Las Palmas – San Miguel , 20.10.09 – 28.10.09
Dienstag, 20.10.09
Wir sind pünktlich beim Segelmacher um unsere fertigen Segel abzuholen. Die Fock steht bereit, doch beim Gross seien noch Fragen offen. Sie hätten darum noch nicht beginnen können. Schock! Wir finden eine Lösung und fragen scheu nach, wann dann das Gross fertig sein könne. Wir müssten heute den Hafen verlassen. Ela, die Segelmacherin meint, wenn sie gut vorankäme, könne sie es bis um 15 Uhr schaffen, nachher habe sie Feierabend. Falls sie aber wegen zu vieler Kundschaft, ständig unterbrochen würde, dann müsse sie uns auf morgen vertrösten.
Etwas niedergedrückt verlassen wir den Laden. Was machen wir nun mit der restlichen Palmazeit? Wir beschliessen, dass wir bis um 15 Uhr im Hafen bleiben, und danach zum Ankerplatz nebenan wechseln. Wir gehen davon aus, dass uns die Marineros bis dann noch nicht aus dem Hafen geschmissen haben.
In der Stadt suchen wir eine Peluqueria und Martin kriegt einen neuen Haarschnitt verpasst. Als ich zurückkam, haben sich die beiden Coiffeusen fast totgelacht, weil sie sich mit Martin nur mit Händen und Füssen haben unterhalten können. Scheinbar hat’s doch geklappt.
Que guapo!
Ela strahlt, als wir den Laden betreten. Sie hat es geschafft. Das Gross ist fertig und wir wechseln zum Ankerplatz. Gerade als wir aufbrechen, schaut prompt der Marinero vorbei. Weil er sieht, dass wir am Aufbrechen sind, ist er äusserst freundlich. Martin wirft den Anker direkt neben Phillip, den wir von Gibraltar her kennen. Am Abend kommt er zu uns an Bord und wir tauschen die Neuigkeiten aus.
Mittwoch, 21.10
Der Skipper zeigt erste Ermüdungserscheinungen bei der Routenplanung. Aus den lockeren 15 sm (= ca.3 h Fahrt) werden 35 sm. Wir segeln nördlich um die Küste von Gran Canaria und erreichen den Puerto de las Nieves darum erst gegen den Abend. Die neue Windfahnensteuerung hat perfekt funktioniert.
Im Vorhafenbecken werfen wir den Anker. Im Hafenführer steht, dass der Boden fürs Ankern nicht ideal ist, doch nach erfolgtem Schnorchelgang haben wir ein gutes Gefühl. Da wir nicht an Land gehen, bekommen wir vom Ort nicht viel mit. Einzig dass von diesem Hafen eine Highspeed-Fähre direkt nach Teneriffa fährt. Kaum entdeckt man sie, ist sie schon wieder weg. Für Tim: Das ist echt ein geiles Schiff!
Donnerstag, Freitag, 22.10.- 23.10
Am Donnerstagmorgen früh machen wir uns auf den Weg nach Teneriffa. Der Wind ist schwer abzuschätzen, weshalb wir uns fast durchs ganze Segelsortiment durchackern. Wir setzen das gereffte Gross mit Genua, dann ausreffen, danach den Spinnaker allein und zum Schluss wieder die Genua solo. Dies ist anstrengend. Zum Glück kommen wir gut voran und wir sind froh, dass der Windpilot auch bei achterlichem Wind gut steuert. Es ist schön zu sehen wie die zwei teuersten Teile des Schiffs (Parasailor und Windpilot) gut miteinander harmonieren. So kommen wir doch noch zu unserer Ruhezeit. Bei der Playa de Teijeda verbringen wir die Nacht am Anker.
Am Freitagmorgen gehen wir in den nächsten Hafen. Vor der Hafeneinfahrt geschieht etwas Unheimliches. Auf den ersten Blick zieht ein Fischerboot, das zu unserem Empören in der Hafeneinfahrt operiert, plötzlich eine gelbe riesige(!) Reuse hinauf. Das gelbe Estwas entwickelt sich zu einem U-Boot! Es ist also direkt vor unserem Bug ein ca 15m langes Touristen U-Boot aufgetaucht.
