Bahamas – Azoren, 5.5.10 – 30.5.10

 

Leider haben wir es versäumt, darauf hinzuweisen, dass wir nebst der Position auch einen kurzen Tagesbericht hochladen werden. Auf dem Mailasailblog ist der Link nicht so einfach zu finden.

Darum hängen wir hier den kompletten Bericht gerne noch an. Viel Spass beim Lesen.

 

 

Do, 6.5.10;    Etmal: 101.2nm (1700-1200 UTC);    43 von 2555nm

 

Zmi: Cheeseburger mit Pommes (noch an Land)    Zna: Salade nicoise

Zwipf: Cinnamon-Raisin-Brötli    Zmo: Rührei mit Speck

 

Nach einer Henkersmahlzeit im Sam's Place haben wir das Festland verlassen. Am Steg war nur ein verdatterter einsamer Amerikaner, der uns nachgewunken hat. Kein Vergleich zur ARC!

Die leichten Winde und das frisch gestrichene Unterwasserschiff kommen uns zugute. Mit 10kn Wind können wir wieder 5-6kn Fahrt machen!

Am frühen Morgen passieren wir die schmale Stelle zwischen Cat Island und Eleuthera. Nun sind wir auf dem offenen Atlantik.

 

 

Fr, 7.5.10;    Etmal: 105.8nm;    141 von 2555nm

 

Zmi: Rüebli-Gurken Salat mit Käsetoast     Zna: Gnocchi mit Ratatouille

Zwipf:  -    Zmo: Cornflakes, Grapefruit und Banane

Gesichtet: drei Kontainerschiffe

 

Der Wind nimmt stetig ab, bis wir nach einer Stunde herumsitzen und über eine Strategie grübeln, schlussendlich den Motor anwerfen. Die Windvorhersage verspricht 3 Tage Flaute. Wenn dem wirklich so ist, und wir volle drei Tage durchmotoren, werden wir die Bermudas anlaufen um nachzutanken.

 

Die ruhige See hat Vorteile: Mirjam kann komlexere Mahlzeiten kochen, wie z.B die vorzüglichen Gnocchi am Abend.

 

Weisheit des Tages:

Die Gault Millau Punkte der Küche verhalten sich reziprok proportional zur Anzahl Windstärken.

 

 

Sa, 8.5.10;    Etmal: 91.3 nm;    228 von 2555nm

 

Zmi: Gnocchi     Zna: Speck-Eier-Käs-Burger

Zwipf: Schoggi-Cookies    Zmo: Müesli, Apfel und Banane

Gesichtet: drei Kontainerschiffe, einen Marlin, viel Grünzeugs, einige portugiesische Galeeren

 

Am Morgen reicht der Wind aus zum Segeln. Kurz nachdem wir die Angel draussen haben, jagt neben unserem Schiff ein zwei Meter grosser Marlin einen Bonito. Nach dem Gefecht schwimmt der Prachtsprotz noch eine Weile hinter uns her. Geschickt ziehen wir unseren Köder ein, weil wir uns nicht mit ihm anlegen möchten. Der Marlin interessiert sich zum Glück überhaupt nicht für unseren kleinen Tintenfischköder.

 

Im Wasser schwimmt viel Seegewächs und immer mehr entdecken wir auch portugiesische Galeeren, die sich über den Ozean treiben lassen. Sie sehen aus wie aufgeblasene Kondome, sind aber nicht so harmlos. Es sollen die giftigsten Quallen auf der Welt sein.

 

Der ganze Tag läuft sonst ruhig ab. Es bleibt viel Zeit zum Lesen und Sonne tanken. Nur wenn der Wind zu sehr schwächelt, müssen wir dem Windpilot unter die Arme greifen und von Hand steuern.

 

Bescheidenheiten des Tages:

Anstatt einer Anglertrophäe, fischen wir heute Grünzeugs.

Auch mit wenig Wind kommt man irgendwann mal an . . . .

 

 

So, 9.5.10;    Etmal: 89.7nm;    319 von 2555nm

 

Zmi: Schinken-Eier-Käse Burger (die letzten)     Zna: Spaghetti mit Pesto 

Zwipf: Waffel    Zmo: Sonntagsbrunch mit Schinken, Eier, Käse und Brot

Gesichtet: 3 Delfine, einige portugiesische Galeeren, ein Flugzeug

 

Der Wind dreht zunehmend nach Süd. Somit könnten wir Halbwind fahren, aber mit der Genua ist bei so schwachen Winden nichts mehr zu machen. Also fahren wir eine Weile am Wind weiter um mindestens die Geschwindigkeit zu behalten. Ein wenig später ist aber auch so nichts mehr zu machen und wir versuchen mit dem Spi Halbwind zu fahren. Das funktioniert nicht mal schlecht, aber in der Nacht ist der Wind fast ganz weg. Wir bergen ihn und motoren 3 Stunden. Danach kommt der Wind zurück diesmal von Süd-West mit 8kn. Wir setzen den Spi wieder und machen 4.5kn Fahrt.

 

Da der Rückweg um einiges kälter und bewölkter als der Hinweg sein sollte, habe ich mich gefreut, dass ich mich weder mit Sonnencreme einschmieren, noch das verhasste Schattendach aufbauen muss. Momentan brennt aber die Sonne immer noch sehr stark und die Schattenplätze sind heiss begehrt. Mit Tricks versucht man die im Schatten sitzende Person wegzulocken um dann sofort sich selbst dahin zu setzen. Bis elf Uhr bekommt man unter der Sprayhood etwas Schatten, dann für ca 1 Stunde unter dem Radar. Am Nachmittag spendiert dann das Grosssegel schatten auf dem Vordeck.

 

 

Weisheit des Tages:

Keep the boat moving, as long as you make VMG (Zitat Richard von Dolphijn)

VMG: Velocity made good, gut gemachte Geschwindigkeit Richtung Ziel

 

 

Mo, 10.5.10;    Etmal: 111.7nm;    435 von 2555nm

 

Zmi: Randen-Gurken Salat mit Spaghetti     Zna: Kartoffelstock mit Wienerli und Paprika

Zwipf: Muffin    Zmo: Früchte und Müesli

Gesichtet: 2 Vögel und 2 Frachter

 

Der Parasailor ist immer noch von gestern gesetzt. Wir machen schön Speed bei wenig Wind. Wir lassen in den ganzen Tag stehen.

