Menorca – Golf de Fos, FRA – Berneck, CH, 8.7.- 22.7.2010
Die Tradition, kurz vor einer Überfahrt nochmals fein essen zu gehen behalten wir bei. Das Tagesmenü heute war jedoch des Guten fast zu viel. Hoffentlich bleibt das Wetter versprochen ruhig, mit unseren vollen Mägen wäre es besser wenn wir nicht durchgeschüttelt werden.
Wir legen vorsichtig ab. Nach der Ankunft, das habe ich ganz vergessen zu schreiben, hat Martin mit der Taucherbrille nachgeschaut wie viel Wasser wir noch unter dem Kiel übrig haben. 5 cm ist nicht gerade viel, darum hat er kurzerhand einige lose Steine verschoben. Danach wollten wir die Tide checken, was im Mittelmeer wegen des kleinen Unterschiedes sonst kaum Sinn macht, aber wir haben keine Angaben gefunden. Der Tauchgang in der Hafenbrühe hat sich sicher ausgezahlt, denn als wir ankamen ist noch nicht ganz Niedrigwasser gewesen.
Doch nun beim Ablegen ist es wichtig, dass wir zuerst seitwärts mindestens einen Meter weg kommen, damit wir sicher den Grund nicht berühren. Dies gelingt uns gut, trotz des auflandigen Windes. Am Nachmittag läuft nicht viel. Zwar haben wir Gross und Genua gesetzt, doch ohne Motorunterstützung läuft hier nichts. Wir haben die letzten Tage in Menorca in vollen Zügen genossen. Die vielen unzähligen Buchten, die ruhige Atmosphäre an Land, frische Muscheln, der köstliche Käse der Insel und das sonnige Wetter.
Die Angelrute scheppert eine Stunde vor Sonnenuntergang. Die Rute dehnt sich noch stärker durch als beim letzten Mal. Wenn der Fisch mit voller Wucht zieht, rollt es sogar die Leine ab, obwohl wir sie blockiert haben.
Die Übung vom letzten Fisch kommt uns zu Gute. Ist doch dieser Fang noch um einiges grösser und vor allem schwerer als der letzte. Martin kostet es einige Kraft den Riesenthun an Bord zu hieven. Das ist der grösste Fisch, den wir auf der Reise gefangen haben. 1.1m lang und etwa 15-20kg schwer. Die Tupperwaregefässe reichen nicht aus, um die Filets in den Kühlschrank zu stauen. Hoffentlich sind wir bald in Frankreich, damit wir den Überschuss verschenken können.
Die Nacht durch können wir sogar kurz segeln, doch nach 4 Stunden ist wieder Schluss.
Freitag, 9.7.10
Heute Morgen staunen wir nicht schlecht, als vor unserem Bug ein Wal (!) auftaucht. Er ist nicht kleiner als diejenigen, die wir im Atlantik gesehen haben. Wir wussten gar nicht, dass es im Mittelmeer Wale gibt.
Die erste Ration Thun wird als Carpaccio serviert. Der zweite in Tortilla-Wraps. Wir bereiten den Thun so verschieden wie möglich zu, dass er uns nicht verleidet.
Am Nachmittag können wir sogar den Parasailor setzten, der Motor wird die Pause sicher geniessen.
Samstag, 10.7.
Der Golfe du Lyon zeigt sich bis am Schluss von seiner ruhigsten Seite. Der Wind reicht gerade einmal zum Motorsegeln. Cantare hat heute ihre letzte Fahrt. Mit dem Iridium wünschen wir ihnen eine angenehme letzte Fahrt und eine gute Ankunft. Wenn wir dann in Port de Bouc sind, ist es auch für uns nur noch ein Katzensprung bis zum letzten Hafen, in Port Saint Louis du Rhone.
