Gibraltar - Porto Santo (Madeira)
Die ersten paar Tage sind wir in der Sheppard’s Marina von Gibraltar. Ranja kriegt eine ordentliche Innen- und Aussenreinigung. Wir bunkern auch Wasser und Lebensmittel für die Überfahrt nach Madeira. Der alltägliche Gang zur Post, zahlt sich leider nicht aus. Das Paket aus der Schweiz hat es leider nicht über den Zoll geschafft. Die Briten nehmen es da genau, jedes Paket wird länger als 2 Wochen aufgehalten. Auch sonst geht es in Gibraltar echt britisch zu und her. Es hat die typischen Telefonkabinen, die Briefkästen und man bezahlt in Pfund. Einzig den Linksverkehr haben sie vergessen.
In Gibraltar gilt es, gute Windverhältnisse abzuwarten für die Fahrt durch die Strasse von Gibraltar. Schon nach drei Tagen scheinen die Windverhältnisse gut, darum verlassen wir die Marina und gehen zum Ankerplatz auf der spanischen Seite von Gibraltar. So können wir am Morgen einfacher früh los. Doch am Abend, als wir den letzten Wetterbericht über Funk abhören, kündigt dieser Sturm und heftige Böen an. Wir entscheiden uns am Ankerplatz zu bleiben. Wir sind nicht allein. Der Tscheche und auch viele andere Boote warten auf besseren Wind. Der Wind bleibt unverändert stark über mehrere Tage. Da wir bereits bereit für die Reise sind, bleiben uns ein paar ruhige Tage vor Anker.
Da wir nun auf der spanischen Seite von Gibraltar liegen, müssen wir die Grenze passieren um den Ausflugsberg „The Rock“ zu besuchen. Der Gang über die Grenze ist ziemlich eindrücklich, denn um nach Gibraltar zu kommen, muss man die Landebahn des Flughafens passieren. Die Hauptstrasse geht direkt über die Landebahn.
Wir erkunden den Berg zu Fuss. Bei den Tunnels vom 2. Weltkrieg haben wir das Glück, dass gerade die Führung einer deutschen Tuireisegruppe beginnt. Wir können gar nicht anders als uns ihnen anzuhängen, überholen wäre ziemlich unanständig. J.
Die Briten haben den Berg beinahe durchlöchert. Die ersten Tunnels wurden vor 300 Jahren gebaut, um sich gegen die Spanier zu verteidigen. Von 1942 – 1945 haben sie weitere 50 km Tunnels angelegt. Während dieser Zeit haben im Berg 5000 Männer gelebt und gearbeitet. Wir vermuten, dass noch heute im südlichen Teil des Berges die Briten ihre Stationen haben. Der südliche Teil ist nämlich kaum zugänglich.
Eine weitere Sehenswürdigkeit sind natürlich die Affen, die sich frei im Naturschutzgebiet bewegen. Diese sind ziemlich frech, wenn sie irgendwo Nahrung vermuten.
Zum Schluss wandern wir noch zur Tropfsteinhöhle. Dieses Mal darf man fotografieren.
Die meisten Touristen erkunden den Berg in VW-Bus-Taxis. Uns tut die Bewegung gut. Doch leider sind die wenigen eingezeichneten Wanderwege ziemlich schlecht unterhalten und auf der Bergspitze vermissen wir das Höhenrestaurant. So müssen wir uns die Fish und Chips im Pub echt verdienen, denn Pubs gibt es nur in der Stadt.
Mayas Geburtstag feiern wir mit einer lustigen Gruppe auf ihrem Schiff. Phillippe ein chaotischer Franzose spielt viel besser Gitarre als er aussieht.
Fahrt nach Madeira
Am Donnerstagmorgen verlassen wir mit dem Strom Gibraltar. Mit uns brechen gerade weitere 4 Schiffe auf. Darunter auch Martin und Maya. Unsere Logge zeigt zu Beginn keine Geschwindigkeit an. Für eine längere Überfahrt ist dies aber wichtig, darum baut Martin kurzerhand das Rädchen aus. Winzige Muscheln haben das Rädchen blockiert. Jetzt läuft’s wieder einwandfrei. Der Wind bläst stark aber nicht zu stark, wie angekündigt.
