Madeira – Ilhas Selvagens - Gran Canaria, 1. 10. 09 – 13.10.09

Donnerstag, 1.10. 09

Wir nützen das regnerische Wetter um Alltagskrams zu erledigen. Z.B. Homepage aktualisieren, Filmli schneiden, Schiff flott machen, Einkaufen, etc. Manche simple Dinge brauchen einfach mehr Zeit als zuhause. So brauchen wir für den Einkauf im nächsten grösseren Supermarkt per Bus einen halben Tag. Wegen den spärlichen Busverbindungen ist  eine Kaffeepause natürlich ein Muss.

Die Abende verbringen wir in der „Crazy group“: Ein Paar Tschechen, eine handvoll Franzosen und zwei Schweizer. 

Wir unterhalten uns prächtig. Patric, einer dieser „Crazy Group“ ist schon mehrere Male in einem kleinen Schiff über den Atlantik gesegelt. Seine Tipps werden wir in Erinnerung behalten.

 

Samstag, 3.10.09

Am Morgenfrüh, um 8 Uhr verlassen wir Quinta do Lorde und brechen in Richtung Funchal auf. Heute findet der Start der Minitransat statt und diesen wollen wir nicht verpassen. Zudem wollen wir bei den Ersten sein, die in Funchal im Hafen eintreffen, damit wir dort einen Hafenplatz bekommen. Anne 2, eine angefressene, französiche Seglerin nehmen wir mit nach Funchal.

 

 

Als wir den Hafen verlassen, werden wir vom heftigen Wind und den Wellen überrascht. Martin und Anne sind beschäftigt mit Reffen und ich bin an der Pinne. Martin wird beim Fockreffen regelrecht gesäuft und ist danach ziemlich erschöpft. Nachdem er den Zmorge den Fischen gefüttert hat, geht es ihm aber zum Glück wieder besser.

 

In Funchal kommen gerade die ersten Minitransatboote aus dem Hafen. Andrea ist auch unter ihnen. Er hat uns erkannt und ist zu uns gesegelt.

Wir segeln danach noch eine Weile im Minitransatfeld, gehen aber vor dem Start in Richtung Hafen, denn da beginnt für uns das eigentliche Rennen. Das Rennen um einen Hafenplatz! Es sollen ja 30 Schiffe von Quinta do Lorde bereits eine Reservierung haben und zudem sollen unzählige Segler auf einen Hafenplatz in Funchal bangen. Die Gerüchteküche hat in den letzten Tagen gebrodelt.

 

Im Hafen werden wir zuerst von einem Boot zurückgepfiffen. Wir wären zu früh, wir müssten draussen warten. Doch wer drin ist der bleibt drin und wir gehen längsseits bei einem Zweierpäckchen. Im Hafen drin sieht’s so ein bisschen aus wie nach einem Open Air. Die 80 Minitransatboote haben ihre Spuren hinterlassen. Nach dem unfreundlichen Empfang möchte ich  das Einchecken im Hafen schnell hinter mich bringen. Dies ist aber unmöglich, weil das Büro am Samstagnachmittag fürs Wochenende geschlossen bleibt!?

 

Hafenpersonal ist keines zu finden. Unter den 10 Seglerneuankömmlingen herrscht Ratlosigkeit. Erst der freundliche Zollbeamte klärt die Lage. Wir können selbstverständlich im Hafen bleiben, Duschschlüssel bekämen wir am Sonntag von einem Marinero und am Dienstag sei das Büro wieder offen, denn am Montag sei ja Feiertag. Wir sollen dann einfach noch beizeiten bei ihm einklarieren. Der Mann ist einfach der Hammer!

 

Sonntag, 4.10 - Mittwoch, 7.10

 

Die Marina ist in Funchal durchs Band  anders. Vom Einchecken bis zur uralten Sanitäranlage. Aber schliesslich sind wir ja nicht wegen Luxustoiletten da.

 

Funchal ist ein schönes Städtchen. Wir besuchen den botanischen Garten, gehen auf den Markt, nützen den nahen Supermarkt und die gratis Wifi-zonen, besuchen die andere Anne bei ihren Strassenkonzerten und gehen in den Ausgang. Die Zeit vergeht wie im Flug.

 

Das Abschiedsessen mit den Tschechen ist am Dienstagabend geplant. Barbeque ist angesagt. Zu unserer Runde kommt noch Xavier dazu. Er ist Profisegler und hat die Minitransat wegen technischen Problemen aufgeben müssen. Wie er selbst sagt, realisiert er die ganze Sache noch gar nicht richtig. Darum ist er wahrscheinlich so schräg drauf.