Am Nachmittag kommt uns ein Vogel besuchen, der versucht auf der Mastspitze zu landen. Das ist ihm aber wegen der Bewegungen und den Antennen nicht möglich und er bricht nach dem 5. Versuch ab. Von uns aus hätte er auf der Saling landen können, aber das kam ihm nicht in den Sinn.

 

In der Nacht muss dann der Spi doch noch runter, weil ein Gewitter auf uns zu zieht. Ausweichen können wir nicht, also montiere ich die Blitzableiter in Form von Überbrückungskabeln an den Stagen und Wanten. Wir lassen uns ohne Segel treiben und verkriechen uns in die Koje. Wir haben ziemlich Respekt. Nach 3 Stunden ist es zum Glück wieder vorbei und wir setzen die Segel. Nun segeln wir am Wind mit Genua und Gross.

 

Frust des Tages:

3 Stunden im Gewitter dümpeln machen unser super Etmal kaputt.

 

 

Di, 11.5.10;    Etmal: 78.9nm;    454 von 2555nm

 

Zmi: Bouillon mit Nudeln    Zna: Spaghetti mit Meatballs (Ravioliersatz)

Zwipf: Guezli   Zmo: Banane, Orange und Müesli

Gesichtet: 1 Vogel und 1 Frachter

 

Gute Beobachter können an dem Menüplan die Bordverhältnisse ablesen.

Gegen Wind und Wellen kämpfen wir den ganzen Tag an. Es ist ähnlich wie beim Verlassen von Kuba, nur kommen uns die Wellen noch etwas höher vor.

Wir verkriechen uns in unsere Kojen und verlassen sie nur für den Rundumblick. Die Krängung und das über die Wellen preschen macht den Bordalltag zur Tortur. Immer wieder brechen auch Wellen übers Schiff, einmal spült es sicher einen Eimer Wasser direkt in die Küche. Darauf haben wir genug und setzen die Sturmfock. Die Wellen waschen dann weniger ins Cockpit.

Wir profitieren eindeutig von der Fahrt bei Kuba, weil wir bereits wissen wie sich das Ganze durchstehen lässt. Martin lädt jetzt dann das Grib-file runter. Danach wissen wir, ob die versprochene Windänderung immer noch kurz bevorsteht, worauf wir natürlich setzen.

 

Motto des Tages:

"Grind abe und segle"

 

PS:

Merci für die Reime und netten Grüsse aufs Iridium. Das ist Motivation pur.

Nun wünschen wir schöne Auffahrtstage und schicken euch viel Sonne und angenehme Temperaturen.

 

 

Mi, 12.5.10;    Etmal: 91.5nm;    530 von 2555nm

 

Zmi: Nudeln mit Paprika    Zna: Nudeln Carbonara

Zwipf: Bananashake  Zmo: Banane, Mango, Müesli

Gesichtet: 3 Frachter 

 

Die Verhältnisse sind ähnlich wie gestern, viel Wind viel Welle und aufkreuzen. Wenn wir über den ganzen Atlantik aufkreuzen müssten hätten wir noch mehr als 50 Tage. Aber wir hoffen bald auf Besserung. Jedes Mal, wenn einer von uns den Versuch startet sich mal ins Cockpit zu setzen bekommt er eine Ladung Wasser ins Gesicht oder sonst wo. Deshalb halten wir uns ausschliesslich im innern des Schiffes auf. Nur für den Rundumblick streckt man den Kopf nach draussen.

 

Wir haben uns aber schon recht gut daran gewöhnt. Mirjam hat eine Gurte in der Küche, damit sie sich nicht festhalten muss. Aufs WC gehen und essen geht auch je länger je besser.

 

Zeitweise hatten wir nur die Sturmfock und das dreifach gereffte Gross gesetzt. Als der Wind etwas abflaute konnten wir zusätzlich die Genua etwas ausrollen und die Sturmfock stehen lassen, so sind wir sehr flexibel ohne aufs Vordeck gehen zu müssen.

 

Feststellung des Tages:

Krängung ist wenn es einem auf dem WC den Deckel an den Rücken knallt.

 

 

Do 13.5.10;    Etmal: 99.9nm;    610 von 2555nm

 

Zmi: Tomaten-Thon Salat mit Brot    Zna: Suppe, Risottomix mit Champignons

Zwipf: Guezli  Zmo: Bananenshake

Gesichtet: 1 Frachter, 2 Vögel, einige Delfine

 

Erst um 16 Uhr heisst es Reff raus. Der Wind hat bis dahin konstant geblasen. Die Sturmfock lassen wir trotzdem hängen, weil man uns mit dem leuchtorangen Tuch besser sehen kann. Draussen ist es schönes Wetter, doch wenn man im Cockpit sitzt wird man ständig nass. Die Sonnenstrahlen sind zwar stark, das beweisen unsere Solarzellen die zur besten Zeit 6A bringen, doch der Wind kühlt ziemlich ab. So verzieht man sich nach der ungewollten Dusche wieder gern nach drinnen. Dort ist es angenehme 25 Grad warm. Ideal zum Bücher hören und Ausspannen. Lesen ist momentan wegen der Bewegungen nicht so angenehm. Socken und Faserpelz kommen gegen den Abend zum Einsatz, weil es in der Nacht stark abkühlt. Während der Nachtschicht verkriecht man sich auch gerne in den Schlafsack. Man muss aber aufpassen, dass man die Rundumblicke so nicht verschläft. Um zwei Uhr ist meine Schicht zu Ende und ich werde von Martin abgelöst. Am Morgen entdeckt Martin Delfine. So leicht bin ich schon lange nicht mehr aufgestanden. Das Meer hat sich in der Zwischenzeit beruhigt und der Wind ist nur noch schwach, fast zu schwach.

