Alicante - Gibraltar

Als wir am Mittag den Hafen von Alicante verlassen, rechnen wir mit einer ruhigen Fahrt, denn die Windprognosen geben wenig Wind an.

 

Kaum aus dem Hafen, können wir die Segel hissen. Kurs am Wind, 5 Knoten Fahrt, Wellen.

Nach 8 Seemeilen Fahrt, erreiche ich meine 1000ste sm! Dem Hochseeschein steht nichts mehr im Weg, d.h. ich kann ihn beantragen. Wir stossen darauf an und widmen dem Meeresgott Neptun einen Schluck Pastis.

Wir machen zwar viel Fahrt, weil wir aber aufkreuzen müssen sieht’s auf der Karte recht bescheiden aus. Auf dem GPS sehen wir einen möglichen Ankerplatz im Hafenbecken, den wir ansteuern wollen. Die Sonne geht zu schnell unter. Als wir dort sind, ist es stockdunkel. Das Hafenbecken scheint ungeeignet zum Ankern, darum beschliessen wir über die Nacht zu segeln.

Der Wind frischt auf und Ranja ist mächtig in Schräglage. Martin versucht sich hinzulegen und zu schlafen. Dies gelingt nicht, denn Ranja stampft durch die Wellen und macht einen höllischen Lärm. Der Wind bläst 20 kn. Manchmal fliegt Ranja über die Wellen, manchmal wird sie stark gebremst. Um halb drei wechseln wir die Schichten. Ich versuche mich unten auszuruhen und Martin übernimmt die Wache. An Schlaf ist kaum zu denken, es kommt einem vor wie auf einer Achterbahn.

 

Martin hat auf seiner Wache ziemlich Pech. Einmal steuert Captain Jack, der Autopilot, bei einer Wende völligen Schwachsinn, später reisst die schon angeschlagene Fockschot. Martin muss darum die Fock bergen. Die Schot sofort zu reparieren wäre mühsam, weil es zu viele Wellen hat, die übers Deck waschen. Nur mit dem Gross lässt es sich nicht so hoch am Wind fahren, darum muss er den Motor einschalten. Auf der Karte hat es einen kleinen nahen Hafen, den wir am Morgen möglichst gleich ansteuern wollen. Doch als wir in die Bucht einlaufen, gibt es keine Anlegestelle!?

Wir ziehen den Bloc Marine zu Rat und steuern Cartagena an. Um 11 Uhr legen wir an, ausgelaugt, was auch dem französischen Stegnachbar auffällt.

Am Nachmittag belegen wir die Liegestühle am Pool des Seglerclubs und ruhen uns aus.

Am Abend kann ich Martin noch zu einem Stadtspaziergang motivieren und wir bemerken erst, dass Cartagena eine Stadt mit Geschichte ist. Kaum jemand war noch nicht da: von den Römern, zu den Westgoten bis zu den Arabern. Als Erstes besuchen wir das Museum des römischen Amphitheaters.

Am nächsten Morgen staunen wir nicht schlecht, als ein riesiges Kreuzfahrtschiff im Hafen liegt. Es hat 13 Stockwerke und ist 290m lang.

 

Das Tourismusbüro hat einen Infostand beim Hafen, die Policia ist präsent und regelt den Verkehr beim Fussgängerstreifen, ein Car und Taxifahrer fahren vor. Die Touristen stürmen das Städtchen, belegen Cafes, knipsen wie wild. Action!

Wir nützen das Wifi-netz im Hafen, gehen einkaufen, geniessen den Ort wieder, wenn das Schiff  weg ist. 17 Uhr ; )

 

 

Cartagena - Gibraltar

 

Am Donnerstagmorgen um 9.20 Uhr verlassen wir Cartagena. Der Wind bläst angenehm von Osten und wir machen 6 Knoten Fahrt. So kommen wir schnell voran. Zuerst fahren wir der Küste entlang, später stechen wir etwas weiter in die See.

Zwei weitere Segelschiffe sind auf gleichem Weg. Wir ziehen sogar an einem Zweimaster mit Parasailor vorbei. Wir haben wegen des starken Windes den Parasailor nicht gesetzt. Zum Znacht gibt’s Ravioli und kaum haben wir diese verschlungen folgen uns eine Schar Delfine. Die grösseren schwarzen ziehen etwas weiter vom Schiff vorbei, die grauen aber schwimmen eine Weile beim Bug mit. Wir freuen uns über den Besuch und schnappen die Filmkamera. Die grauen Delfine sind echt verspielt und als sie sich abfallen lassen verabschieden sie sich noch mit einigen Luftsprüngen.

In der Nacht nimmt der Wind etwas ab. Trotzdem machen wir soviel Fahrt, dass wir eine Leuchtspur hinter uns herziehen, welche die Quallen in der Heckwelle erleuchten lässt. Später leuchten auch die Quallen weiter weg vom Schiff, Martin wundert sich, irgendwas muss die angeschubst haben. Und dann ziehen wie Blitze erleuchtete Delfine unter dem Schiff durch, ein atemberaubendes Schauspiel!

 

Am frühen Morgen, als ich das Ruder übernehme läuft nicht mehr viel und am Ende stellt sich der Wind ganz ein. Das letzte Stück nach Roquetas de Mar müssen wir leider motoren.

