Valencia – Mahon (Menorca), 29.6. – 8.7.10
Dienstag, 29.6.
Eigentlich wollten wir gestern Abend los. Wir haben uns aber gestern nochmals ein riesiges Programm vorgenommen und uns etwas übernommen. Bis wir nämlich die Velos verstaut, gegessen und die Berichte auf die Homepage geladen hatten, war es schon viel zu spät.
Darum haben wir es vorgezogen noch etwas zu schlafen, bevor wir um 6 Uhr losfuhren.
Carlos hat uns von den Islas Columbretes erzählt. Die Inseln sind zum Naturschutzgebiet erklärt worden, weil viele Vögel dort nisten. In der geschützten Ankerbucht gibt es Mooringbojen, welche wir nützen wollen.
Es hat nicht viel Wind. Martin hat sich kürzlich nochmals mit Angelhaken und neuen Ködern eingedeckt. Nun ziehen wir zwei Leinen nach. Vergeblich! Ohne Fisch, aber mit einigen Motorstunden mehr in der Tasche erreichen wir am frühen Abend die Insel. Die Felsen rund um die Bucht sind imposant. Nach einer Abkühlung im Meer geniessen wir den Abend in der Natur. Vom höchsten Fels der Insel strahlt der Leuchtturm in die Ferne und die Seevögel kreischen zwar wie wild, aber nach der Hektik in Valencia stört dies unsere Ruhe nicht.
Mittwoch, 30.6
Gegen den Mittag verlassen wir als letzte Yacht diese Idylle. Es hat wieder wenig Wind. Zeitweise reicht es zum Segeln, aber dem Wind fehlt hier wirklich die Konstanz.
Martin hat wieder beide Leinen draussen. Einmal beisst sogar etwas an. Die Leine hält der Belastung aber nicht stand und reisst. Unser erfolgreichster Köder, ein blauer Tintenfisch , ist leider auch weg. Wie gross wäre wohl dieser Fisch gewesen?
Ich habe die zweite Leine ganz vergessen, als kurz nach dem Eindunkeln die Rolle der Fischerrute scheppert. Es muss etwas Grosses dran sein, denn die Rute dehnt es mächtig durch. Martin, der sich bereits schlafen gelegt hat, ist am Anfang nicht so begeistert. Da der Zug so konstant ist, könnte sich auch Abfall verfangen haben. Je mehr Martin die Leine aber eingerollt hat, desto besser sieht man den Fang. Es ist ein riesiger Thunfisch, der sicher 12 kg auf die Waage bringt.
Martin bringt ihn an Deck und nimmt ihn aus. Bis ich den Fisch kühlschrankfertig habe, ist meine halbe Schicht schon um.
Donnerstag, 1.7
Frühmorgens kommen wir in Soller an. Eines ist klar, soviel Fisch können wir nicht allein essen. Wir verschenken zwei grosse Portionen an andere Segler. Unsere Fischmenüs für die kommenden 3 Tage: 2-mal Carpaccio, gebratener Thun mit Reismix, Spaghetti mit Tomaten-Thunsauce, Spaghetti mit Gorgonzola-Thunsauce, Thunburger.
Mit dem Zügli erkunden wir die Altstadt von Soller, die sich etwas innerhalb des Tales befindet. Wir schlendern durch die engen Gässchen und kaufen bei einem kleinen Geschäft frische Erdbeeren ein. Im Städtchen ist es richtig heiss und als wir wieder zurück auf dem Schiff sind, springen wir als Erstes ins Wasser.
Freitag, 2.7
Auf dem Ankerfeld empfangen wir das Wifisignal eines Hotels. Bis vor kurzem haben uns Nachrichten kaum interessiert. Seit wir aber wieder in Europa sind, haben wir das Bedürfnis zu wissen, was in der Schweiz und in der Welt läuft.
Am Nachmittag schauen wir uns das Spiel Holland gegen Brasilien an, bevor wir aufbrechen.
