Abreise – Erste Tage in Hyères

 

Auf  8 Uhr war der Yachttransporter bestellt. Unsere Familien verfolgten mit uns gespannt,  wie Ranja auf den Lastwagen verladen wurde. Dies war gar nicht so einfach, wie wir gemeint hatten. Um 10 Uhr passte dann alles und Kai, der Chauffeur, fuhr mit dem Transporter ab. Unsere Eltern kamen noch mit nach Hyères. Von allen andern mussten wir uns verabschieden.

 

Bevor wir endgültig das Rheintal verliessen, machten wir noch einen Halt beim Segelgeschäft. Letzte Teile für den Radarmast und der Barometer, waren gerade noch rechtzeitig angekommen. Obwohl wir das Schiff bereits am Wochenende gepackt hatten, war der Vito nochmals mit etlicher Segelausrüstung vollgestopft.

In Genf  trafen wir den Lastwagen und Martin wollte mit ihm über den Zoll fahren, weil es dann eigentlich keine zusätzlichen Papiere mehr bräuchte. Erst nach einigen Telefonaten liessen uns dann die Zöllner passieren. Danach trennten sich wieder unsere Wege.

 

Am Mittwoch erkundeten wir bereits den Hafen, bis Ranja auf dem Lastwagen ankam. Am Nachmittag konnten wir sie einwassern. Eigentlich würde man dann gerade auch den Mast stellen, doch der Mistral bliess mit voller Kraft (6 Windstärken), an ein Aufrichten des Mastes war nicht zu denken. Darum wasserten wir Ranja mit liegendem Mast ein und waren ziemlich angespannt, ob wir heil an unserem Hafenplatz ankommen würden.

Zum Glück startete der Motor einwandfrei und Ranja war das erste Mal im Meer. Doch schon nach ein paar Metern, setzte der Motor aus. Martin hechtete zur Zündung, ich zur Pinne. Der Motor sprang an, wir wechselten wieder Platz. Doch kurz danach setzte er wieder aus. Martin hechtete wieder zur Zündung, ich an die Pinne. Der Motor schnatterte nochmals, doch kurz danach war wieder fertig. Wir hatten gerade noch soviel Schwung, dass wir trotz Seitenwind auf ein anderes Schiff zusteuern konnten. Ein „Attention“ alarmierte diese Crew und wir konnten ihnen die Taue zuwerfen. So konnten wir längsseits bei ihnen belegen. Uns stockte das Herz, da hatten wir einen Schutzengel. Nicht auszurechnen, wie es uns auf die andere Seite hingetrieben hätte.

 

Nach kurzer Verschnaufpause starteten wir den Motor wieder neu und dieses Mal lief er einwandfrei. Es war vom letzten Service wahrscheinlich noch Luftbläschen in den Leitungen und darum hatte der Motor gestreikt.

Wir waren froh, als wir in unserem am Morgen reservierten Platz lagen. Gerade als wir unser Gepäck verladet hatten, brauste ein Boot der Capitainerie daher. Wir wären auf einem falschen Platz und wir müssten wieder gehen. Ich kramte mein Französisch aus und konnte ihn abwimmeln. Auf dem Capitaineriebüro versicherte ich mich, dass alles in Ordnung war. Sie erkannten mich vom Morgen und gaben grünes Licht, dass wir bleiben konnten.

 

Nach dem Verladen, gönnten wir uns eine Glacépause. Kaum zurück beim Schiff, trabte bzw. raste das Capitaineriebötchen heran. Wieder dieselbe Geschichte, doch wir hatten die Nase voll und räumten den Platz. Der Mast ragte vorne und hinten je zwei Meter über das Schiff, der Wind konstant, links und rechts teure Yachten, die Lage war ernst. Beim Verlassen des Platzes räumte der Mast die Beleuchtung einer Wasser-Strom Konsole ab - ein wenig Schadenfreude konnten wir uns nicht verkneifen. Danach meldete ich mich bei den Göttern, äh Capitaineristen. Wegen eines Schichtwechsels wurde unser Platz neu vergeben. Wir hätten aber den Platz schon am Morgen belegen müssen. (Ohne Schiff?!) Auf jeden Fall müssten wir einen letzten Wechsel machen, weil der Platz bei der Capitainerie viel zu gefährlich sei, wegen des überstehenden Mastes. Manövrieren unter diesen Umständen ist auch nicht ohne, wir durften nochmals ran. Unser Platz war gerade bei der Einfahrt des Hafens, dort wo alle Langfahrtensegler bzw. älteren Schiffe waren. Es war dort zwar etwas unruhiger, wir passten aber besser dorthin. Darum fühlten wir uns schnell wohl. Nur so nebenbei, der erste Platz blieb bis Freitag leer!

Am neuen Platz machten wir das Schiff flott. Den Mast stellten wir am nächsten Tag im Nachbarshafen, weil der Kran in unserem Hafen defekt war. Der Mistral hielt bis Freitag durch, und so konnten wir noch etwas mehr Zeit mit unseren Besuchern verbringen.