Almerimar - Valencia , 16.6.10 – 28.6.10
Almerimar – Valencia, 16.6.- 28.6.2010
Mittwoch, 16.6 – Samstag, 19.6.10
Wir haben einen angenehmen Hafenplatz zwischen den einheimischen Schiffen bekommen. Auf dem ganzen Ferienkomplex geht es ruhig zu und her. Man spürt, dass die Hochsaison noch nicht angebrochen ist. Somos primavera, so heisst der Werbeslogan der Marina. Die frühsommerlichen Temperaturen sind herrlich.
Heute spielt die Schweiz an der WM gegen Spanien. Im Hafenmeisterbüro habe ich mich schon bei der Ankunft nach einem Restaurant erkundigt, wo sie den Match zeigen. Das wäre gar nicht nötig gewesen, denn als wir gegen vier uns auf den Weg machen, hören wir den spanischen Kommentator in Stereo durch die Gassen. Unsere Wahl fällt auf eine kleine Bar, wo wir den Match draussen anschauen können. Die spanischen Anhänger begrüssen uns freundlich und als Martin die Schweizerfahne neben der spanischen aufhängt, reagieren sie mit einem Schmunzeln. Auf jeder Wange glänzt die spanische Flagge, die Kinder lassen sogar Arme, Beine und Rücken mit Schminken nicht aus. Damit einem erfolgreichen Spiel nichts im Wege steht, wird sogar noch der Fernsehbildschirm kurz vor Spielbeginn geputzt.
Die Stimmung ist während des Spiels gut. Die Spanier beobachten unsere Reaktionen und umgekehrt. Als Fernandez das Tor erzielt, springen wir beide vor Freude hoch. Die Spanier sind geschockt. Weil ihre Seleccion kein Tor hinbringt, hören wir immer auch öfters C-Fluchwörter. Nach dem Schlusspfiff ist die Stimmung zuerst gedämpft. Erst später beginnen die Diskussionen und es stellt sich heraus, dass die Spanier nicht wütend auf uns Schweizer sind, nein, sondern viel mehr aufs eigene Team und so gratulieren sie uns ohne zu zögern.
Zurück beim Schiff hisst Martin die grosse Schweizerfahne und als Feier des Tages gehen wir edel essen.
In den verbleibenden Tagen nehmen wir Ranja nochmals näher unter die Lupe und putzen sie nochmals gründlich raus. Auf der 10-tägigen Fahrt von den Azoren ins Mittelmeer ist von uns und vom Schiff nochmals alles abverlangt worden. Die Bilge muss daher nochmals entleert und geputzt, feuchte Kleider und Polster an der Sonne getrocknet werden. Den Spinnaker spülen wir mit Süsswasser durch und Martin installiert eine neue Vorrichtung für das Genuafall. Wir leisten uns für 5 Euro pro Tag das Wifinetz im Hafen und lassen DRS 3 den ganzen Tag laufen, damit wir den Schweizer Sieg noch etwas länger auskosten können.
Natürlich kommen wir in diesen Tagen auch etwas zum Ausspannen. Der Strand ist nah und bei den Restaurants hat man echt die Qual der Wahl. Als wir am Samstagmittag aufbrechen wollen, hat es viel mehr Wind als erwartet. Im Hafen drin, weht es mit 25 kn. Nach dem Wetterfile soll der Wind aber spätestens gegen Abend abnehmen. Den Kite- und Windsurfern scheinen diese Verhältnisse zu gefallen. Von der Hafenmauer aus bewundern wir ihre Luftsprünge und müssen leider auch feststellen, dass wir gegen diesen Wind und diese Wellen wohl kaum aus der Ausfahrt hinauskämen.
Die restliche gewonnene Zeit an Land vertreiben wir mit einem Coupe an Land. Um 18 Uhr lässt der Wind etwas nach, weshalb wir beschliessen auf dem Schiff Znacht zu essen und danach aufzubrechen. Der Plan geht auf. Als wir um 20 Uhr die Hafenausfahrt bezwingen, sind die Verhältnisse um einiges angenehmer als am Nachmittag. Als wir etwas später den Kurs vor dem Wind einschlagen, werden wir zu Beginn wegen den Wellen mächtig hin und hergeschaukelt. Über die ganze Strecke ist der Wind relativ konstant, d.h. wir müssen den Motor erst am Schluss für längere Zeit benützen.
Sonntag, 20.6. – Mittwoch, 22.6
Tina und Toni, ein Paar das die Frühpensionierung äussert früh gewagt hat, erwarten uns im Hafen von Mazarron. Am Abend gehen wir miteinander essen. Es ist schön nochmals Freunde zu treffen. Die beiden kennen sich in Mazarron aus, das kommt uns natürlich zugute. Von der Churreria bis zur Pizzeria, testen wir alles aus. Nur beim Schweiz:Chile Match sind sie keine Unterstützung. Tina liest eine Gratiszeitung und Toni checkt die E-mails! Martin und ich leiden darum ganz alleine – bei diesem Gemetzel müssen wir wohl ein Auge zudrücken.