Martin knüpft sich unsere alternde Genua vor, weil ein paar Risse dazugekommen sind, ich gehe auf Erkundungstour. Der Ort hat nicht viel zu bieten. Die Hotelburgen ähneln Geisterstädten.
Am Samstagmittag bekommen wir unseren Mietwagen, damit wollen wir Teneriffa erkunden.
Samstag, Sonntag, 24.10.09 – 25.10.09
Wir bekommen unseren Citroen schon um halb eins geliefert. Das ermöglicht uns, dass wir bereits heute bis zum Refugio (Schutzhütte) 500m unterhalb des Pico de Teide aufsteigen können. Der Teide ist mit 3718 m der höchste Berg Spaniens und der dritthöchste Vulkanberg überhaupt. Die Informationen die wir im Internet gelesen haben, sagen alle was Anderes: Von Reservation obligatorisch bis man hat in der Hütte immer Platz, oder man muss sich selbst verpflegen versus man kann Suppe und Wein bekommen.
Wir gehen auf Nummer sicher und packen genügend Wasser und Essen ein. Zuerst führt uns die Autofahrt steil den Berg hinauf. Die Landschaft ändert ständig.
Beim Parkplatz wartet gerade eine grössere Gruppe Studenten. Wir schnappen uns den zweitletzten Parkplatz und kommen mit den Leuten ins Gespräch. Uwe, ein vor 25 Jahren ausgewanderter Deutscher, ist so was wie der Gruppenleiter. Ausser seiner Frau und seiner zwei ausgewachsenen Kinder kommen alle Mitwanderer aus Teneriffa. Für die Hütte bräuchte man auf jeden Fall eine Reservation. Aber sie hätten im Fall noch 3 Plätze frei, weil bei ihnen einige ausgefallen sind. Uwe hat auch für die ganze Gruppe eine Bewilligung für die Besteigung des Teides eingeholt. Ohne dieses Permit, darf man nämlich nicht bis ganz auf den Gipfel.
Wir haben echt Glück, dass wir uns der Gruppe anschliessen können.
Später wird der Weg schmaler und steiler. Wir sind gut unterwegs und erreichen die Hütte gerade noch mit den letzten Sonnenstrahlen. Der Hüttenwart fragt uns sofort, nach der Reservation, wobei unser Puls nun nicht in die Höhe schnellen muss und wir cool antworten können, dass wir zur 30er Gruppe gehören. Es stellt sich dann auch schnell heraus, dass man sich in der Hütte selbst verpflegen muss. Küche mit Elektroherd, Mikrowelle, überteuerter Petflaschen- und Kaffeeautomat sind zwar vorhanden, doch leider wird nichts mit einer Chäsröschti und einem Kübel Shorley oder Bier.
Langsam tröpfeln dann unsere spanischen Wanderfreunde ein. Draussen wird es allmählich dunkel und kalt und drinnen wird bald aufgetischt. Wir sehen mit unseren paar Brötchen mit Wasser ziemlich alt aus. Da wird Tortilla, Kuchen, allerlei Speisen aus Tupperwares, Cola und heisse Milch mit Schokolade ausgepackt. Neben unserer Gruppe hat es noch eine Gruppe junger Spanier, zwei Italiener und ein deutsches Paar. Der Abend läuft fast zu ruhig ab, es will einfach keine Hüttenstimmung aufkommen. Der Zirbelschnaps der Totalphütte hätte vielleicht als einziger noch Wunder erbringen können.
Um 5.00 Uhr ist die Nachtruhe vorbei, denn wer den Sonnenaufgang vom Gipfel des Teides betrachten möchte, muss um 5.30 Uhr aus den Federn. Wir wollen uns dieses Schauspiel nicht entgehen lassen und sind schnell wach. Die Dunkelheit, die winterlichen Temperaturen und die Höhe machen den Aufstieg anspruchsvoll. Einige Spanier beissen sich beinahe die Zähne daran aus, denn sie wandern in etwa so, wie sie sich verpflegen.
