Las Palmas , 14.10.09 – 20.10.09
Mittwoch, 14.10.09
Wir stehen um 7 Uhr auf, denn heute kommt unsere neue Windsteuerung um 10 Uhr am Flughafen an. Der Bus ist pünktlich und wir treffen rechtzeitig beim Flughafen ein. Wir haben keine Ahnung, wo wir das Paket abholen müssen, doch die Dame an der Information erklärt uns den Weg zum Cargogebäude. Vor dem Cargobüro, stellen wir uns in die Reihe. Die Dame checkt im Computer die Daten des Pakets und meint, dass das Paket in 45 min da sein werde. Wir gönnen uns eine Kaffeepause und danach stellen wir uns wieder in die Kolonne. Wir bezahlen 18 Euro für irgendetwas und man drückt uns einen Zettel in die Hand, mit dem wir zum Zollbüro müssten. Ein Zollbüro liegt im gleichen Raum, doch das ist das falsche. Drei Etagen weiter oben sind wir am richtigen Ort. Eine Dame nimmt alle Papiere, Rechnungskopie, Paketlieferungsdaten, Flaggenschein, Pass und Cargozettel entgegen und verschwindet im hinteren Teil des Büros. Es wird kopiert und telefoniert. Wir warten sicher eine halbe Stunde, bis sich ein Beamter meldet und meint, der Flughafen habe das Paket noch nicht ins System aufgenommen und wir müssten warten bis dies geschehen ist. Ich habe zum Glück mein Buch, Martin den Laptop dabei. Nach einer Weile kommt die Dame mit den Papieren zurück und händigt uns ein neues Formular aus. Mit diesem müssten wir jetzt nur noch zum Cargobüro. Dort angekommen aber, alle neuen Zettel nochmals durchgeschaut, schicken sie uns zum ersterwähnten Zollbüro, die müssten noch alle Zettel stempeln und dann bekämen wir das Paket. Die Zollbeamten schauen alle Papiere durch und ihre Runzeln werden immer grösser. Die drei beraten sich und meinen so was hätten sie noch nie gesehen, normalerweise sei ein grünes Formular mit dabei. Wir müssten in dem Fall ins Büro der kanarischen Amtsstelle, im dritten Stock. Dort nimmt sich wieder einer die Zeit alle Papiere genauestens durchzuschauen und zu telefonieren. Der andere Angestellte verkürzt uns zum Glück die erneute Wartezeit, in dem er am Computer immer wieder andere Musik abspielt und leise mitsingt oder trommelt.
Nach dem Telefongespräch schickt er uns wieder zu den Zollbeamten zurück und diese knallen endlich ihre drei Stempel auf die Papiere.
Bei der Paketausgabe geht es dann endlich ruckzuck. Zettel abgeben und schon wird uns per Hubstapler das Paket gebracht. Wir schultern das Paket und verlassen das Areal bei einem Nebenausgang, so dass wir es verpassen, den letzten Zettel bei der Polizei abzugeben.
Zusammen gefasst können wir sagen: Im ersten Büro schauten sie die Zettel an, als ob sie vom Mond kämen. Im zweiten so, als ob sie vom Mars geschickt wurden und mit jeder nächsten Anlaufstelle, schien der Ursprungsplanet der Papiere noch von weiter weg zu sein. Beim Flughafen angekommen leisten wir uns ein Taxi, das uns bis fast vor den Steg bringt. So müssen wir das schwere Paket nur noch die letzten Meter schleppen.
Martin beginnt schnurstracks mit der Installierung. Am Abend ist der Windpilot bereits einsatzbereit. Ausser ein paar Kleinigkeiten passt alles.
Unsere Nachbarn, ein französisches Paar und „der alte Schwede“ haben während des Zusammenbaus regelrecht mitgefiebert. Beide Schiffe müssen den Hafen leider morgen verlassen, weil sie nicht bei der ARC sind. Die bescheidenen Franzosen hätten sicher viel zu erzählen gewusst, weil sie bei ihrer früheren Weltumsegelung sogar in Alaska waren. Jetzt segelt er allein, mit einem kleineren Boot als wir. Seine Frau muss noch arbeiten und wird ihn von Zeit zu Zeit besuchen.
Den „alten Schweden“ werden wir wohl auch nie vergessen. In bestem Deutsch hat er sich über den ganzen Steggeplappert. Von morgens früh bis abends spät. Geblieben sind mir folgende Tricks:
- Verwende den Schlauch des Nachbars, dann musst du den eigenen nicht verräumen.
- Koche mit der Elektroplatte, dann kannst du Gas sparen.
- Wenn du einen Platz in einem Hafen willst, behaupte dein Schiff ist nur 8m lang und 2m breit, egal wie gross es in Tat und Wahrheit ist.
- Schönster Hafen in Gran Canaria: Puerto Mogan.