Am Morgen erkennen wir die Küste. Riesige Tanker liegen vor Ankern und manövrieren im Golfe de Fos. Zwischen den Kolossen segeln und fahren die Sportboote und Segelschiffe frech herum. Wir sind da noch nicht so locker wie die Einheimischen. Im Hafen von Port de Bouc können wir gerade am Willkommensteg für eine Nacht liegen bleiben. Auf der Hafenpromenade ist ein Strassenfest im Gange. Wir nehmen aber daran nur noch aus dem Cockpit, unserer privaten Loge teil.
Sonntag, 11.7.
Auf dem Canal du Caronte fahren wir bis nach Martigues. Viele Segel- und Motorboote kommen uns entgegen, die einen Sonntagsausflug machen. An der Küste scharen sich Fischer. Nach dem man auf dem weiten Meer gefischt hat, möchte man nie und nimmer was aus dieser Brühe ziehen. Eine Autobahn- und eine Eisenbahnbrücke gehen über den Kanal. Bei der letzten Brücke in den Etang de Berre, ist leider Schluss, sie ist zu nieder. Darum müssen wir noch herausfinden, ob oder wann die Brücke geöffnet wird. In Martigues machen wir im Hafen an einem freien Platz an, weil es keinen Willkommenssteg hat. Der Nachbar klärt uns auf, dass die Capitainerie ausserhalb des Ortes liegt, doch jeden Abend komme ein Angestellter vorbei. Wir sollen doch einfach mal liegen bleiben und abwarten. Als am Nachmittag ein Segelschiff sehr nahe kommt und Anstalten macht sich neben uns niederzulassen, in letzter Sekunde aber wieder abschwenkt um dann sofort mit dem Natel zu telefonieren beginnt, fühlen wir uns nicht mehr so wohl in unserer Haut und nehmen die Sache selbst in die Hand. Das Hafenbüro teilt uns telefonisch mit, dass wir den Platz wechseln müssen. Wir sind froh um das Velo, so können wir die Magnetkarte für den Zugang zum Steg gerade abholen.
Am Abend schauen wir uns das Final der WM an. Martin bringt’s auf den Punkt. Feiernde Spanier hatten wir auf unserer Reise genug. Hier in Frankreich können wir das Finale viel entspannter mitverfolgen.
Montag, 12.7.
Heute erkundigen wir das Städtchen. Martigues wird auch als das Venedig von Frankreich bezeichnet. Die Altstadt ist durch die Kanäle dreigeteilt. Auf beiden Uferseiten und auf der Insel, befindet sich je eine Kirche. In den Kanälen vor einigen Häusern gibt es Schiffsparkplätze. Praktische Sache!
Natürlich testen wir hier auch diverse Restaurants, Creperien und Glaciers aus und lassen es uns gut gehen.
Dienstag, 13.7
Der Etang de Berre ist ein Innenmeer, das etwas halb so gross wie der Bodensee ist. Für die letzten paar Tage haben wir uns noch etwas Neues aufgespart. Auf dem Etang können sich keine grossen Wellen aufbauen. Deshalb ist er bei Seglern sehr beliebt und es werden viele Regattas ausgetragen. Rund um den Etang hat es einige Häfen. Den Zugang zum Etang de Berre ist für Segelschiffe wegen einer Strassenbrücke versperrt. Man kann aber mit dem Brückenmeister per Telefon einen Zeitpunkt abmachen. Punkt 10 Uhr sind wir vor der Brücke bereit. Doch immer noch passieren Fussgänger und Autos die Brücke. Weil es starken Strom hat müssen wir sogar eine Extraschlaufe fahren. Stillstehen ist mit dem Schiff einfach nicht so einfach wie mit dem Auto. Zehn Minuten später wissen wir warum die Brücke nicht pünktlich geöffnet hat. Hinter uns kommt ein Frachter angebraust. Wir huschen gerade noch vor ihm unter der geöffneten Brücke durch und verlassen möglichst schnell seine Fahrbahn.
