Madeira, Quinta do Lorde - Ilhas Desertas, 21.9. – 30.9.09

Am Montagmorgen brechen wir von Porto Santo auf nach Madeira. Wir setzen zuerst den Parasailor und als die Böen stärker werden, schalten wir einen Gang zurück mit der ausgebaumten Genua. Beim Setzen der Genua passiert das Unglück. Die Genua reisst im Unterliek. Dass es irgendwann Risse gibt, war abzusehen, da sie uralt ist. Der Riss ist nicht allzu gross, darum segeln wir mit der Genua weiter. Kurz vor Madeira huscht noch eine Delfinschule vorbei. Das Meer ist ziemlich aufgewühlt. Das kommt wohl von der Gegenströmung und der Tatsache, dass sich die Meerestiefe von 3000 m auf 100 m verringert.

Sobald wir das Kap umrundet haben, werden die Wellen wieder angenehmer. In der Bucht Baia d’Abra werfen wir zwei Anker. Es ist wunderschön.

Am Dienstagmorgen machen wir eine Ausfahrt mit dem Dinghi. Das Wasser ist glasklar und die Klippen und Höhlen sind filmkulissenreif.

 

Nach der Erkundungsfahrt laden uns Kerstin und Ruedi zu einem Kaffee ein. Die sympathischen Berner sind bis auf weiteres auf Langfahrt und sind  gemütlich unterwegs.

Am Nachmittag packt uns das Wanderfieber und wir machen eine spektakuläre Landung mit dem Dinghi. Martin konnte den Motor gerade noch rechtzeitig hochklappen, bevor es uns auf den Steinstrand spülte. Schwein gehabt, Martins Schulter schmerzt nur 2 Tage! Die Wanderung ist bei Touristen sehr beliebt. Da wir etwas später unterwegs sind, kommen uns viele entgegen und schon bald sind sie verschwunden. Die Landzunge ist karg, doch die zahmen Eidechsen und frechen Vögel bringen ein bisschen Leben. Als wir den letzen Fels bestiegen haben, geniessen wir die geniale Aussicht aufs Meer.

Am Mittwoch, 23.9.09, zügeln wir in den Hafen von Quinta do Lorde, der nur 2 sm von der Bucht entfernt ist. Wir werden wärmstens von den Tschechen und Franzosen empfangen.

Nachdem wir die Bootsarbeiten erledigt haben, besuchen wir am Donnerstag mit dem Bus Funchal, den Hauptort von Madeira. Da die Minitransat dort Station macht, ist der ganze Hafen von den kleinen Schiffen belegt. Wir halten Ausschau nach den Schweizern. Ein Tessiner liegt gerade nahe an einem Steg. Andrea ist gerade etwas am Reparieren und das kurze Gespräch kommt ihm als Abwechslung gelegen.

Wir tummeln nachher noch durch die Strassen von Funchal, wo es noch alte Tante Emma Läden gibt. Zmittag essen wir in einem Gartenbeizli in einem schönen Park. Der Besuch im Weinmuseum mit anschliessender Degustation ist für uns Bernecker ein Muss. Nach dem Einkauf im Supermarkt ist es Zeit für den letzten Bus nach Quinta do Lorde. Dieser fährt schon um 18.00 Uhr. Die Marina von Quinta do Lorde ist echt abgelegen und wegen der spärlichen Busverbindung von der Insel fast abgeschnitten. Sie liegt wohl auch zu weit im Osten. J Die Marina selbst versucht mit einem guten Service d.h. mit der freundlichsten Receptionistin, mit Gratis Wire Less Wlan über die ganze Marina dies wettzumachen. Sogar einen Shuttle in den nächsten Supermarkt ist vorhanden.

 

 

Rund um die Marina entsteht ein riesiger Ferienkomplex. Sie bauen sogar eine neue Kirche. Man will sich gar nicht vorstellen, wie es hier zu und her geht, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind.

 

Um die Insel zu erkunden haben wir für den Freitag und Samstag ein Auto gemietet. Am ersten Tag nehmen wir uns den höchsten Berg der Insel vor. Mit dem Auto fuhren wir bis zum Pico do Areeiro. Wir sind oberhalb der Wolken und können sogar manchmal bis ans Meer sehen. Der Weg ist steil, doch die Aussicht ist die Mühe wert.

