an die Arbeit. Wenn das Wasser eine Weile im Süsswassertank ist, nimmt es einen modrigen Geschmack an. Wir spülen den Tank mit Kukident, das 99.9% der Bakterien abtöten sollte und danach mit Wasser mehrmals nach. Das Resultat scheint ok zu sein, ausser dass es jetzt ein bisschen nach Zahnpaste schmeckt. Wir gehen davon aus, dass der Geschmack schon mit der nächsten Tankfüllung nachlässt. An Land geht die Après-Regatta Party heute ohne uns los, wir gehen früh in die Federn
Donnerstag, 22.4.10
Ein 20 Seemeilentörn steht auf dem Plan. Währenddem wir den Kanal verlassen, läuft gerade eine Vorentscheidung der Regatta.
Für die Leichtboote hat es genügend Wind, doch Ranja ist halt ein bisschen schwerer. Zudem haben wir den Leichtwind direkt von vorne. Es bleibt uns nichts anderes übrig als die Maschine mitlaufen zu lassen (Ausdruck den wir von den Deutschen gelernt haben ;-).
Martin versucht es mit Angeln. Verschiedene Köder, verschiedenen Schleppdistanzen. Seit der Karibik haben wir einfach kein Glück.
Die Exumas, eine Inselkette, trennt den Atlantik von der Great Bahama Bank. Die Ostküste ist dem Atlantik ausgeliefert und die Küste fällt steil ab. Ankerplätze gibt es nur Dank vorgelagerten Riffen und Inseln wie bei Georgetown, die Schutz und seichte Ankerplätze bieten. Auf der Westseite zieht sich die Bahama Bank. Die Wassertiefe ist durchschnittlich 2 m tief, man könnte theoretisch überall ankern. Man muss sich an Routen halten, weil es oft sehr flach ist. Je nach Windrichtung und Laune wählt man nun eine Seite der Exumas aus.
Unser heutiger Ankerplatz befindet sich im Westen der Exumas. D.h. wir müssen durch einen Cut (Durchgang zwischen zwei Inseln) hindurch. Je nachdem ob Ebbe oder Flut ist, herrschen verschiedene Ströme. Für Schiffe mit kleinem Motor ist es wichtig, dass man einen Cut nicht bei Gegenstrom passiert. Auch sollte man darauf achten, dass Wind und Strom nicht gegeneinander ankämpfen, sonst wird das Ganze zum ungewollten Riverrafting. Ausserdem sollte die Sonne im Rücken sein, damit man die Untiefen am Besten erkennen kann. Das Navigieren in den Bahamas ist bis jetzt am anspruchsvollsten.
Für uns geht es sich gut aus. Wir passiern den schmalen Cut, bei Hochwasser, wenn es kaum Strömung gibt. Hinter der Insel finden wir einen schönen Platz. Martin schiesst Bilder und ich gehe schnorcheln. Ein kleiner Fisch, der zunächst an Ranjas Rumpf klebt, sucht mich nachher als Kumpanen aus. Immer wieder berührt er meinen Unterschenkel. Nachdem ich die Ankerkette und den Anker erschnorchelt habe, wird es mir zu gruselig und ich gehe aus dem Wasser. Der Einfluss der Strömung ist hier stärker als der Wind. D.h. der Wind bläst von der Seite, Ranja hat sich in die Strömung gestellt. Da beim Setzten des Ankers die Strömung in die andere Richtung geflossen ist, liegt unsere Ankerkette in einem grossen Bogen auf dem Boden. Wir hängen also an der Kette und nicht am Anker. Wenn man neben dem Schiff herschwimmt, kommt es einem vor wie auf einem Laufband. Die Strömung ist enorm. Wenn man auf dem Schiff ist, merkt man aber davon nichts, man meint sogar Ranja wäre an Land aufgebockt, so ruhig steht das Schiff. Das Ankern hier ist in aller Hinsicht speziell!
Freitag, 23.4.10
Staniel Cay ist ca. 40 nm entfernt. So machen wir uns um Viertel nach sieben schon auf den Weg. Der Wind bläst heute mehr von Ost, was uns zu Gute kommt. Doch am Anfang machen wir zu wenig Geschwindigkeit, so dass wir Motorsegeln müssen. Martin versucht sich sofort mit Fischen. Der Schwertfisch, hat damals im Mittelmeer den halben Köder verschluckt. Alle verbleibenden Federchen haben sich zudem rostig verfärbt. Klar, dass so keine Fische mehr anbeissen. So entfernt Martin die Federchen und verlängert den Köder mit einem kleineren orange-gelben Tintenfisch. Dies scheint zu wirken, schon bald beisst ein Wahoo an.
Wir verarbeiten den Kerl möglichst schnell und die Filets kommen in den Kühlschrank. Eine Ration lege ich als Carpaccio ein.
Als wir den Big Rock Cut passieren, überholt uns zur gleichen Zeit das Mailboot. Das ist unheimlich, weil es ziemlich eng ist. Der Kapitän scheint zu wissen, was er da tut und nachdem er uns überholt hat, können wir ihm auf seiner Route folgen.