Nach 3 Tage aufkreuzen können wir zwar hoch am Wind, aber endlich direkt auf die Azoren halten.

 

Bemerkung des Tages:

Delfine sind cooler als Fische.

 

 

Fr 14.5.10;    Etmal: 113.4nm;    716 von 2555nm

 

Zmi: Risotto mit Salat    Zna: gebratener Schinken mit Bohnen und Penne

Zwipf: Gummizeug    Zmo: Banane und Apfel

Gesichtet: 3 Frachter, 1 Segelschiff, portugiesische Galeeren

 

Der Wind schwächelt, so dass wir einige Stunden den Motor benützen. Seit es ruhig ist, spriessen die Galeeren wie Frühlingsblumen aus der See.

Wir nützen die ruhige Lage und gönnen uns eine ausgiebige Salzwasserdusche.

Am Nachmittag können wir den Parasailor setzen. Am Anfang machen wir 5kn, über die Nacht oft 6kn Fahrt. Einfach genial.

 

Martins Brille hat bisher auf der Reise arg gelitten. In Las Palmas musste er schon die Gläser wechseln, weil das Salz die Oberfläche veränderte. Nun ist der Brillenbügel durchgerostet! Zum Glück konnte er sie wieder kleben.

 

Heute Morgen sieht es wieder anders aus. Es hat wieder weniger Wind, aber trotzdem hohen Schwell. Den Spinnaker haut es uns regelrecht um die Ohren.

 

Bemerkung des Tages:

Ob vermessingt, verzinkt oder rostfrei nichts bleibt verschont.

Dabei schliessen wir die Crew nicht aus.

 

 

Sa 15.5.10;    Etmal: 105.1nm;    778 von 2555nm

 

Zmi: gebratener Schinken mit Bohnen und Penne    Zna: Penne mit Chili und 1 Büchse Gemüse

Zwipf: Bretzeli    Zmo: French Toast

Gesichtet: 1 Frachter, 1 Segelschiff, portugiesische Galeeren

 

Wir müssen den Spi bergen und motoren eine Stunde, dann kommt von einer auf die andere Sekunde Wind. Zuerst sieht es nach 12kn Halbwind aus, das ist unser Lieblingswind, doch noch während ich die Segel setze muss ich aufs 2.Reff reduzieren, zurück im Cockpit weht es schon wieder dermassen, dass ich gleich das 3. Reff einbinde. Der Wind hat unglücklicherweise nicht nur zugenommen sondern dreht genau gegen uns. Wieder einmal aufkreuzen. Nach ca 3 Stunden flaut der Wind stetig ab, dass wir in der Nacht wieder den Motor einschalten müssen.

In ca 60nm Abstand ist Bermuda. In der Nacht können wir den Lichtschein am Horizont erkennen. Wir lassen Bermuda aber Backbord liegen und halten direkt auf die Azoren. Nach aktuellem Wetterbericht sollten wir in ca 24 Stunden auf angenehmen Rückenwind stossen. Wir freuen uns darauf.

 

Vor ca 2 Tagen haben wir festgestellt dass das Getriebe Öl leckt. Momentan scheint es noch zu funktionieren, doch wir müssen es im Auge behalten und ev. von Zeit zu Zeit Öl nachfüllen.

 

Bemerkung des Tages:

Hörbücher, die die Spannung am längsten aufrechterhalten, sind diejenigen, von denen das Ende auf unserem iPod fehlt.

 

 

So 16.5.10;    Etmal: 131.1nm;      900 von 2555nm,

 

Zmi: Spaghetti mit Tomatensauce   Zna: Omeletten mit Spinat

Zwipf: Bretzeli    Zmo: Schinkentoast

Gesichtet: 1 Vogel, sonst nix

 

Der Wind dreht früher auf West als vorhergesagt und frischt ein wenig auf. Sofort setzen wir den Spinnaker.

 

Die Fahrt ist trotz 5kn recht ruhig. So kann ich mir endlich mal das Getriebe genauer anschauen. Der Ölmessstab zeigt an, dass alles in bester Ordnung ist. Woher kommt denn das Öl in der Bilge? Ich räume die achterliche Backskiste aus und krame die Ersatzölflaschen hervor. Eine hat ein Leck, trotz sorgfältiger Verstauung. Das auslaufende Öl muss von dort den Weg unter dem Motor durch in die Bilge gefunden haben. Wir sind heilfroh, dass wir nun das Problem gefunden haben und der Motor und das Getriebe in bester Ordnung sind.

 

Am Nachmittag frischt der Wind auf 5Bf auf. Wir bergen den Spi und baumen die Genua aus. Der Wind kommt genau von hinten. Das sind Traumverhältnisse, wie auf der Ost-West Überquerung. Wir machen 6kn Fahrt, genau aufs Ziel!

 

Es ist nur noch zwanzig Grad. Mirjam friert's. Sie hat nun Thermounterwäsche an.

 

 

Bemerkung des Tages:

Schottische Funksprecher (Bermuda Radio) gefährden die Schifffahrt. Vor lauter Lachen muss man sich den Bauch halten, anstatt sich auf die Durchsage zu konzentrieren. Sorry Andy.

 

 

Mo, 17.5.10;    Etmal: 112.6nm;      1007 von 2555nm,

 

Zmi:  Omeletten mit Spinat    Zna: Spaghetti mit Tomatensauce

Zwipf: Sonntagsmuffin    Zmo: Grapefruit und Apfel

Gesichtet: 1 Vogel mit Mastlandungsversuch, 1 Schiff, Delfine

 

Was für ein grauer Sonntagmorgen. Es ist kalt und manchmal nieselt es. Der Wind bläst immer noch von achtern und wir machen gute Fahrt. Erst am Nachmittag dreht er und wir bergen den Genuabaum. Nun geht es am Wind weiter. Da der Wind nachgelassen hat, ist auch dieser Kurs angenehm zu fahren. Das Wetter lockt uns nicht oft nach draussen. Da ich am Samstag in der Kombüse ziemlich aktiv war, brauche ich heute die Menüs nur aufzuwärmen. So bleibt viel Zeit zum Bücherlesen bzw. hören, Sudokus lösen etc.