Wieder hat es reichlich Wanderer unterwegs. An vielen ziehen wir aber zügig vorbei. Wir wandern mit einer einfachen, kleinen Übersichtskarte von Madeira. Dies hat zur Folge, dass wir meinen auf dem Pico Ruivo angelangt zu sein. Dabei wäre der Pico Ruivo etwas weiter auf dem gleichen Grat gewesen. Den bestausgerüsteten Deutschen mit genauesten Wanderbeschreibungen passiert das natürlich nicht. Mich wurmt es ein bisschen, doch die Wanderung war auch so ein tolles Erlebnis. Erst später erfahren wir, dass der Pico Ruivo von der anderen Seite viel einfacher zu erreichen ist und er darum recht bevölkert ist. Da war uns unserer Pico sympathischer.

Da wir ziemlich zügig gewandert sind, machen wir uns noch auf  den Weg nach Funchal. Leider erreichen wir den tropischen Garten zu spät, um halb sechs lassen sie keine Leute mehr rein!? So geniessen wir die Aussicht vom Monte und schauen den Korbschlittenziehern zu. Das Geschäft mit den Touristen scheint heute nicht so zu laufen, denn es warten sicher dreissig Mann in der Bar auf Arbeit.

Für den Ausgang in Funchal treffen wir uns mit Anne, einer Französin, die wir schon in Porto Santo kennen gelernt haben. Sie versucht  hier in Madeira als Musikerin ein bisschen Geld zu verdienen und möchte möglichst bald mit einem Segelschiff nach Brasilien mitreisen.

 

Samstag, 26.9.09

Am Morgen gehen wir mit dem Clio früh los. Martin und Maya kommen auch auf unsere Erkundungsfahrt mit. Gewappnet mit der Übersichtskarte fahren wir zuerst der Nordküste entlang. Es ist die rauere Seite der Insel, die dem Wetter ausgeliefert ist. Später fahren wir ein Tal hoch und wandern einer Levada nach.
Plötzlich kommt ein Tunnel. Dieses Mal erkundigen wir uns bei bestinformierten Touristen, wo der Weg hinführt. Auf der anderen Seite des Berges angelangt, befinden wir uns mitten in den Wolken. Am Ende der Levada empfängt uns ein Wasserfall.

Zurück auf der Südseite, wandern wir wieder auf der Sonnenseite der Insel.

Nach der Wanderung nehmen wir uns die Hochebene vor.

Danach fahren wir runter an die Südküste. Viele Bananenplantagen, schöne Blumen und Gemüsegärten kriegen wir zu Gesicht. Der Süden ist sozusagen die Schoggiseite der Insel.

Bevor wir die Autobahn in Richtung Quita da Lorde nehmen, machen wir noch kurz stopp beim zweithöchsten Kliff der Welt.

 

Am Abend singt Anne im Hafenrestaurant. Sie hat echt eine gute Stimme und bietet eine kleine One-woman-Show an. Lustig ist vor allem, dass sie immer wieder betont, dass sie einen Seglerplatz nach Bahia, Brasilien braucht.
Am Sonntag machen wir Sonntagsprogramm. Ausschlafen, Zmörgele, ..... Maya und ich gehen am Nachmittag schnorcheln. Als wir zurückkommen finden wir ein Post-it am Niedergang: Fischen gegangen. Die beiden Martins zog es aufs Meer. Mit dem Dinghi kommen sie Stunden später mit ihrer Ausbeute zurück. Neun kleine und einen grossen Fisch.

Die Fische werden ausgenommen und gekocht. Es gibt für 5 Personen einen wunderbaren Znacht.

 

Montag, 28.9.09

Das Wetter-grib-file zeigt für die nächste Woche nichts Gutes an. Der Wind wird ab Dienstag auf Süden wechseln. So können wir vorerst nicht nach Gran Canaria aufbrechen. Wir  und die Tschechen entscheiden uns einen Abstecher nach Ilhas Desertas zu machen. Die Inseln sind ein Naturschutzgebiet und befinden sich ca. 18 sm südöstlich von Madeira.
Eine Gruppe von Forschern ist dort stationiert. Es gibt einen offiziellen Ankerplatz und an Land darf man nur mit einer Genehmigung. Wir haben diese in der Marina besorgt und werden kurz nach Ankunft von Pedro durch die Siedlung geführt. Auf den Inseln findet man seltene Spinnen, Vögel und Seehunde, die vom Aussterben bedroht sind. Uns wurden die Projekte und Massnahmen zum Schutze der Tiere genauesten erklärt.

