Las Palmas 5.11.- 22.11.09

Leider lässt es die Zeit und die langsame Internetverbindung nicht mehr zu, dass wir vor der Abfahrt die Bilder noch einfügen können. Die LeserInnen mögen bitte Verständnis haben.

Die letzten zwei Wochen war viel los. Vom 11. – 15.11.09 hatten wir Besuch von Mama, Bruno und Michi. Wir genossen die Zeit mit ihnen sehr. Sie haben uns unzählige Bücher, Ersatzteile und Weihnachtsgeschenke mitgebracht. Bruno konnte auf einer kleinen Ausfahrt seine ersten 14 Seemeilen sammeln. Während Martin am Schiff gearbeitet hat, haben wir zu dritt die Dünen von Las Palomas besucht. Die angenehmen Abende werden wir in bester Erinnerung behalten.

 

 

Erzählerwechsel für den technischen Teil:

Vor der Abfahrt müssen viele Arbeiten erledigt werden; Splinte ersetzen und sichern, alles abtapen, was haken könnte, Rigg inspiezieren, Schamfilschutz für die Backstage installieren, Entsalzungsanlage reparieren, Solarzellen besser befestigen.

Der 100-Stunden-und-1000-Franken-Kohlefaser-Spibaum wurde zusätzlich mit Kevlar sozusagen vergoldet.

Überall wo irgendwas scheuern könnte, muss eine Lösung gefunden werden. Wir werden ca. 550 Stunden ohne Unterbruch in der rollenden Atlantikdünung segeln, was 138 Segelnachmittagen zu 4 Stunden entspricht. Da ist nicht zu spassen. Zum Beispiel die Spibäume, die man dazu braucht um Genua oder Spinnaker auszubaumen, dürfen nicht direkt auf die Schoten greifen. Da haben wir Rollen vorbereitet, damit die Schoten auf den Rollen laufen. Oder die Schäkel dürfen nicht direkt in die Ösen der Segel geschäkelt werden. Dort werden wir überall kleine Stücke Leinen dazwischen knoten, die einfach ersetzt werden können, wenn sie Scheuerstellen aufweisen.

Viele dieser Langfahrten- und Vorwindtipps haben wir auf den interessanten ARC-Seminaren bekommen. Wir haben Seminare über Downwindsegeln, Erste Hilfe, Wetter, Route und Kommunikation besucht. Einer Rettungsdemonstration mit Helikopter und Rettungsboot haben wir uns auch angeschaut.

 

Bild Bergungsdemonstration

 

Nebst den Seminaren finden unzählige ARC-Partys statt. Wir haben einige davon besucht, wobei die stegeigene Pantoonparty zu den Highlights zählt. Bei der offiziellen ARC-Eröffnung haben wir die Ehre, die Schweizer Fahne zu tragen. Natürlich nehmen wir auch beim legendären Dinghirace teil. Dabei geht es nicht darum möglichst schnell zu sein, sondern die anderen Dinghis zum kentern zu bringen oder mindestens nass zu spritzen.

 

Die ARC bittet alle Schiffe über die Toppen zu flaggen. Das heisst, dass alle Signalflaggen (Buchstaben A-Z und Zahlen 1-9, sowie einige Hilfsflaggen) in der korrekten Reihenfolge aneinander zu knüpfen und vom Heck über den Masttop zum Bug zu spannen. Da die ARC ein britischer Event ist, haben wir uns an die Reihenfolge der British Admiralty gehalten.

 

Bild Ranja mit Fähnchen

 

Bei der ARC-Flotte sind wir das zweitkleinste Schiff. Der Kontakt zu dessen Crews ist eindeutig der wärmste. Man schlägt sich halt mit den gleichen Problemen rum und dies verbindet. Ron mit dem kleinsten Schiff (29 Fuss) liegt neben uns. Er ist ein sehr aufgestellter und umgänglicher Typ. Ich habe ihm bei Computerproblemen geholfen, daraufhin  hat er uns eine dreiteilige Pfanne geschenkt, mit der man 3 Speisen gleichzeitig auf einer Flamme kochen kann. Wir werden’s dann auf dem Atlantik ausprobieren.