Wir wechseln die Schichten, weil ich eher einschlafen kann, wenn es heiss ist. Der Wind entlang der Westküste von Mallorca hält Martin auf dem Trab. Er dreht in alle Richtungen und schwankt in der Stärke enorm. In meiner Schicht sind die Verhältnisse etwas konstanter. Als sich Mallorca im Dunst auflöst, haben wir nur noch wenig Wind und genau von vorn. Es bleibt nichts anderes übrig als den Motor wieder laufen zu lassen, wenn wir heute noch ankommen wollen. Die Überfahrt zieht sich in die Länge, weil uns im Verhältnis zum Wind viel zu grosse Wellen abbremsen. Nahe an der Küste und in der Ankerbucht spüren wir den Samstagsverkehr. Viele Motorboote mit Einheimischen sind unterwegs. Es wird kreuz und quer, mit wenig Ankerkette und viel zu nah aneinander geankert. Uns stehen zuerst die Haare zu Berge. Gegen den Abend löst sich jedoch beinahe die komplette Kolonie auf und es wird ruhiger und gemütlicher.
Sonntag, 4.7
Wir tuckern der Südküste von Menorca entlang, bis wir einen schönen Ankerplatz finden. Wir stossen dabei auf eine einsame kleine Cala. Wir fahren rückwärts in die schmale Bucht ein und setzen einen Anker. Danach befestigt Martin mit dem Dinghi eine Heckleine an Land. Den zweiten Anker bringen wir mit dem Dinghi aus. So liegen wir spektakulär zwischen den Felsen. Das Wasser pfätschert unter den Felsen und den unterirdischen Höhlen und Gängen, sonst hört man nichts. Für den Gang an Land müssen wir zwischen Felsen hochklettern. Nach einem längeren Fotoshooting der alten Dame von Land aus, gehen wir wieder an Bord.
Um 18.30 Uhr bringt das deutsche Inselradio von Mallorca den Seewetterbericht. Nach diesem soll morgen mächtig Wind aufkommen. Darum entscheiden wir uns nochmals zu verlegen. In der Cala Mitjada hat es viel Platz zum Ankern und wir können genügend Ankerkette geben. Am Land sind die Leute am Aufbrechen. So leert sich der wunderschöne Strand. Wer auf dem Boot lebt, ist eindeutig privilegiert.
Montag, 5.7
Am Morgen hat es erst einige Frühaufsteher an Land. Gestern Abend haben wir Leute von einem 6 Meter hohen Felsen springen sehen. Als wir unter dem Fels vorbeischwimmen sieht es noch ziemlich harmlos aus. Als wir jedoch oben sind, pocht das Herz schon höher. Es kostet mich einige Überwindung. Martin, der schon von Brücken in die Vercasca gesprungen ist, macht mir Mut und folgt mir danach natürlich ohne mit der Wimper zu zucken.
Der Sprung ins kalte Nass tut gut. Man staunt wie kurz man nur in der Luft ist. Zurück beim Schiff, heben wir den Anker und segeln los. Der angekündigte stärkere Wind ist angekommen. Mit zweifach gerefftem Gross und eingerollter Genua segeln wir der Küste entlang. Es ist immer wieder erstaunlich wie viel schneller wir vorwärts kommen, wenn wir segeln anstatt zu motoren. Am Nachmittag setzen wir den Anker vor einem kleinen Badestrand. Ein Italiener setzt den Anker später frech vor uns. Wir erschnorcheln unsern Anker, alles i.O., und nehmen auch denjenigen vom Italiener unter die Lupe. Seine Kette hebt es immer wieder bis zum Anker an. Dabei hat sein Anker schon eine grosse Pflugspur in den Sand gegraben. Er driftet, wie wir vermutet haben. Er müsste viel mehr Kette geben. Weil es immer noch so stark bläst und wir direkt hinter ihm liegen, geben wir ihm Bescheid, dass sein Anker nicht hält. Er bedankt sich bei uns und setzt den Anker später nochmals, leider im gleichen Stil, mit dem gleichen Resultat. Am Abend sind wir erleichtert, als er sich von uns und der Bucht verabschiedet.