 

In der Nacht geht der Wind flöten. Wahrscheinlich spielt er Martin ein Schlafliedchen vor. Leider schlagen die Segel nicht im Takt und so wird seine Nachtruhe doch noch gestört. Bevor ich den Motor einschalte, hört Martin ein piepsen aus der Bilge. Mäuse! Wir sind erleichtert, als wir draussen die Rückenflossen von Delfinen erkennen.  

 

Seit dem frühen Morgen hat es wieder genügend Wind zum Segeln. Wir haben die Genua ausgebaumt. Von der Windstärke her könnte man fast den Parasailor setzen.

 

 

Hoffnung des Tages:

Da nun die Feiertage vorbei sind, habt ihr sicher wieder mehr Zeit zum SMS-len. Wir freuen uns auf jegliche News und leiden sogar falls nötig mit. (Arme Young Boys, sch.... Basel)

 

 

Di, 18.5.10;    Etmal: 107.8nm;      1115 von 2555nm,

 

Zmi:  Röschti mit Spiegelei    Zna: Reis mit Rüebli und Büchsenstew

Zwipf: Ovaltineguezli (echte oder unechte Ovomaltineguezli? Gut sind sie. Made in Jamaika)    Zmo: Grapefruit Müesli

Gesichtet: 1 Schildkröte, 1 Schmetterling, 1 Frachter, 1 havarierter Segler

 

Wir staunen nicht schlecht, welche Tiere man mitten im Atlantik antrifft, siehe oben. Wir haben den Parasailor gesetzt und da es wenig Wind hat, steuert weder der Autopilot noch die Windfahne sorgfältig genug. Ich übernehme die Pinne. Plötzlich entdecke ich am Horizont einen Ansteuerungspunkt. Es ist ein anderes Segelschiff. Trotz genialem Trimm und perfektem Rudergänger können wir das Schiff nicht mehr einholen, weil es den Kurs gewechselt hat. Auf den Abend frischt der Wind auf. Mit Genua und Gross geht es halben Wind vorwärts. Diese Segelstellung wäre schön für die Nacht. Doch bevor sich Martin hinlegen geht, steht nochmals ein Segelwechsel an. Zu wenig Wind, Parasailor wieder rauf. Wie bei einer Regatta muss ich Martin um Mitternacht wieder aus der Koje holen. Der Wind dreht um 180 Grad. Genua und Gross werden wieder gesetzt. Am Horizont erkennen wir in der Ferne den anderen Segler, doch er ist weiter weg als am Nachmittag.

Am Morgen, als ich aufwache ist das Segelschiff ganz nah bei uns. Martin dünkt es seltsam, weil das Segelschiff nicht fährt und es das Grosssegel wild rumschlägt. Er versucht das Schiff über Funk zu erreichen, doch niemand meldet sich. Erst beim dritten Versuch gibt ein Spanier Antwort. Er hätte Mastprobleme und müsse den Mast rauf. Ob wir ihm helfen können. Er wäre eben allein.

Martin geht an Bord des Schiffes. Das Rüberspringen ist wegen des Schwells nicht ganz einfach aber klappt beim ersten Mal. Beim Spanier ist einer der Unterwanten gebrochen. Diese muss nun abmontiert und provisorisch geflickt werden. Carlos, der Spanier muss sich mit Bändseln an den Mast binden, dass es ihn nicht herumschlägt. Die Aktion dauert ca eine Stunde. Als Dankeschön bekommen wir einen Fisch, den er gestern gefangen hat und wenn wir in Horta sind, lädt er uns zum Znacht ein.

 

 

Frage des Tages:

Wie weit können Schmetterlinge fliegen?

 

 

Mi, 19.5.10;    Etmal: 115.8nm;      1194 von 2555nm,

 

Zmi:  Fisch mit Reis   Zna: Reis mti Rüebli und Büchsenstew

Zwipf: Fruchtgummis    Zmo: Rührei mit Schinken / Müesli

Gesichtet: viele Delfine, einige Vögel

 

Wir sind wieder einmal am Aufkreuzen. Nun seit vollen 24 Stunden. Zum Glück hat’s aber nicht so grosse Wellen und der Wind bläst diesmal auch nicht so stark. Eigentlich angenehm, wenn wir nur direkt aufs Ziel halten könnten. Am Vormittag ist es sonnig, aber wir sehen Wolken aufziehen. Also nehmen wir schnell noch eine Dusche im Cockpit. Das Wasser ist nun nur noch 16 Grad und die Luft 20-25 Grad. Wir wissen nicht ob das jetzt unsere letzte Dusche war. Es wird langsam zu kalt.

 

Am Abend sehen wir in der Ferne vor dem Sonnenuntergang viele Delfine springen. Irgendwann entdecken sie uns und kommen heran. Es sind mindesten 20 Stück. Wir mögen diese geselligen Tiere sehr.

Do, 20.5.10;    Etmal: 126.4nm;      1299 von 2555nm,

 

Zmi:  Fisch mit Reis   Zna: Spaghetti Pesto

Zwipf: Apfel    Zmo: Grapefruit und Müesli

Gesichtet: viele Delfine, einige Vögel, eine Schildkröte, 3 Schiffe

 

Immer noch segeln wir am Wind, aber glücklicherweise direkt aufs Ziel. Trotz guter Fahrt von 5-6 Knoten kommen wir nicht so schnell voran, da wir knapp 1kn Strom gegen uns haben. Warum wissen wir nicht. Manchmal ist er mit uns, dann wieder gegen uns.

Trotzdem: Wir haben die Hälfte der Strecke nun hinter uns! Hoffentlich aber schon mehr als die Hälfte der Zeit.

Zur Feier des Tages habe ich den CCS Wimpel durch den Trans Ocean Wimpel ersetzt. Der CCS war schon arg zerfetzt und macht keine gute Falle mehr.