Den Ankerplatz wählen wir in der Nähe des Thunderball Caves aus. In dieser Höhle wurde der gleichnamige James Bond aufgenommen. Die Abkühlung kommt uns gelegen und wir schauen uns die Sache sofort an. Man kann zwischen zwei Felsen durchschnorcheln und es wimmelt nur so von farbigen Rifffischen.
In der Zwischenzeit hat neben uns Ainia geankert. Als wir ihnen vom gefangenen Fisch erzählen, gerät June regelrecht aus dem Häuschen. Sie sei sowieso gerade am Abendessen kochen. Wenn wir den Fisch beisteuern, könne sie Sushi machen.
So kommen wir zu einem echten chinesischen Abendessen. Leider hat June keinen chinesischen Essig mehr an Bord gehabt. So konnte sie keine originalen Sushi-Häppchen machen. Sonst ist aber alles sehr authentisch von den Stäbchen bis zum Büchsenfruchtsalat, da spürt man eindeutig, woher die Kanadierin stammt.
Samstag, 24.4.10
Ainia geht erst heute Morgen schnorcheln. Als sie zurückkommen, sind sie völlig aufgeregt. Weil zurzeit Low-Tide ist, kann man nun durch den ganzen Felsen hindurchschnorcheln. Die Haupthöhle wird durch drei Löcher in der Decke von der Sonne beleuchtet. Das müssen wir natürlich sehen und gehen nochmals hin.
Es ist echt das Eindrücklichste, was wir bis jetzt an Unterwasserwelt gesehen haben. Unzählige, neugierige Fische schwimmen in der Höhle herum. Vom grossen Papageienfisch bis zu kleineren Unscheinbaren gibt es alles. In der Höhle gibt es verschiedene Gänge und Ritzen, wo man hindurchschwimmen bzw. scheuere Fische entdecken kann.
Wow, gestern bei Flut, hätten wir nie gedacht, dass sich innerhalb des Felsens eine Höhle befindet. Wir bereuen es sehr, dass wir keine Unterwasserkamera mehr haben. Das wären die besten Aufnahmen geworden!
Nach Martins Hotdogs wechseln wir den Ankerplatz. Auch hier wartet eine Attraktion.
Die schwimmenden Schweine sind echt witzig. Unsere Grünabfälle können mit dem Fastfood des nahen Motorbootes leider nicht mithalten. So müssen wir sie mit allen Mitteln anlocken, dass sie auch zu unserem Dinghi schwimmen. Es ist uns aber gelungen.
Übrigens staunt man nicht schlecht, wenn man sieht wie schnell die Schweine schwimmen können. Martin musste sich echt in die Riemen legen um ihnen nachzukommen.
Sonntag, 25.4.10
Ainias und unser Weg trennen sich heute. Die Kanadier gehen direkt in den Exuma Park, wir machen einen Zwischenstopp im Compass Cay. Die Fahrt in den Cay ist tricky, weil das Wasser ziemlich untief ist. Da wir kurz vor Lowtide ankommen, haben wir nicht viel Reserve unter dem Kiel. Wir folgen einer Felskante und finden einen idyllischen Ankerplatz. Als das Wasser sich noch mehr senkt, kommen riesige Sandbänke zum Vorschein. Mit dem Dinghi gehen wir die Landschaft erkunden. Die Farben sind spektakulär.
Montag, 26.4.10
Am Morgen haben wir es ziemlich eilig den Ankerplatz zu verlassen, weil wir kurz vor Niedrigwasser ein paar seichte Stellen passieren müssen.
An einer Stelle, die wir gestern locker durchfahren haben, rumpelt und knallt es fürchterlich. Wir haben einen Felsen oder einen Korallenkopf gerammt. Das Ding ist wahrscheinlich abgebrochen oder wir sind darüber gehüpft, da die Fahrt (3-4 Kn) nur ca. zur Hälfte abgebremst wurde. Wir könnten uns Ohrfeigen, dass wir diese Stelle heute völlig unterschätzt haben und darum fahrlässig navigiert haben.
Ziemlich aufgewühlt setzen wir die Fahrt fort und suchen auf der Karte den sichersten Weg an den neuen Ankerplatz. Wir nehmen sogar einen rechten Umweg in Kauf. Auf halbem Weg sehen wir zwei Segelschiffe, die den kürzeren Weg wählen. Das zweite Schiff ist eine Oceanis, die sicher mehr Tiefgang hat als wir. In der Zwischenzeit haben wir uns wieder beruhigt und so entscheiden wir uns auch für den kürzeren Weg. Wir navigieren sorgfältig und meistern die Stelle mit 1.6 m Tiefe ohne Probleme. Wir haben zwar einen Tiefgang von 1.7 m, doch es ist noch nicht ganz Niedrigwasser, so dass wir immer 30 cm unter dem Kiel spatzig haben. Während heiklen Passagen drosseln wir jeweils unsere Geschwindigkeit. Ganz anders die Oceanis! Unter hohem Speed rast sie selbstbewusst durch diese Stelle. Amis!
Auf dem Ankerplatz haben die Parkwärter neu Bojen ausgelegt. Wir schnappen uns eine.