Wir segeln bis nach Istres. Im kleinen Clubhafen kontrolliert der Hafenmeister sogar zuerst die Mooringsleine unseres Platzes. Gerade in dem Moment blocht eine Benetaux in den Hafen herein und steuert direkt unseren vorgesehenen Platz an. Na dann bekommen wir eben den Platz etwas weiter vorn. Der Nachbar versichert uns und dem Hafenmeister, dass der Besitzer sicher eine Woche weg sei. Hier im Hafen läuft alles ziemlich einfach und familiär ab. Wir kommen ins Gespräch mit unserm Nachbarn und schon bald darauf sind wir im ganzen Hafen bekannt. Alle wollen unser Schiff sehen und über dies und jenes fachsimpeln. Natürlich kennt jeder die First 30, wir sind ja in Frankreich. Doch diese doppelte Atlantiküberquererin mit Selbsteuerung, Solarzellen und Binnenmast ist doch was Spezielles.
Mittwoch, 14.7
Martin hat die Fahrräder zusammen geschraubt. Weil wir gestern zu Fuss bereits die nähere Umgebung ausgekundschaftet haben, finden wir gerade den richtigen Weg. Uns schwebt ein schöner Veloweg entlang des Etangs in Gedanken vor. Doch leider gibt es nur eine Hauptstrasse, die über mehrere Hügel, durch Wälder und Siedlungen führt. So kommen wir ins Schwitzen. Wir kommen bei der mittelalterlichen Altstadt von Miramar vorbei. Sie ist auf einem kleinen Hügel erbaut. Die engen Gässchen sind vor dem Mittag jedoch noch menschenleer. Am quatorze Juillet wird am Abend ausgegangen. Siesta machen wir in einem kleinen Park am See, essen eine halbe Wassermelone und was Feines von der Boulangerie. Danach geht es wieder heimwärts. Die Feuerwerke können wir vom Schiff aus bewundern. Hoffentlich ist es am 1. August schönes Wetter. Martin kann es kaum erwarten.
Donnerstag, 15.7
Heute haben wir ein abwechslungsreiches Tagesprogramm. Wir durchsegeln zuerst ein Innenmeer, fahren in einem Kanal unter einer Hebe-, einer Eisenbahn und einer Autobahnbrücke hindurch, legen einen Zwischenstopp in einem Hafen ein, segeln weiter ins Meer, fahren in eine Bucht, bis wir am Schluss in einem Fischerhafen landen. Wir liegen neben einer gut gepflegten First 30, die wahrscheinlich erst kürzlich ein Refit bekommen hat. Rollgross, Ankerwinsch, selbstholende Winschen, . . . .
Freitag, 16,7
Die Windprognose wirft mal wieder unsere Planung durcheinander. Weil es am Sonntag, unserem Ankunftstag viel Wind (Mistral) haben soll, gehen wir heute schon nach Fos du Mer, damit wir es dann weniger weit haben.
Bevor wir aufbrechen schauen wir uns noch auf dem Fischmarkt um. Thun wird zu 25 Euro das Kilo gehandelt. Da wären wir mit unserem Fang noch reich geworden!
In der vorgesehenen Ankerbucht machen wir nur kurz stopp um uns abzukühlen und etwas zu baden. Am Nachmittag können wir mit schönsten Verhältnissen nach Fos du Mer segeln. Downwind lassen wir eine First 30 und eine andere Yacht stehen. Die First 30 ist entschuldigt, weil wir mit dem höheren Mast einen Vorteil haben, die andere ist aber grösser und hat sicher nicht den kürzeren Mast.
Fos de Mer liegt mitten in den Ölraffinerien. Dabei entsteht ein ungewohntes Bild. Hinter dem überfüllten Sandstrand erkennt man nämlich vor lauter ankernden Frachtern den Horizont nicht. Darum hat es auch im Hafen weniger Touristen und mehr einheimische Segler. Jeden Abend im Juli und August findet im Hafen die Sardinade statt. Die Franzosen scheinen von diesen Veranstaltungen nicht genug zu bekommen. Von allerlei Meerestieren, über Crepes bis zum Kebab kann man alles bekommen. Auf den Strassen wird ab 18 Uhr jeden Abend eine Kilbi aufgebaut. Das Angebot geht vom Karikaturisten, über Strassenmusiker bis zum afrikanischen Schmuckstand.