Das Grib File (Windvorhersage) zeigt ein übles Tiefdruckgebiet, das genau auf uns zuhält. Es soll Winde in Sturmstärke bringen. Dem wollen wir ausweichen. Deshalb halten wir nun genau Ost, damit es hoffentlich in ca 5 Tagen über uns hinweg zieht.

 

Spruch des Tages:

Sieht man die Frachter spät am Abend, wird einem am nächsten Tag die Strömung plagen.

 

 

Fr, 21.5.10;    Etmal: 138.2nm;      1421 von 2555nm,

 

Zmi:  Spaghetti Alio Olio mit Würstchen   Zna: Sauerkraut mit Würstchen und Kartoffeln

Zwipf: Apfel, Guezli   Zmo: Grapefruit und Müesli

Gesichtet: Viele Vögel, eine Schildkröte

 

Wir müssen an den Segeln wenig ändern. Mal ein bisschen einrollen, mal ein Reff mehr rein. Der Wind, 60 Grad am Wind und der Kurs sind den ganzen Tag gleich und wir kommen gut voran. Am Mittag kommt die Sonne raus. Das ist gut, denn so kann man es sich auch mal draussen gemütlich machen. Die frische Luft und die Sonne tun wieder mal gut. Ohne Regenjacke wagen wir uns aber nicht ins Cockpit, denn immer wieder spritzen Wellen herein. Die weissen Vögel mit den langen Schwanzfedern, welche versuchten auf dem Mast zu landen sind verschwunden. Auch portugiesische Galeeren sieht man kaum mehr. Jetzt hat es vor allem dunklere Meeresvögel. Wir glauben es sind die gleichen, die wir schon in Madeira gesehen haben. Sie sind geniale Flieger. Ohne mit den Flügeln zu schlagen gleiten sie knapp oberhalb der Wellen. Ganz klar, dass diese guten Segler keine Mastlandungen versuchen.

 

 

Weisheit des Tages:

Krängung ist, wenn man das Geschäft laufend abpumpen muss, damit es nicht überschwappt.

 

 

Sa, 22.5.10;    Etmal: 132.8 nm;      1548 von 2555nm,

 

Zmi:  Knoblauch-Käse-Brötchen, Tomaten-Thon Salat  Zna: Sauerkraut mit Würstchen und Kartoffeln

Zwipf: Apfel, Guezli   Zmo: Grapefruit und Müesli

Gesichtet: Viele dunkle Vögel, 2 Mastlande-Vögel, Delfine, 2 Frachter

 

Früh am Morgen schaut schon eine Schar Delfine vorbei. Ich bin aber noch im Tiefschlaf und höre Martin nicht. So lässt er mich weiter ausschlafen. Unser Rumpf hat seit dem Neuanstrich weiss-bronzene Streifen. Vielleicht meinen darum die Delfine Ranja wäre ein Riesendelfin. Wir hoffen es, denn wir freuen uns jedes Mal wenn sie zu Besuch kommen.

Der Himmel ist den ganzen Tag bewölkt. Wir segeln wie gestern am Wind. Nur mit einem kleinen willkommenen Unterschied. Endlich haben wir den Strom einmal mit uns. Das GPS zeigt den ganzen Tag über 7kn an, die Logge deren 6kn.

Da es heute weniger krängt als auch schon, wage ich mich ans Brotbacken. Der letzte Versuch, eine spanische Brotbackmischung, war völlig abverheit. Dieses Mal gehe ich streng nach Tip Topf vor. Die frischen Brötchen füllen wir noch warm mit Käse und Knoblauch. Es schmeckt köstlich, die Hauswirtschaftslehrerinnen hätten bestimmt Luftsprünge gemacht.

Einige aufmerksame Leser fragen sich wohl nun, warum denn unser Etmal mit Durchschnittsgeschwindigkeit von 7 kn "nur" 132nm beträgt. Leider hat der Wind über die Nacht stetig nachgelassen. Am Morgen müssen wir sogar den Motor anschmeissen, das Etmal ist somit endgültig dahin.

Vor der Abfahrt haben wir auf der Backbordseite die Schrauben der Pütting (Verstrebung durch das Deck für die Drahtseile am Mast) abdichten müssen, weil es ständig getropft hat. Wir haben noch in Erwägung gezogen gleich auch die Steuerbordseite zu dichten. Es dann aber bleiben lassen, nach dem Motto, was hält das hält. Es ist jetzt natürlich gekommen, wie es kommen musste. Zu Beginn waren es nur einige Tropfen, nun laufen schon Rinnsale dem Eisen entlang ins Schiff. Wenn es heute ruhig bleibt, werden wir die vier Schrauben noch dichten.

 

PS: Wir freuen uns sehr über die vielen SMS und wünschen euch sonnige Pfingsten.

 

Spruch des Tages:

Hat das Schiff ein kleines Leck, stürmt der Martin an mit Sikaflex.

 

 

So, 23.5.10;    Etmal: 112.7nm;      1644 von 2555nm,

 

Zmi:  Penne Cinque P  Zna: Corned Beef Kartoffeln

Zwipf: Schokoriegel   Zmo: Rührei

Gesichtet: 2 Frachter

 

Der Wind ist zu schwach um zu segeln. Dennoch versuchen wir’s mit dem Parasailor, der dann aber wieder runter muss, wegen zu wildem Herumschlagen. Wir nützen den ruhigen Tag um die Püttings zu dichten, rasieren,... Auch die Genua muss von Zeit zu Zeit heruntergenommen werden um das Fall zu kontrollieren. Seid wir nämlich die Rollanlage haben, scheuert das Fall und muss jede 500-1000nm ein Stück nachgerückt werden.

Wir motoren nur mit 2200 Umin, das macht zwar nur ca 4.5kn Fahrt, so brauchen wir aber auch nur 0.9l pro Stunde. Momentan haben wir noch 75l Diesel.