Die Anstrengung hat sich wirklich gelohnt.
Der Schatten des Teides reicht bis nach Gomera. Da es fast windstill ist, lassen es die Temperaturen zu, dass wir ziemlich lange auf dem Gipfel bleiben.
Am Mittag sind wir zurück beim Mietwagen. Wir sind ziemlich geschafft. Von der zusätzlichen Stunde Schlaf der Umstellung auf Winterzeit konnten wir leider nicht profitieren, da wir ausgerechnet an diesem Morgen nach der Sonne und nicht nach der Uhrzeit aufgestanden sind.
Als wir beim Schiff ankommen, ist es so heiss, dass wir nicht auf die Idee kommen, den Schlaf nachzuholen. Schnorcheln im Meer bringt die erwünschte Abkühlung und so bekommen wir die Bonusstunde halt erst in der Nacht auf Montag.
Montag, 26.10.09
Wir fahren früh nach Masca. Das Dörfchen liegt mitten in einer Schlucht.
Von Masca aus kann man in der Schlucht bis ans Meer wandern. Die Schlucht ist ein Naturschutzgebiet. Im oberen Teil findet man vor allem Kakteen und Palmen. Je weiter man hinunter steigt, desto grüner wird es. Viele kleine Wege führen in der Schlucht hinunter. Manchmal muss man klettern. Das gefällt uns natürlich.
In der Schlucht ist es ganz still. Die hohen Felsen machen echt Eindruck.
Martin hat mit seiner neuen Uhr, die wir eigentlich als Nachtwacheuhr angeschafft haben, die Zeit immer im Griff. Wir sind ziemlich zackig gewandert und haben aber zwischendurch Fotopausen gemacht. Nach 2 ¼ Stunden sind wir beim Meer angelangt. Der schwarze Strand und die Wellen locken zur Abkühlung.
Weil wir wieder zurück zum Auto müssen, machen wir uns dann ziemlich bald auf den Rückweg. Im Führer stand, dass man für den Abstieg ca. 2 h und für den Hin- und Rückweg 6 h rechnen müsse. Wir wollen vor dem frühen Eindunkeln der Zeitumstellung oben sein.
Am Anfang ziehen wir echt ab und lassen eine Gruppe Spanier hinter uns liegen. Das Aufwärtsgehen, bzw. Klettern fällt uns viel einfacher als der vorangegangene Abstieg. Im letzen Drittel des Weges treffen wir auf Sibylle und Christine. Wir wandern mit ihnen den letzten Abschnitt. Wir haben für den Aufstieg nur 2 h gebraucht und da es den beiden genauso ging, geniessen wir die herausgeholte Zeit in einer Zumeria. Die hausgemachten Zitronen- und Goyabasäfte sind ausgezeichnete Durstlöscher.
Am Abend fallen wir zufrieden in die Koje.
Dienstag, 27.10.09
Das Aufstehen geht heute schwieriger als auch schon. Wir spüren die gewanderten km in unseren Beinen. Am Morgen nähe ich an der Genua, Martin macht die Wäsche. Nachdem wir den Haushalt erledigt haben, fahren wir zu einem Strand. Die Schnorchelausrüstung ist mit dabei, doch die Sicht ist wegen des aufgewirbelten Sandes leider ziemlich schlecht.
Nach dem Bad im Meer gehen wir noch einkaufen. Der Kofferraum des C3 ist vollgeladen, unser Vorrat wieder aufgestockt.
Mittwoch, 28.10.09
Die Fahrt nach Santa Cruz ist sehr ruhig. Es hat keinen Wind und wir müssen den ganzen Weg motoren. Es ist ziemlich heiss und wir gönnen uns ein Erfrischungsbad im Meer.
Martin zieht später zwei Doraden raus. Leider entwischt ihm die zweite beim Entfernen des Hakens. Halb so schlimm, denn eine Dorade ist gerade richtig für einen feinen Znacht.