 

Das Wetter spielt ziemlich verrückt, denn erst als wir zusammenkommen, beginnt es wie aus Kübeln zu schütten. Wir dürfen im Mitschiff Platz nehmen und Martin und Maya heizen den Grill ein.

 

Dieses Feuer muss von aussen ziemlich brutal ausgesehen haben, denn nach ein paar Minuten wird schon die Feuerwehr gerufen und diese ist schnell zur Stelle. Martin und Maya finden dann die richtigen Worte und können die brenzlige Lage klären. „Only barbeque, no problem, no problem. C’est pas interdit!???

 

Alles nochmals gut gegangen. Die Pouletschenkel haben auch aus der Pfanne geschmeckt. Der Abend wird in die Geschichte eingehen.

Donnerstag, 8.10.09

Wir lassen in Funchal einige Freunde zurück: Die verrückten Tschechen, die singende Anne, die segelnde Anne, den viel wissenden Patric und den durchgeknallten Profisegler Xavier.

 

Trotzdem ist es auch Zeit, Madeira zu verlassen. Wir tun dies um 8 Uhr, als die Marina sich noch im Halbschlaf befindet. Unser Ziel sind die Ilhas Selvagens. Am ersten Tag setzt der Wind nicht wie vorausgesagt ein. Wir müssen ziemlich viel Motorsegeln. Martin lässt dabei die Entsalzungsanlage laufen und versucht sich mit Fischen. Zum Znacht gibt es einen frischen Fisch.

Erst in der Nacht auf Freitag kommt Wind auf. Die Verhältnisse sind eins A. Wir segeln mit halbem Wind, machen 6 Knoten Fahrt und es hat kaum Wellen. Wir geniessen die Fahrt sehr.

Am Abend kommen wir in der Ankerbucht an. Es sind noch zwei andere bekannte Schiffe am Ankern. Eine französische Familie vom Hafen in Funchal und ein Wiener Paar aus Quinta do Lorde-Zeiten.

Kurz nach der Ankunft gehen wir mit dem Dinghi an Land. Der Inselwart lädt uns zu einer Führung am nächsten Tag ein. Gerade bevor es eindunkelt sind wir wieder auf dem Schiff.

 

 

Samstag, 10.10.09

 

Um halb 11 beginnt die Führung. Die Wiener machen die Führung zum zweiten Mal, weil sie beim ersten Mal den Fotoapparat vergessen haben. Wir sind gespannt. Alessandro, der Parkaufseher, führt uns an zahlreichen Vogelhöhlen vorbei. Die Jungtiere haben auf Selvagen keine Feinde, darum sind die Höhlen überall zu finden.

Die Inseln Selvagens sind ein wichtiger Brutplatz einiger Seevögel. Die Vögel kommen nur fürs Brüten an Land. Sonst leben sie auf dem Meer. Man hat herausgefunden, dass die Vögel bis nach Brasilien fliegen und dass sie für den Weg nach Madeira nur drei Stunden brauchen. Da können wir mit unsern 34 h kaum mithalten.

 

Die Insel ist relativ karg. Wegen Wassermangels sind auch schon frühere Siedler gescheitert.

Heute leben neben den zwei Parkwächtern mit Inselhund noch einige Käferarten, endemische Geckos und Eidechsen. Alessandro nimmt sich Zeit und beantwortet all unsere Fragen. Die Wiener knipsen wie wild und bringen mit ihrem Scharm Alessandro dazu, dass wir sogar noch eine Zusatzschlaufe machen.

 

Dabei erwähnt er ziemlich stolz, dass es ihnen gelungen ist, die Hasen und die Mäuse, ein Andenken alter Siedlungsversuchen, auszurotten. Seither sei die Anzahl der Geckos markant gestiegen und auch einige Pflanzen hätten sich wieder ausgebreitet.

 

Die Führung war sehr interessant. Zurück beim Schiff kommt ein bisschen Hektik auf. Wir liegen direkt über unserem Anker und die Strömung schiebt uns gegen die Felswand. Weil die Wassertiefe über zehn Meter ist, haben wir  zwei Anker gesetzt und ziemlich viel Ankertrosse gegeben. Mit diesem Richtungswechsel haben wir aber nie gerechnet. Da würden wir wahrscheinlich in den Steinen enden. Da gibt’s nur ein Motto. Nichts wie weg! Wir räumen den Platz für die frisch angekommenen Schweizer.