Wir haben das gereffte Grosssegel uns die Genua gesetzt und durchfahren die Strasse ziemlich schnell. Bei Tarifa bläst’s am stärksten und wir sind froh, als wir diese Passage hinter uns haben. Nach den Windvoraussagen segeln wir zuerst parallel zur spanischen Küste, die aber nicht in Sichtweite ist. Die anderen Schiffe verlieren wir aus den Augen, einzige Besucher sind schwarz-weisse Delfine. Während des Nachmittags beginnt die Genua zu schlagen, so dass wir nur noch unter Gross segeln. Der Wind frischt immer mehr auf, so dass wir um 20 Uhr das Grosssegel im dritten Reff fahren. Die Wellen sind ziemlich gross und der Autopilot hat Mühe zu steuern. Wir steuern beide eine Weile per Hand und kriegen manch eine Dusche im Cockpit ab. Einmal schlägt es uns sogar in einer Welle quer. Der Bullenstander hat den Grossbaum aber gerade noch zur richtigen Zeit gestoppt. Ich übernehme die erste Schicht bis 24 Uhr, Martin versucht sich in den Schlaf zu schaukeln oder wohl eher zu schütteln. Zum Glück nehmen die Wellen etwas ab, so dass Martin in seiner Schicht wieder den Autopiloten einsetzen kann. Am Morgen sind Wellen und Wind gerade richtig. Nur unter Gross fahren wir 5.5 Kn. Es gibt einen gemütlichen Parasailornachmittag. Wir schlafen nach und lesen. Am Abend frischt der Wind wieder auf und wechselt auf Nord. Dies hat zur Folge, dass wir mit halbem Wind fahren. Über die Nacht ist es ziemlich feucht, und da immer wieder Wellen ins Cockpit waschen verbringen wir unsere Schichten im Ölzeug. Am Mittag passiert uns ein Frachter ziemlich nahe, sonst sehen wir über die ganze Fahrt kaum Schiffe. Einziger Besucher ist ein Vogel, der mit dem Abwind unserer Segel spielt.
Langsam pendelt sich ein Rhythmus ein. Eher ruhige Nachmittage, viel Wind am Abend und in der Nacht und mal einen ruhigen, mal einen windigen Morgen. Die Nachtschichten dauern ca. 3 ½ Stunden, was für jeden von uns zwei Schichten gibt. In den ruhigen Zeiten gönnen wir uns eine ergiebige Salzwasserdusche, lesen und unterhalten uns. Wenn es heftiger zu und her geht, sitzen wir im Cockpit und sind aktiv. Seekrank wurden wir bisher beide nicht, wobei mir das Kochen unter Deck leichter fällt. Ich habe mich ein bisschen schneller an das Bordleben gewöhnt, Martin hatte am Anfang etwas weniger Appetit gehabt.
Am dritten Morgen bemerken wir einen ominösen schwarzen Fleck am Grosssegel. Wir sind beide ratlos. (Was ist es wohl? Mach mit beim Quiz, siehe News).
Am fünften Morgen ist Land in Sicht!
Es sind noch 35 sm bis nach Porto Santo (Madeira). Bevor wir allerdings die Insel erreichen, werden wir heftig – dieses Mal mit Süsswasser - geduscht. Das ist das erste (!) Mal, dass es auf unserer Reise geregnet hat. Es herrscht Aprilwetter: der Wind ändert Richtung und Stärke von Minute zu Minute, Sonnenschein, Wolken und Regen wechseln sich ab.
Um 17 Uhr kommen wir in Porto Santo an. Für die 599.1 sm haben wir 5 Tage und 4 Nächte gebraucht. Die Windstärke hat zwischen 4 und 7 Beaufort gependelt. Der Wind kam immer mehr von Westen, so dass wir schlussendlich am Wind fahren mussten. Die Tagesetmale liegen zwischen 135 sm und 146 sm, was für unser Schiff eine gute Bilanz ist.
Der erste Tag in Porto Santo brauchen wir um auszuschlafen und Ranja wieder aufzuräumen. Der Autopilot bekommt einen Service und das Spifall wird ersetzt. Hier hat es nur wenige Segler, dafür aber sehr nette, die immer für einen Plauder zu haben sind. Unsere Steuerbord-Nachbarn kommen aus Holland und die an Backbord aus Frankreich. Die Tschechen sind mittlerweile auch angekommen. Sie hatten es um einiges härter als wir, da sie direkten Kurs auf Madeira genommen haben und deshalb schon viel früher hart am Wind segeln mussten. Wir hatten in des Skippers weiser Voraussicht einen Bogen nach Norden gemacht.