Als ich in den Bahamas den Motor des Autopiloten gewechselt habe, wollte ich ein Autolearn durchführen um die Regelparameter optimieren zu lassen. Dieses hat allerdings nicht funktioniert und er hat alle Parameter verloren. Ich habe sie nach bestem Wissen und Gewissen von Hand wieder programmiert, aber wir haben das Gefühl, dass es nicht optimal ist. Ausserdem müsste man mal das Getriebe fetten, aber es ist nicht erlegbar. So macht er mittlerweilen einen Höllenkrach, was uns ärgert. Deshalb freuen wir uns umso mehr, bis wir wieder segeln können, denn da steuert der geräuschlose Windpilot.

 

 

Spruch des Tages:

Macht der Autopilot einen Höllenkrach, wird man während des Schlafes immer wieder wach.

 

 

Mo, 24.5.10;    Etmal: 118.8nm;       1725 von 2555nm,

 

Zmi:  Penne Cinque P  Zna: Couscous mit Stew

Zwipf: Sonntagsmuffin  Zmo: Müesli, Apfel

Gesichtet: 2 Frachter, ein paar Vögel und Galeeren, Wal

 

Bis am Mittag fahren wir noch unter Motor. Wir nützen die Gelegenheit, dass die Batterien voll sind und schauen uns eine DVD an. Wir sind froh, dass wir nach dem Mittagessen die Segel setzen können. Im Verlaufe des Nachmittags nimmt der Wind ständig zu. Es ist eine Schande. Wir segeln mal wieder hart am Wind und nicht direkt aufs Ziel. Der Himmel ist bedeckt und wir ziehen uns in den Salon zurück. Wegen der starken Krängung ist es unbequem. Diese Verhältnisse schlagen echt auf die Stimmung. Nach dem Büchsenznacht überlegen wir noch, ob wir die Sturmfock setzen sollen. Nach Gribfile sollte der Wind aber über die Nacht wieder nachlassen, also lassen wir es wie es ist. Kurz nachdem Martin sich schlafen gelegt hat, taucht neben uns ein riesiger Wal auf. Wir sehen nur den imposanten Rücken und die kleine Rückenflosse. Er schwimmt eine Weile neben uns her. Dies ist spannend aber auch ein bisschen unheimlich, weil man ja oft von Walkollisionen hört. Ein zweites Mal muss Martin raus aus der Koje, weil wir immer mehr krängen und der Wind ständig auffrischt. Wir setzen die Sturmfock. Bei diesem Manöver erwischt uns eine Welle direkt von der Seite. Die Welle durchnässt uns beide, füllt das Cockpit und überschwemmt den Navitisch. Nach dem Trocknen, verkriecht sich Martin wieder in den Schlafsack und ich fröstle mich durch die verbleibende Schicht. Kurz vor Schichtwechsel piept das AIS. Ein Frachter passiert uns schlussendlich mit 0.8nm Abstand, das ist wirklich nah.

Ich bin froh, dass ich mich in den warmen Schlafsack verziehen kann und Martin nun übernimmt. Der Wind nimmt während der ganzen Nacht nicht ab. Heute Morgen werde ich bei der Wende wach. Wir halten nun wieder Nord um hoffentlich morgen den Wind von hinten zu bekommen.

Die einbrechende Welle hat im Schiff nasse Spuren hinterlassen. Wir hoffen, dass heute mal die Sonne durchdrückt, damit es trocknen kann.

 

 

Spruch des Tages:

Siehst du abends einen Wal, wird die Nacht zu einer Qual.

 

 

Di, 25.5.10;    Etmal: 106.1nm;        noch 757 von 2555nm,

 

Zmi:  Reismix mit Bohnen  Zna: Spaghetti Carbonara

Zwipf: Gummizeug  Zmo: Müesli, Apfel

Gesichtet: Delfine, Wal, Positionslicht vielleicht von einem Segelschiff

 

Wir können unsere nassen Kleider trocknen, weil die Sonne wie erhofft durchdrückt. Der Wind flaut während des Morgens ab. Am Nachmittag sind für den schwachen Wind die Wellen zu gross. Uns und die Segel wirft es nur noch hin und her. Mit dem Motor machen wir gegen Strom, Wind und Wellen aber auch kaum Fahrt, so dass wir nicht mal mit Motor aufs Ziel halten können. Immer wieder versuchen wir es auch mit Segeln. Weder unter Motor noch unter Segel machen wir anständigen Speed. Wir wiegen mit lausigen 3.5kn die Wellen auf und ab.

Am Abend entdecke ich wieder einen Wal und Martin springt nochmals aus den Federn. Dieses Mal lässt er sich aber nur einmal blicken, wahrscheinlich sind wir ihm zu langsam.

 

Über die Nacht und bis heute Morgen schwanken die Windverhältnisse weiterhin wie bis anhin. Wohin das wohl noch führen wird? Wir sind gespannt aufs Gribfile. Laut dessen sollte der Wind heute von achtern kommen. Der Rückenwind ist wirklich langsam überfällig.

 

Spruch des Tages:

Grüsst der Wal die Ranja,

dann sind keine Frachter da.

Gleiten übers Meer die Vögel nicht,

ist weiterhin kein Wind in Sicht.

 

 

Mi, 26.5.10;    Etmal: 137.7nm;      noch 619 von 2555nm

 

Zmi:  Carbonara und Reismix  Zna: Hot Dogs mit frischen Brötchen

Zwipf: Schoggi  Zmo: Rührei

Gesichtet: Galeeren, 3 Vögel, 3 Frachter

 

Seit dem Mittag ist es soweit. Der Wind bläst endlich von achtern. Die Verhältnisse sind gleich wie bei unserer ersten Atlantiküberquerung. Wind von achtern, 5 (- 6) Bf. Damals sind wir am 21.Tag durch gewesen!

Wir sind nun froh, dass es etwas vorwärts geht und nehmen die höheren Wellen gerne in Kauf. Das GPS errechnet seit heute auch die voraussichtliche Ankunft. Bei höchster Geschwindigkeit zeigt es manchmal Werte von 75 Stunden an. Leider können wir die Höchstgeschwindigkeit jeweils nur für ein paar Sekunden halten. Doch eines ist sicher, wir kommen den Azoren immer näher.