Donnerstag, 15.10.09
Schon seit längerer Zeit haben wir uns immer wieder gefragt, ob wir evtl. noch was mit unsern Segeln machen müssten, da wir schon bei 25 kn Wind mit gereffter Fock und drittem Reff im Gross fahren müssen. Da der ARC-Ansturm jetzt im Hafen noch nicht zu spüren ist, haben wir die letzte Chance gepackt und die Segel zum Segelmacher gebracht. Wir werden wohl die einzigen mit 4 Reffs auf See sein, aber mit dem Binnenrigg bleibt uns keine andere Wahl.
Der Segelmacher hat uns die Segel auf Montag versprochen, so dass wir nun länger als geplant in Las Palmas bleiben. Wir wollen die Zeit nützen, um das Schiff bereits flott zu machen für die Überfahrt.
Freitag, Samstag 16. – 17..10.09
Am Freitag besorgen wir uns letzte Ersatzteile fürs Schiff und machen danach einen ruhigen Tag mit Baden. Wir testen unsere neuen Flossen, Schnorchel und Taucherbrillen. Die Ware funktioniert zwar, aber das Wasser hier ist zu trüb, um etwas zu sehen.
Als wir zurückkommen lädt uns Björn zu einer schwedischen Runde ein. Der „alte Schwede“ hat mit seiner unbeschwerten Art wohl den ganzen Steg unterdrückt. Vorher haben wir Björn nämlich kaum wahrgenommen.
Mit dabei sind auch Peter und Karin. Sie sind wie Björn, schon mehr als ein halbes Jahr hier in las Palmas. Das Schiff ist sozusagen ihre Wohnung, das Velo ihr Fortbewegungsmittel. Wir erfahren viel von den „Einheimischen“. Auch dass, morgen in San Mateo ein Oktoberfest stattfinden wird.
Dieses ist am Samstag unser Reiseziel. Alle Leute sind glücklich und wir amüsieren uns auch köstlich. Zu jedem Bier servieren die Spanier verschiedene Tapas und mit der Hilfe von Einheimischen können wir alle verschiedenen Tapas probieren: Bratwürste mit Kartoffeln, Spanferkel mit Brot, Paella, Kartoffeln mit scharfer Sauce und ein Sandwich mit einer speziellen kanarischen Füllung. Die Bierfirma hat zwar auf dem Flyer geschrieben, dass man mit Vernunft konsumieren soll, doch die Tapasausgabe und die Hutaktion (pro drei Biere bekommt man einen Hut) animieren geradezu zum grosszügigen Bierkonsum.
Auf der Bühne treten abwechslungsweise deutsche und kanarische Gruppen auf, wobei der deutsche Clown-Musiker nie mit den Kanaren mithalten kann.
Das gemeinsame Fest von zugezogenen Deutschen und einheimischen Kanaren ist sicher eine gute Sache. Doch als wir erfahren, dass der Extrabus von Playa Ingles erst später abfahren würde, sind wir ziemlich erstaunt. Wir verlassen, wie viele Einheimische etwas früher das Fest und verpassen wohl oder übel die Miss-Bier bzw. die Mister-Bier Wahl. Vielleicht gerade rechtzeitig, bevor es für uns zu deutsch wird.
Sonntag, 18.10.09
Björn ist ein begeisterter Wanderer. Heute machen wir mit ihm eine Tour. Er kennt sich mit den Bussen und Wanderwegen aus. Von Teror wandern wir in einem kleinen Tal in Richtung Lanzarote. Auf dem Weg sehen wir viele Feigen-, Kastanien- und Zitronenbäume.
Björn lebt, seit er pensioniert ist, eigentlich auf dem Segelschiff. Seine Frau ist wieder zurück nach Schweden gekehrt. Sie besucht ihn regelmässig auf dem Schiff. Er geht ab und zu nach Schweden zurück, um die Arbeiten rund ums Haus zu erledigen und um die Familie zu besuchen. In Las Palmas herrsche das beste Klima. Er wird wohl noch länger hier bleiben.
Rund zweimal in der Woche geht er wandern und freut sich ab jeder Begleitung.
Wir staunen nicht schlecht, wie der alte Mann abzieht. Ja, in gestrecktem Galopp geht es manchmal den Weg hinauf. Vielleicht müssen Martin und ich die Getränkewahl ändern. Bier gibt scheinbar mehr Energie als Wasser J
In Lanzarote angekommen, geniessen wir die Aussicht aufs Meer.
Björn ist ein netter Kerl und ein guter Führer. Wir würden uns freuen, wenn sich mit ihm nochmals eine Wanderung ergibt.
Montag, 19.10.09
Nach den zwei Tagen Ferienprogramm erledigen wir wieder Alltägliches. Einkaufen, Wäsche, Schiff bereit machen, ….
Wenn der Segelmacher sein Versprechen hält, geht es morgen weiter nach Teneriffa.
Nur so nebenbei: Die Schlüssellage hat sich jetzt geklärt. Die Toiletten blieben teilweise einen halben Tag geschlossen und es wurden die Zylinder ausgewechselt. Happy end!