Dienstag, 6.7
Auch heute bläst es mit 4-6 Windstärken in der Bucht. Man kommt immer wieder quer beim Ankern. Wir nützten die Zeit und sortieren alle unsere Karten und Führer aus, damit wir sie nach der Rückkehr verkaufen können. Am Nachmittag verlegen wir in eine andere Bucht, in die Cala d’en Fust. Mit diesem Wind ersparen die Ankermanöver Martin den Gang ins Fitnessstudio. Ich habe jeweils fast ein bisschen ein schlechtes Gewissen, hinten an der Pinne nur mit dem Gashebel in der Hand. Wenigstens kann ich mich mit dem Erschnorcheln des Ankers etwas revanchieren. Wir liegen neben einer imposanten Felswand. An einem Ort gibt es einen Zugang ans Land. Es hat dort eine Badeleiter, eingemeisselte Treppenstufen und sogar zwei flache Felsen zum Sünnele.
Am Abend schwimmen wir an Land und gehen auswärts essen. Das Städtchen, Binibeca Vell, zieht viele Touristen an. Mit den vielen engen Gässchen sieht es aus wie ein altes Fischerdorf, obwohl es erst vor 40 Jahren erbaut wurde.
Das Fischrestaurant zieht uns heute nicht an. Wir geben beide der Pizzeria den Vorzug, wo wir später mitverfolgen können, wie die Oranjes die Uruguayer aus dem Rennen nehmen.
Es ist bereits stockdunkel, als wir zurück zur Ranja schwimmen. Im verdrängten Wasser leuchtet es, als ob Glühwürmchen drin wären. Das ist wunderschön und lenkt von der etwas gespenstischen Finsternis ab.
Mittwoch, 7.7
Zum Glück hat der Wind über die Nacht nachgelassen und hat auch am Morgen brav von Norden geblasen. Bei starkem Westwind, wäre der Fels ungemütlich nahe gekommen, und wir hätten früh auf müssen. Da haben wir uns wegen der Idylle etwas verkalkuliert. Den Anker kriegen wir erst beim dritten Mal Überfahren raus, weil er sich in den Felsbrocken verhakt hat.
Halb segelnd halb motorend geht es ein paar Meilen weiter nach Mahon. Auf halbem Weg schauen wir uns die Cala Rafalet, eine der spektakulärsten schmalen Calas an, wo es uns aber zum Ankern dann doch zu eng ist. Zu zweit hat man einfach zu wenige Hände!
Mahon, ist einer der grössten natürlichen Häfen der Welt. Die Bucht ist echt riesig. Da wir die Stadt anschauen wollen, suchen wir einen Hafenplatz. Leider kraxeln während der Hochsaison die Preise ins Unendliche. Für unser kleines Schiffchen verlangen sie 98 Euro pro Nacht! Das ist lächerlich. Ein junger Marinero, hat Mitleid mit uns und gibt uns den Tipp, dass der Tankstellenbetreiber manchmal Leute am Steg übernachten lässt. Der freundliche Herr lässt uns tatsächlich gratis an seinem Steg liegen. Es hat nur einen kleinen Haken, während des Tages muss einer von uns auf dem Boot bleiben, damit wir Platz machen könnten, falls eine Superyacht tanken kommt. Der Picketdienst ist gar nicht so unattraktiv, da wir uns einen Wifi-Zugang leisten.
Am Abend schauen wir uns dann gemeinsam in einer Tapasbar den Fussballknüller Spanien gegen Deutschland an. Nach dem 1:0 ist das Spiel und die Stimmung lanciert. Nach dem Schlusspfiff treibt es die Leute auf die Strasse. Hupende Autos, jubelnde Fans, unzählige Toreros halten mit der spanischen Fahne den Verkehr auf, alle sind aus dem Häuschen!
Donnerstag, 8.7
Wir wollen im berüchtigten Golf de Lyon auf keinen Fall in ein Unwetter kommen. Für die nächsten paar Tage ist wenig Wind angesagt. Dieses Fenster wollen wir frühzeitig nützen. Darum werden wir Menorca etwas früher verlassen als zuerst angenommen. Heute Nachmittag legen wir ab. So werden wir unsere letzte Reisewoche in Frankreich verbringen.