Wir halten zurzeit ziemlich Ost, damit wir den Wind stets genau von hinten haben. In ein paar Tagen soll er mehr von Süden kommen, dann werden wir die Meilen gegen Nord gut machen. Hoffentlich zahlt sich die Taktik aus.

 

Am Nachmittag feierten wir die 10 000nm auf unserer Reise mit Schoggi. Weil der Wind bald noch stärker kommen soll, haben wir voraussichtlich die Reffleinen im Gross umgefädelt. Jetzt können wir auch das vierte Reff einfach einbinden. Auch sonst haben wir das Schiff klar gemacht und auf das schwerere Wetter  vorbereitet.

 

 

Spruch des Tages:

Es klingelt laut am Navitisch

das ist ein SMS gewiss.

Familie und Freunde erzählen allerhand,

wir schätzen es zu sein auf dem neuesten Stand.

Do, 27.5.10;    Etmal: 144.7nm;      noch 478 von 2555nm

 

Zmi:  Chili con carne    Zna: Nudeln mit Tomatensauce

Zwipf: Schoggi  Zmo: Toast mit Käse

Gesichtet: Galeeren, Vögel, Delfine mit Showeinlage, 2 Frachter

 

Am Morgen ist es noch bedeckt. Der Wind bläst mit 20kn immer noch von hinten. Wir nehmen die Genua herunter und rücken nochmals das Fall nach. Die neue Einrichtung mit der Rollanlage ist beim Masteingang noch nicht perfekt. Darum scheuert das Fall langsam durch und giert laut im Mast. Da wir auf dieser Passage nichts riskieren wollen, schieben wir das Fall öfters nach als notwendig. Martin hat aber bereits Pläne, wie er das Scheuern mit einer Rolle verhindern kann.

Gegen den Mittag lockert es allmählich auf und am Abend ist es dann ganz klar. Ich versuche mich mit einem Wolkenatlas ein bisschen schlauer zu machen. Wenn aber die Bilder zu den Wolken passen, dann sicher nicht die Beschreibungen und umgekehrt. Das Thema Wetter ist hoch interessant, aber anspruchsvoll.

Ich habe nur noch ein ungelesenes Buch übrig. Martin macht sich derweil an die Säulen der Erde. Segelbücher und Hörbücher haben wir noch zu genüge, es wird uns sicher nicht langweilig.

Vor ein paar Tagen ist das wichtigste Küchenutensil in die Brüche gegangen. Der Büchsenöffner hat den Geist aufgegeben. Zum Glück haben wir als alte Pfadfinder stets ein Sackmesser dabei. Sonst wäre der Speiseplan ziemlich trostlos geworden. Viel Frisches ist nämlich nicht mehr übrig. Ein paar Kartoffeln und Zwiebeln, 3 Äpfel und eine Grapefruit. In den Azoren gibt es dann wieder frischen Salat und für den Skipper ein gutes Stück Fleisch. Das sind schöne Aussichten!

 

Der Wind entspricht ziemlich dem, was das Gribfile vorausgesagt hat. Das würde heissen, dass wir für die kommenden Tage bis zu den Azoren stets viel raumen Wind haben.

 

 

Spruch des Tages:

Kracht der Öffner in die Büchse

gibt's bald Znacht aus der Kombüse.

 

 

Fr, 28.5.10;    Etmal: 145.8nm;      noch 330 von 2555nm

 

Zmi:  Nudeln mit Tomatensauce    Zna: Röschti mit Spiegelei

Zwipf: Crackers  Zmo: Müesli und Grapefruit

Gesichtet: nachtaktive Vögel

 

Die Wellen bauen sich je länger je mehr auf. Obwohl es ziemlich schönes Wetter ist, verbringen wir mehr Zeit drinnen. Dies auch darum, weil der Wind wie ein Rasensprenger die Gischt ins Cockpit verteilt.

Vor dem Kartenplotter sitzend sind wir fleissig am Rechnen, wann wir wohl ankommen werden. Wir rechnen mit Sonntagnacht. Auf dem GPS ist unsere schnellste Route nach Horta rot eingezeichnet. Manchmal können wir uns wegen dem Wind nicht ganz genau daran halten. Momentan fahren wir aber parallel, das ist gut.

Am Nachmittag zieht es zu und der Wind nimmt etwas ab. In meiner Nachtschicht kommt der Wind dann mit kräftigen Böen zurück. Mit der Rollgenua ist das Reffen zum Glück keine Hexerei mehr. Der Wind bringt auch Regen. Während Martins Schicht pendelt sich der Wind bei 6Bf ein. Die See ist darum am Morgen richtig aufgewühlt. Wir haben nur noch ein kleines Fetzchen Genua oben und machen 6kn Fahrt.

Es sieht nach einem weiteren Stubenhockertag aus, mit viel Wind, Wellen und gutem Vorankommen.

 

Spruch des Tages:

Sind die Wellen hoch und es bläst wie verrückt

guckt man nur raus für den Rundumblick.

 

 

Sa, 29.5.10;    Etmal: 138.1nm;      noch 196 von 2555nm

 

Zmi:  Stocki mit Bohnen und Speck    Zna: Ravioli

Zwipf: Guezli  Zmo: Müesli

Gesichtet: ein paar Vögel, 1 Frachter

Gehört: Delfine, 1 Frachterpiepsen auf dem AIS

 

Am Morgen kurz nach Redaktionsschluss hat es bei der Rolle, zum Ausbaumen der Genua, zwischen Spibaum und Genuaschot den Ring auseinander gerissen. Den Ring können wir leicht ersetzen und das Segel steht auch nach kurzer Zeit wieder. Es ist schon erstaunlich wie das Material unter der Belastung leidet. Der Ring ist immerhin aus 6mm dickem Stahl gewesen. Nach diesem Vorfall laden wir noch neugieriger die neuen Wetterdaten herunter. Wir sind momentan in einem Starkwindgürtel (6Bf) der uns bis zu den Azoren begleiten wird. Der Wind wird sich mit der Zeit mehr nach Süden drehen, darum versuchen wir so gut wie es geht nach Osten zu halten. Das ist aber mit dem starken Wind und den hohen Wellen nicht ganz einfach. Seit wir den Spibaum entfernt haben, segeln wir mit 110 Grad anstatt 140 Grad vor dem Wind.