 

Der Wind frischt auf und die Wellen sind grösser als am Tag zuvor. Das Überbleibsel vom gestrigen Znacht, Kartoffeln mit Würstchen, geben einen guten Boden, so dass wir das Gewelle gut überstehen. Wir segeln über die Nacht. An Schlaf ist vorerst nicht zu denken, wir krachen im zweiten Reff mit 6.5 Knoten durch die Wellen. Erst als am Morgen die Wellen und der Wind nachlassen können wir uns etwas besser ausruhen.

 

Wir haben uns Gran Canaria in einem horenden Tempo genähert, so dass wir am Anfang meinen wir müssten noch etwas die Geschwindigkeit drosseln, damit wir nicht zu früh am Morgen dort sind. Dies übernimmt aber dann der Wind für uns. Am Mittag haben wir den Platz in der Marina.

 

 

Montag, 12.10.09

Wir haben es nicht so mit den spanischen und portugiesischen Feiertagen. Immer mal wieder passen sie überhaupt nicht in unseren ursprünglichen Plan. Anstatt Schiffmaterialshopping, schraubt Martin die alte Windsteuerung ab und stopft die Löcher. Ich kümmere mich um den Schlüssel für die Duschen. Mit unserem Schlüssel lässt sich nämlich die Tür nicht öffnen. In der Marina geben sie mir ohne Zögern einen neuen. Ich probiere ihn beim nächsten WC aus und auch dieser funktioniert nicht. Der zurückgegebene Schlüssel wandert direkt in den Abfall und der Marinero zeigt mir eine Schachtel mit neuen Schlüsseln. Ob er wohl alle wegschmeissen müsse? Ich probiere es mit dem dritten und zufälligerweise funktioniert er bei dieser Anlage. Ich gebe dem Marinero Bescheid und dieser bedankt sich. Zurück bei unserer Sanitäranlage kommt, was fast zu erwarten war. Nichts geht. Ich möchte nicht nochmals ums ganze Hafenbecken latschen und gebe resigniert auf.

 

Doch Martin inspiziert den Schlüssel und bald ist klar, da lässt sich noch was machen.

Nach der ganzen Schlüsselschleifaktion funktioniert der Schlüssel jetzt mit dem richtigen Kniff. Bei den anderen Gästen mit neuen Schlüsseln ist das Türöffnen auch ein Glücksspiel.

Es sieht fast so aus, als ob die Marina einfach alle neuen Schlüssel von den Seglern austesten lässt. Wie die Schlüsselgeschichte sich entwickelt, wenn dann alle 230 ARC-Crews eingetroffen sind, wird vielleicht noch eine erzählenswerte Sache. Wir halten euch allenfalls auf dem Laufenden.

 

Am Nachmittag schalten wir auch auf Sonntags bzw. Feiertagsprogramm um. Wir erkunden zu Fuss die Altstadt von Las Palmas. In der Altstadt findet man geschichtsträchtige Bauten.

Am Abend schlagen wir uns regelrecht den Magen voll. Die 5 verschiedenen Tapas, Tintenfischsalat, Würstchen aus Navarro,  Pouletflügeli,  Kartoffeln an würziger Sauce und  gegrillte Pilze mit Rohschinken schmecken köstlich. Auf dem Heimweg hätte man uns rollen können.

 

Dienstag, 13.10.09

Martin macht den Motorenservice: Öl- und Dieselfilter-, Ölwechsel, Impeller ersetzen (es ist  prompt schon ein Flügel abgebrochen), 5 Dichtungen ersetzen (sie sind wahrscheinlich gleich alt wie der Motor), . . . Dabei kommt ihm zu Gute, dass es in las Palmas gute Shipchandler gibt.

Ich erkundige die Läden in der Stadt und versuche auf der To-find-Liste möglichst viel abzuhaken. Internetcafe mit der Möglichkeit auszudrucken, Eieruhr, Sonneschirm, Ukulelensaiten, Fischartenbuch (damit wir endlich wissen was wir essen), bester Supermarkt , . . . .

Als ich vom Einkaufen zurückkomme ist im Schiff das Chaos ausgebrochen. Der Weg zur Fotokamera ist leider auch völlig verstellt. Man weiss gar nicht was übler ist. Der alte Geschirrberg oder der Kleiderberg oder die übers ganze Schiff verteilte Werkstatt. Wahrscheinlich macht es der Mix aus.

Zudem sind wir beide ziemlich geschafft und unsere Mägen leer.