Wir holen uns nur zwei Riesenspiesse, damit der Fitnessteller auf dem Schiff komplett ist sonst überlassen wir das Feiern den Franzosen.
Samstag, 17.7.
Heute haben wir keine Lust die Velos zusammen zu bauen, deshalb tschumpeln wir mit den Flipflops zum 2km entfernten Stadtzentrum. Mit Hoffnung auf Wireless Internet in einem Mc Donalds oder so schleppen wir sogar den tonnenschweren Laptop mit. Wir werden nicht fündig, dafür nutzen wir die Zeit um den Wochenmarkt anzuschauen.
Am Mittag kaufen wir uns ein Poulet vom Grill und ein Baguette und sitzen im Schatten auf einem Bank auf dem Altstadthügel. Der Mistral hat sich nun voll entwickelt und wir müssen unseren Zmittag festhalten, damit es ihn nicht wegbläst.
Zurück auf dem Schiff duschen wir uns immer wieder mit dem Schlauch ab, damit die Hitze aushaltbar ist. Den Sonnenschirm trauen wir uns nämlich nicht aufzubauen, wegen des Windes.
Am Abend holen wir uns Muscheln bei der Sardinade und ergänzen diese mit dem Resten des Poulet und natürlich Baguette als unseren letzten gemeinsamen Abend auf der Ranja. Morgen werden wir nämlich Port Saint Louis anlaufen, unsere letzte Station auf unserer Reise.
Sonntag, 18.7
Der Mistral gibt etwas ab. Zeit aufzubrechen. Ein mulmiges Gefühl, das ist unsere letzte Meerfahrt auf der Ranja. Wir geniessen diese so lang als möglich und fahren mit der gesetzten Genua sogar in den Kanal. Als der Wind mehr von vorne kommt bergen wir das Segel. Schon von weitem sehen wir eine Schweizer Fahne und ein riesiges Willkommensplakat.
An Land winken uns Norbert, Cornelia, Claudia und Jonas freudig zu und wir natürlich zurück. Im Hafen stossen dann Mama, Papa und Martin noch dazu. Was für eine netteÜberraschung!
Wie es bei Seefahrern der Brauch ist, ziehen wir zur Feier die Signalflaggen hoch. Ein Apéro mit Köstlichkeiten aus der Schweiz und natürlich das gemütliche Beisammensein runden den herzlichen Empfang ab.
Montag – Mittwoch, 19.7.- 21.7.2010
In den ersten zwei Tagen machen wir Ranja bereit für den Rücktransport. Nach zwei Tagen Arbeit sieht Ranja ziemlich abgespeckt aus. Solarzellen, Rettungsringe, Radar und Windfahnensteuerung, etc. werden abmontiert.
Mittlerweile sind auch Ador und Yvonne angekommen. Ralf der Chauffeur, kommt früher als erwartet an. Darum können wir schon am Dienstagnachmittag den Mast legen und danach direkt verladen. In der Hektik verfängt sich der Achterstag am Kran. Norbert kann uns gerade noch rechtzeitig warnen, bevor es das Stahlseil auf das Deck knallt. Da hatten wir nochmals riesiges Glück, dass dieses Missgeschick des Kranführers keine Folgen hatte. Sonst läuft beim Verladen alles sehr professionell und speditiv ab. Am Abend ist alles erledigt und Ranja bereits auf dem Nachhauseweg. Die letzte Nacht verbringen wir auf dem Hotelcouch unserer Eltern. Bei der Rückreise mit dem Auto kommen wir gut voran, so dass wir direkt nach Hause fahren.
Die Wohnung ist schön hergerichtet und einige Wichtel haben sogar den Kühlschrank gefüllt.
Wir sind gern zurück.
Donnerstag, 22.7.2010
Heute wird Ranja vom Lastwagen ins Winterlager verladen, wo wir sie über den Winter wieder für die Bodenseefahrt umrüsten werden.