Leider führen die Forscher keinen Streichelzoo, sondern die Tiere können sie nur anhand von Bildern zeigen. Die Seehunde beobachten sie nur von weitem. Der Bestand der Insel konnte etwas aufgebaut werden. Um 1980 hatte es 8 Seehunde, heute sind es ca. 30. Zwar führen sie ein Seehundekrankenzimmer. Dieses war aber nicht belegt. Eine Vogelart gräbt unterirdische Gänge für ihre Nester. Durch Erosion wird ihr Nistplatz immer kleiner. Darum versuchen die Forscher diesen Platz mit Zäunen vor Wind und Wetter etwas zu schützen und zusätzlich  errichten sie künstliche Nester. Den Lebensraum der endemischen Spinnen bedroht eine fremde Pflanze, die grosse Gebiete überwuchert. Die Pflanze bekämpfen sie nun mit Brandrodung. Danach versuchen sie die Spinnen wieder anzusiedeln.

Pedro erzählte auch, dass in Madeira eine Pflanze, die ursprünglich aus einem Blumengarten stammte, nun die ganze Insel besiedle. Das Ausrotten hätte man aufgegeben, weil die Verluste anderer Pflanzen viel zu gross seien. Man versuche sie nun einfach einzudämmen. Auch bei der Bekämpfung der Hasen mit Gift, würden andere Tiere z.B. der Habicht betroffen.

Das Ökosystem einer Insel ist in der heutigen Zeit schwierig zu erhalten.

 

Dienstag, 29.9.09

Da wir am Montag schon eine Dinghi Besichtigungstour von den Höhlen gemacht haben, gehen wir heute schnorcheln. Wir entdecken viele verschiedenfarbige Fische. Auf dem Rückweg haben wir vorerst kaum Wind. Wir tuckern der Küste der Insel nach und schleppen eine Leine mit mehreren Ködern. Beim Einholen des Silches fehlt ein Köder. War also doch ein Fisch dran. Plötzlich tauchen Delfine auf. Zuerst nur zwei. Nachher eine ganze Schar. Sie begleiten uns während einer Stunde. Das haben wir noch nie erlebt. Sie wechseln sich immer wieder ab. Es sind mindestens 10 Tiere, die am Bug herumtanzen. Man hört sie sogar fiepen.

Einmal schiessen sie von weit her auf uns zu. Sie springen aus dem Wasser. Es ist wie im Zirkus.

Wir filmen und fotografieren wie wild. Da die Tiere aber eine Stunde bleiben, haben wir auch richtig Zeit sie zu geniessen. Unser Schiff ist sehr nahe am Wasser, was nicht immer ein Vorteil ist, da die Wellen übers Deck waschen. Doch bei Delfinen ist das genial, man kann sie fast mit der Hand berühren. Mit der Hand gelingt es leider nicht, aber mit dem Fuss habe ich es geschafft. J . Die Rückenfussmassage liess den Delfin ziemlich kalt. Ich war aber um so mehr aus dem Häuschen.

 

Für die letzte Stunde kommt dann der vorausgesagte Südwind. Mit halbem Wind fahren wir zurück zur Marina. Segeln ist schon schöner als Motoren. Es ist schon fast dunkel als wir zurück in der Marina sind.

 

Mittwoch, 30.9.09

Wir sind gespannt auf die neuen Wetterdaten, denn Gran Canaria ruft. Ein Tief sitzt auf den Azoren und bringt bis auf weiteres Südwind. In der Schweiz liegt das Hoch, das euch den Altweibersommer bringt. Für uns bedeutet die Vorhersage, dass wir  wohl oder übel noch eine Woche länger in Madeira bleiben müssen und wahrscheinlich Fäbi und Christoph auf Teneriffa verpassen werden. Das ist echt schade.

 

Der Wind ist so kräftig, dass die Tschechen vom Ankerplatz in die Marina wechseln mussten. Wir  haben heute den ersten Tag mit richtigem Regenwetter. Es ruft die Wäsche, der kaputte Spibaum, .......

Am Abend singt übrigens Anne wieder im Restaurant. Ein Aufsteller.