Es bleibt den ganzen Tag trüb. Immer wieder regnet es. Sogar beim Rundumblick wird man öfters von der Gischt erwischt. Die Wellen sind wahrscheinlich die höchsten die wir je gehabt haben. Der Windpilot schlängelt sich meistens gekonnt durch die Wellenberge und Täler. Nur manchmal prescht es die Wellen an den Rumpf. Wenn es arg kommt, gelangt der Wellenkamm unter der Sprayhood durch und kann durch eine Rille neben dem Schiebeluk in den Salon eindringen. Es ist jeweils nicht viel Wasser, aber dies trägt sicher auch dazu bei, dass sich langsam alles ziemlich feucht anfühlt. Das ganze Schiff kommt uns wie eingeweicht vor. Kleider trocknen nicht mehr, was feucht ist, bleibt feucht.

Das Gehör ist jetzt mehr im Einsatz als die Augen. So hören wir in der Nacht die Delfine. Sie aber in den Wellenbergen auszumachen ist aussichtslos. Es kommen auch immer wieder neue Geräusche dazu, denen wir möglichst schnell auf den Grund gehen wollen. Es ist schon spassig, wie nach Stunden bzw. Tagen, plötzlich sich etwas zu bewegen beginnt. Sei es nur eine Büchse oder ein Fall.

Wir zählen die Stunden, bis wir ankommen!

 

Spruch des Tages:

Yes, we can!, rüfe ein Promi aus unserm Gästebuch

schreibt uns SMS, das tut uns auch sehr gut.

 

 

So, 30.5.10;    Etmal: 138.9nm;      noch 58 von 2555nm

 

Zmi:  Nudeln mit Pesto    Zna: Risotto mit Schinken und Pilzen

Zwipf: Guezli  Zmo: Müesli

Gesichtet: ein paar Vögel, Delfine, 1 Frachter

 

Der Wind bläst den ganzen Tag mit 6 - 7 Bf. Es hat riesige Wellen und die Sicht ist schlecht, weil es immer wieder zu regnen beginnt. Wir harren in dem Salon aus und gehen nur raus, wenn es nötig ist. Am Nachmittag sind die Wellen teilweise so hackig, dass sie ständig Wasser ins Schiff spülen. Martin findet das Loch beim Schiebeluk, das er stopfen kann. So gelangt dann weniger Wasser hinein.

Einmal legt uns eine Welle beinahe zur Seite, die Stütze der Solarzelle hat sie dabei gleich mitgerissen. Mit der Krängung ist wahrscheinlich viel Wasser in die Backskiste gelaufen. Auf jeden Fall rinnt nun ständig ein bisschen Wasser in unsere Bilge nach. Da es dort noch Motorenölresten hat, ist das Putzen eine schmierige Angelegenheit. Um das Wasser zu stoppen, haben wir einige Handtücher auf den Boden gelegt, die nun das Wasser aufgesaugt haben.

Das Wasser findet durch das aufgeweichte Teakdeck täglich neue Wege um ins Schiff einzudringen. Es tröpfelt so langsam dahin, aber nach einigen Stunden ist dann das Polster trotzdem nass. Mittlerweile sind alle Polster und beide Schlafsäcke feucht. Wir sehnen uns nach Sonnenschein. Ich habe mein Regenzeug jetzt auch in der Kabine an und werde es bis wir ankommen sicher nicht mehr ausziehen. So habe ich wenigstens schön warm.

Am Morgen laden wir als erstes ein neues Wetterfile herunter. Der Wind sollte nicht mehr zunehmen, wird uns aber bis am Schluss erhalten bleiben. Evtl. dreht er noch ein bisschen, was uns zu Gute kommen würde.

Grad jetzt heult es gewaltig im Rigg. Wenn der Windpilot zu fest anluvt, schlägt das Segel grausam und die Wellen knallen an den Rumpf. Da müssen wir nun durch. Es fehlen nicht mehr viele Meilen. Vor Mitternacht werden wir schon dort sein. Drückt uns die Daumen. Wir wissen, dass viele mit uns mitfiebern, das gibt uns Mut.

 

Nicht alle Lebewesen scheinen unter diesen Bedingung zu leiden. Gestern haben wir Delfine gesehen, die halsbrecherisch über die Wellen gesprungen sind.

 

Spruch des Tages:

Es gibt kein dichtes Schiff, nur eines das noch nicht seicht!

 

 

So, 30.5.10, 2130 UTC;    Etmal: 59.5 nm;      

Insgesamt 2952.5nm (5462km) durchs Wasser, 2555nm direkt

 

Zmi:  Risotto mit Schinken und Pilzen    Zna: Nudeln mit Pesto 

Zwipf: Suppe

Gesichtet: Land!

 

Heute haben wir regelrecht einen Schlussspurt hingelegt, und sind schon um 20.30 Ortszeit angekommen. Der Hafen ist voll, wir haben einfach an einem anderen Schiff längsseits belegt, dass wiederum schon an zwei anderen Schiffen belegt ist. Somit sind wir das vierte Schiff im Päckchen. Mal schauen was der Hafenmeister morgen dazu sagt. Aber wir sind zu müde um uns noch irgendwelche Gedanken dazu zu machen.

Im Schiff sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld. Und alles ist nass. Das Wasser kommt von unten, vom Niedergang, durch alle Ritzen und kondensiert and den Wänden.

Am Land testen wir ob wir Landgang spüren (schwankendes Gefühl nach langer Seereise an Land), aber wir spüren wie nach der ersten Atlantiküberquerung gar nichts. Damit wir doch noch etwas schwanken:

 

Mit Rum und Bier betrinken uns wir ;-)

 

Danach gehen wir schlafen. Mindestens 30 Stunden