Wegen des Windes brechen wir schon am Dienstag auf. Es schwingt ein bisschen Wehmut mit, denn Tina und Toni sind die letzen verbleibenden Fahrtensegler, die wir gut kennen. Nicht, dass es heute viel Wind hätte, aber wenigstens kommt er noch nicht stark von vorn, was in ein paar Tagen der Fall wäre. Wir kreuzen mit einer leichten Seebrise aus der Bucht und schalten später den Motor zur Unterstützung ein. Das Mittelmeer ist schon ein anderes Paar Schuhe in Sachen Verkehr. Die Nachtwachen sind viel anstrengender, weil man immer aufmerksam sein muss. Zweimal geraten wir ins Sandwich. D.h. zwei Frachter kreuzen sich und wir sind mittendrin statt nur dabei. Mit dem AIS wissen wir genau, wie spät oder ob die Kolosse überhaupt ihren Kurs ändern. Das sind unsere Momente mit Stress! Eine Kursänderung mit 5 Knoten nützt ziemlich wenig, wenn ein grosser mit 20 Knoten daher brettert.
Donnerstag, 23.6
Wir sind nicht scharf in der Nacht in Valencia anzukommen. Doch just nach dem Kap de Nao, frischt der Wind auf und wir segeln viel zu schnell Valencia zu. Auch mit der weit weggerollten Genua machen wir fürs Timing zu viel Fahrt. Valencia ist mit Marseille, einer der wichtigsten Frachthafen des Mittelmeers. Diesen Verkehr bekommen wir vor allem am Schluss zu spüren. Das Timing geht dann dank des nachlassenden Windes auf. Ohne Wind, unter Motor lässt sich das Tempo ziemlich leicht drosseln. Um sechs Uhr, bei aufgehender Sonne laufen wir nichts ahnend im Americas Cup Hafen ein. Schon der Marinero am Steg kündigt uns an, dass wegen des Formel 1 Rennens, das durch das Hafengelände führt, der Hafenplatz teurer sei. Wir staunen noch mehr, als uns der Hafenmeister den Preis für das Rennwochenende mitteilt. 350 Euro für 3 Nächte, das ist 19 mal mehr als der Normalpreis. Der Herr hat für unser Erstaunen Verständnis und meint, wir können das Schiff ruhig noch zwei Stunden am Steg lassen und uns den Aufbau der Rennanlage anschauen. Dieser ist bereits weit fortgeschritten, es werden nur noch Fahnen aufgehängt und Blumentöpfe verteilt.
Im Süden der Stadt, im Hafen des Real Club Nauticos, sind die Preise während der Formel 1 eher tragbar, sie schlagen 11 Euro pro Tag auf.
Wir haben Zugang zum ganzen Clubgelände. Dazu gehören ein riesiges Schwimmbecken, ein Fitnesscenter, ein paar Tennisplätze, 2 Restaurants und ein edler Fernsehraum.
Leider fährt nur alle eineinhalb Stunden ein Bus in die Stadt und die Velomiete kostet 15 Euro pro Tag. Darum liebäugeln wir mit Klappvelos. In den Zuberhörshops im Hafen haben sie leider keine Velos an Lager. Als wir beim Centro Commercial aus dem Bus aussteigen und das Carrefourlogo erkennen, schlägt unser Herz höher. Sind nicht die Klappvelos der Schweden auch vom Carrefour gewesen? Mit 150 Euro pro Velo wären wir dabei. Die Qualität der Klappräder ist in Ordnung. Doch am Ende macht die Monatsaktion das Rennen. Wir erstehen für 75 Euro je ein Mountainbike.
Dieser Kauf zahlt sich aus. Valencia mit dem Velo zu erkunden ist genial, weil es viele Velowege gibt. So erkunden wir relaxed das Museumsviertel mit den aussergewöhnlichen Gebäuden von Galatrava, die Altstadt, und den kilometerlangen Stadtpark, der aus dem trockengelegten Flussbett der Turia entstanden ist.
Am Freitag hören wir zum ersten Mal die Formel 1 Autos herumkurven. Die ganze Stadt lebt mit dem Spektakel mit. Martin zögert nicht lange und kauft sich ein Billett. Leider sind nur noch Tickets fürs Qualifying erhältlich. Während er am Samstag sich mitten ins Geschehen mischt, vertreibe ich die Zeit mit Einkaufen und Sightseeing in der Stadt.
Am Sonntag, Martins Geburtstag, lädt uns Carlos und seine Freundin Amparo zum Mittagessen im Yachtclub ein. Danach radeln Martin und ich in die Stadt und schauen uns das Spiel England gegen Deutschland an. Im irischen Pub, ist man nicht sonderlich erfreut über das Resultat. Am Abend führen uns Carlos und Amparo regelrecht aus. Von der Stadtbesichtigung, übers Abendessen bis zum abschliessenden Barbesuch, ist es ein gelungener Abend. Es war schön, Carlos, den wir mitten auf dem Atlantik das erste Mal getroffen haben, nochmals zu sehen und noch mehr über ihn zu erfahren.
Montag, 28.6.
Beim Bezahlen des Hafenplatzes schenkt uns der Hafenmeister wegen des teureren Preises eine Nacht. So kommen wir trotz Formel 1 Aufschlags gar nicht schlecht davon.
Mit dem Rad geht es das letzte Mal in die Stadt. Nach einer Horchata (typisches, valencianisches Getränk) und einer guten Paella verabschieden wir uns von Valencia, eine weitere spanische Stadt, die uns äussert positiv in Erinnerung bleiben wird.
Mit viel Geschick bringen wir die zerlegten Bikes in die Hundekoje. Wir sind nun abfahrbereit zu den Balearen. Die Internetverbindung ist hier ganz schlecht, so müsst ihr euch ein wenig auf die neuen Bilder gedulden.