 

Der Hafen von Roquetas de Mar ist ein Fischerhafen. Wir haben einen ziemlich verschissenen Platz:

Sonst passt aber alles. Am Abend rockt’s oder besser roquet’s es in Roquetas. Wir freuen uns über das kleine Openair in der Arena.

Am nächsten Morgen wollen wir einen grossen Schritt in Richtung Gibraltar machen. Wind und Strom spielen bis am Nachmittag mit. Doch danach wird er schwächer und es bleiben nur noch die grossen Wellen. Wellen und Wind ist ok. Doch kein Wind und trotzdem hohe Wellen ist echt unangenehm. Wir müssen motoren.  Nach zwei Stunden wird es erst besser mit den Wellen und wir kommen gut voran, weil der Strom uns mit 1 – 1.5 Knoten schiebt.

 

Als um 19.00 Uhr wieder Wind aufkommt, und der Strom uns immer noch tatkräftig unterstützt sind wir uns einig, wir steuern nicht den möglichen Hafen an, sondern wollen diese Verhältnisse über die Nacht ausnützen. Doch die Winde im spanischen Süden sind wirklich variabel. Um 22 Uhr ist der Spuk vorbei, das schlägt auf die Seglerstimmung. Wir denken an unsere tschechischen Freunde und malen uns aus, dass sie wahrscheinlich längst in Gibraltar sind. Martin schreibt eine SMS und prompt erhalten wir eine Antwort. Sie seien auch nicht wie gewünscht vorangekommen und lägen in Almunécar vor Anker. Ein Blick auf die Karte, was für ein Zufall. Das ist nur 3 sm von uns entfernt. Schnell ist die Entscheidung getroffen: Wir gehen obwohl es schon dunkel ist ankern. Am nächsten Mittag sind wir zu tschechischem Essen eingeladen. Knödel. Blaukraut und Thon. Eine willkommene Abwechslung. Wir sprechen uns ab und am späten Nachmittag nützen wir den vorübergehenden Wind, um in den nächsten Hafen, Caleta de Vélez, zu segeln. Martin und Maja setzen den Spi, wir den Parasailor.

 

Der Wind reicht um eine Stunde zu segeln. Nachher ist wieder Schluss. Die beiden Lebenskünstler müssen Geld sparen und gehen im Hafenvorbecken ankern. Wir geniessen den ruhigen Platz im Hafen. Am Abend treffen wir uns noch für den Ausgang, der  im tschechischen Budget immer drinliegt.

 

Am nächsten Morgen trennen sich wieder unsere Wege. Wir fahren etwas früher los, die beiden müssen noch Benzin auftreiben.

 

Der Weg nach Gibraltar kostet uns wegen variablen Winden mehr Zeit als angenommen. Einmal machen wir Halt im Hafen von Benalmadena. Im Bloc Marine steht, dass dieser Hafen schon zweimal zum besten Hafen der Welt gekürt wurde. Wir bekommen einen Platz gerade in der Restaurantmeile. Es ist eine riesige Ferienanlage mit Hotels, Restaurants, Läden, Seaworld, Strand und eben der Marina. Es wäre interessant, nach welchen Kriterien die Häfen beurteilt wurden. In unserem Ranking ist er im  Mittelfeld.

Am nächsten Tag schaffen wir es bis zum Hafen José Banus.

Banus ist das spanische St. Moritz. Das bemerken wir leider erst, als wir den Preis erfahren. 65 Euro ist echt Wucher. Für die Zugangskarten für den Steg und die Duschen, müssen wir 60 Euro Depot hinterlegen und für den speziellen Stromstecker wären es 148 Euro Depot gewesen. Sonst ist der Service überhaupt  nicht exklusiver als sonst wo.

 

Auf der Hafenpromenade merken wir schnell, dass sich hier die Reichen tummeln. Riesige Yachten und edle Segelschiffe, Ferraris, Bentleys und Lamborghinis bekamen wir gerade mehrmals zu Gesicht.

Am nächsten Morgen verlassen wir beinahe fluchtartig die Marina. Da der Wetterbericht für reiche Leute nicht interessant zu sein scheint, haben wir nur dürftige Wetterdaten.

Je länger wir segeln, desto mehr frischt der Wind auf. Der Reihe nach reffen wir das Gross ins erste, später ins zweite Reff und zum Schluss reffen wir sogar noch die Fock.

Wind und Wellen sind gegen uns, zum Glück schiebt uns der Strom in Richtung Gibraltar. Von weitem sehen wir schon die riesigen Cargoschiffe vor Anker liegen.

 

Bevor wir sicher in der Bucht sind, müssen wir an ihnen vorbeisegeln und rund um das Kap segeln. Der Wind wird immer stärker und die Wellen grösser. Mitten in den Cargoschiffen wird der Wind für kurze Zeit schwächer. Wir bergen darauf die Fock und starten den Motor. Das war eine gute Entscheidung, denn die Verhältnisse werden nicht einfacher. Mit Motor und Grosssegel schaffen wir es um das Kap, dann wird es wieder ruhiger.

 

Müde, aber zufrieden erreichen wir die Marina. Vor dem Zubettgehen brauchen wir nur noch eins, einen feinen Znacht: Fertigröschti mit Spiegelei

 

In Gibraltar werden wir Ranja flott machen für unser nächstes Ziel: Madeira.