 

Am Dienstag, 17.11.09, sind wir auf grosse Einkaufstour gegangen. Hyperdino, ein Supermarkt, liefert die vollgeladenen Einkaufwagen gratis bis auf den Steg.

 

Bild Mirjam mit Einkaufsliste

 

Die Büchsen können wir alle unter den Mittelkojen stauen und die 5l Wasserkanister stehen aufgereiht und verkeilt in der Bugkabine. So können sie nicht verrutschen und sind in Reichweite der Entsalzungsanlage, damit wir sie immer wieder füllen können. Würde aber die Entsalzungsanlage schon am ersten Tag der Überfahrt den Geist aufgeben, hätten wir trotzdem genügend Wasser dabei.

 

Bild Proviant

 

Mittlerweile ist auch die Hundekoje als Stauraum gebraucht. Ranja schwimmt jetzt relativ tief, das wird sich aber ändern, je mehr wir essen.

 

Am Abend ist bei strömendem Regen ein sehr sympathischer, auf Gran Canaria wohnender Westschweizer vorbeigekommen und hat uns eine Staude Bananen und selbst gemachte Getränke geschenkt.  Mehr als die Hälfte der Bananen haben wir verschenkt. Es wäre schade wenn sie verderben würden.

 

Bild Martin mit Bananenstaude

 

Freitag, 20.11.09

Heute Morgen haben wir uns vom Markt mit frischen Früchten und Gemüse eingedeckt. Der Gemüsehändler hat sich die Mühe gegeben, uns mit dem Frischesten einzudecken. So haben unsere Tomaten, Orangen, Bananen und Zitronen oft dieselbe Farbe, nämlich grün.

 

Auf dem Markt haben wir 60 Euro gegen den Skorbut investiert, ihr könnt also beruhigt sein.

„5 am Tag“ wäre unser Ziel, doch je länger die Reise dauert, desto öfters werden wir wohl oder übel den Büchsenöffner dafür gebrauchen müssen.

Ranjas Mittschiff ist nun mit zwei mit Früchten überladenen Ikeanetzen bestückt. Über dem WC hängen nochmals zwei Netze gefüllt mit Kartoffeln und Bananen.

 

Bild Ikeanetz

 

Am Nachmittag haben wir endlich mal Zeit um uns die anderen Schiffe der ARC anzuschauen. Da gibt es Edelracer, die nahezu zu 100% aus Carbon bestehen. Die rechnen aber nicht mit 23, sondern mit 11 Tagen für die Fahrt!

 

Ron, unser Nachbar war vor seiner Pensionierung Meteorologe. Er versorgt uns täglich mit der aktuellen Wetterlage. Momentan sieht es nach Nordost, 5 Bf und relativ stabil aus. Das sind gute Nachrichten.

 

Samstag, 21.11

Wir haben ausklariert. Das Schiff ist startklar. Den Abend verbringen wir in gemütlicher Runde und am Sonntag geht es dann endlich los. Um 12.00 ist der Start, Daumen drücken!

 

Unsere aktuelle Position könnt ihr auf unserer Karte oder besser auf dem ARC-Flotten-Viewer mitverfolgen. (Siehe Home)

Ganz aktuell: Am Skipper Briefing haben wir unser Handicap (Faktor um verschiedene Schiffe an einer Regatta vergleichen zu können) erfahren: 0.907. Wir wissen ja, dass wir ein schnelles Schiff haben, aber diese Zahl ist unglaublich. Wir müssen mit 36-40 Fuss Schiffen mithalten. Unsere Träume vom Sieg sind dahingeflogen. Als Vergleich: Cantare, die Schwedinnen, haben einen Wert von 0.755! Dh sie dürfen 3.5 Tage länger unterwegs sein, um dasselbe Resultat zu erreichen.

 

Das Wetter sieht gut aus, NE 4-5Bf für die ersten paar Tage.

 

Wir freuen uns auf die Überfahrt.