Der erste Kielcheck mit der Taucherbrille zeigt Folgendes: Am Kiel hat es Reste des Gesteins, das sich leicht abrubbeln lässt. Zudem hat es kleine Dellen unten und vorne und einige Kratzer unten an der Seite. Es sieht nicht allzu übel aus. Nochmals Schwein gehabt.
Das Wetter ist heute Nachmittag nicht so schön, wie in den Tagen zuvor. Trotzdem erkundigen wir die kleine Insel. Martin erklimmt den eindrücklichen Fels, während ich austeste, ob es sich zum Schnorcheln lohnt. Die Wellen sind so gross, dass sie das ganze Wasser aufwühlen. So breche ich meinen Versuch ziemlich schnell ab. Der Horizont hat sich in der Zwischenzeit ganz dunkelblau verfärbt. Die dunkle Wolke scheint näher zu kommen, obwohl es doch in die Gegenrichtung geblasen hat.
Wir machen uns auf den Rückweg. Nun dreht der Wind um 180 Grad und bläst uns die dunkeln Wolken entgegen. Die Windstärke nimmt stetig zu, die Temperatur fällt und als wir zurück beim Schiff sind, beginnt es zu regnen. Eine Kaltfront zieht durch. Starkwind, Regen, weniger Wind, Gewitter, Regen. Wir sind froh, dass wir an einer Mooring hängen. Am Morgen sind Strömung und Wind immer wieder anders, so dass die Mooringboje mehrmals unter dem Rumpf hindurchgezerrt wird. Nochmals sind wir froh um die Boje.
Dienstag, 27.4.10
Es ist unser letzter Ferientag in den Exumas. Das Wetter spielt mit. Am Mittag lockern sich die Wolken nämlich auf. Mit dem Dinghi geht es auf die vielleicht letzte Entdeckungsreise in den Süden der Insel. Dort nehmen wir den Weg zu einem Strand, wo es gute Schnorchelgründe geben soll. Der Strand ist echt perfekt und
wir haben ihn für uns allein! Die Korallengärten sind an die Felswand angewachsen. So entsteht eine einmalige Höhlenwelt mit vielen verschiedenen Fischen. Martin muss heute leider passen, weil er seine Ohren schonen muss. Seit ein paar Tagen plagen ihn die Ohren und der Hals ein bisschen. Zum Schwimmen im Meer ist er aber immer noch zu haben.
Das war echt ein perfekter Abschlusstag. Nun geht es zurück nach Georgetown. Ran an die Vorbereitung.
Mittwoch, 28.4.10
Wir müssen die ganze Nacht durchmotoren. Kurz bevor wir in Georgetown ankommen regnet es in Strömen.
Das Wetter hier in den Bahamas ist wechselhafter als zuvor. Wenn die Sonne scheint ist es immer noch ziemlich heiss, doch in der Nacht kühlt es wieder ab. Die Wassertemperaturen sind auch etwas tiefer, doch mit 25.5 Grad immer noch angenehm. Bis jetzt entspricht uns dieses Klima hier in der Karibik am meisten, vielleicht auch weil es sich wie die besten Sommertage in der Schweiz anfühlt.
Wir lassen uns vom Regen nicht aufhalten und fahren direkt in die Marina, wo wir das Schiff auswassern wollen. Leider blockiert zurzeit ein anderes Schiff den Travellift. Darum ankern wir vor dem Städtchen.
Am Freitag soll der Travellift wieder frei sein.
Die kommende Woche werden wir unsere To-do-Liste in Angriff nehmen:
- Backstagen und Grossschot neu takeln
- Vorderluke und Backbordseitenfenster dichten
- Auswassern, Unterwasserschiff putzen, neu streichen
- Propeller polieren
- Das Schiff von oben bis unten durchchecken und auf Vordermann bringen.
(Das Stehende und das Laufende Gut, die Splinten und die Bolzen kontrollieren)
- Frühlingsputz und Waschtag steht an
- Internet updaten
- Für die Überfahrt einkaufen
- Wetter verfolgen
- ………
Es kommt uns zu Gute, dass Martin schon Einiges früher angepackt hat, unter anderem den Motorenservice in Kuba und das Auswechseln des Autopilotenmotors letzte Woche (Der Motor wurde gesponsert von Werners Modellbau Shop in Rorschach. Vielen Dank).
Das Wasser schmeckt übrigens kaum mehr nach Zahnpasta und Kakerlakenentwarnung dürfen wir nun wohl auch geben. Seit einem Monat ist uns nämlich keine weitere mehr zu Gesicht gekommen.
Georgetown eignet sich gut um sich vorzubereiten. Es ist bei vielen Seglern beliebt. Jeden Morgen findet sogar eine Funkrunde statt, wo das Wetter, Veranstaltungshinweise und der neuste Klatsch verbreitet wird. Wir können gut verstehen, dass viele Amerikaner hier ihren Winter verbringen. Wenn man sich nämlich aktiv an der Gemeinschaft beteiligt, ist man völlig ausgebucht.
Aber das sind wir ja auch ohne dieses Netz, darum lassen wir die Finger davon.