Grenadinen, Union Island – St. Lucia, 13.1.- 28.1.2010

Wir bleiben in Clifton vier Tage. Im Yachtclub gibt es einen guten Internetanschluss, den wir rege benützen. Martin schreibt sogleich dem Tacktickhändler in der Schweiz und auch sonst gehen für uns paar wichtige Mails raus. Als wir mehr als zwei Tage keine Antwort erhalten, werden wir langsam unruhig. Erst als Martin nochmals seine empfangenen Mails durchgeht, realisiert er, dass seit dem 9. Dezember keine Mails mehr auf seine Eichverwaltungs-E-Mailadresse bekommen hat. Zum Glück ist das Ganze nur ein Umstellungsfehler und Norbert hat die Lösung schnell zur Hand. 87 E-Mails waren blockiert, alle wichtigen Dinge sind dabei.

Wenn wir nicht online sind, schlendern wir durchs Dörfchen, erklimmen den Aussichtspunkt, gönnen uns eine Erfrischung in einem kleinen Beizli oder wandern an die Nordküste. Direkt bei den Fischern kaufen wir uns ein riesiges Stück Fisch (es war das kleinste). Der blaue Marlin schmeckt in beiden Varianten köstlich. Gebraten oder auch roh als Carpaccio.

 

 

Nach der längeren Büroarbeit in Clifton, ist für uns nun klar, dass wir nicht nach Grenada fahren werden. Es geht nun auf den Heimweg, d.h. Kurs Nord!

 

Am Samstag, 16.1.2010 nehmen wir den Rückweg in Angriff und segeln bis zur Chatham Bay, der westlichen Bucht von Union Island. Es ist eine ziemlich grosse Bucht mit einem langen Strand, in der es uns gut gefällt. Am Abend gehen wir in ein Strandbeizli auf einen Drink. Am Nebentisch unterhalten Deutsche kanadische Segler. Wir können nicht anders als Mithören. Ihre frische und offene Art mögen wir. Ihre Story: Letzten März den Segelschein in Kroatien gemacht, einen Katamaran gekauft, Diskothek und Haus verkauft und nachher mit der ARC übern Atlantik.

Die Einheimischen würden uns gerne noch beim Barbecue sehen, doch auf der Ranja hat es noch blauen Marlin von gestern übrig.

 

Als wir am Sonntagmorgen aufwachen, pfeift es regelrecht den Hügel hinunter. Wir liegen zwar immer noch relativ ruhig, doch diese kräftigen Böen sind nicht sehr angenehm. Man kann den Druck auf die Kette direkt spüren. So segeln wir bald 8nm weiter nach Mayreau in die Salt Whistle Bay. Für die kurze Strecke setzen wir nur das Vorsegel und machen sogar 5kn Fahrt. Leider ist der Winkel beim Aufkreuzen eher bescheiden. Doch mit dem Motor wären wir auch nicht viel schneller. Eine spanische Schönheit von Yacht überholt uns motorend und steuert dann auch in die Salt Whistle Bay. Als wir ankommen hat es gerade noch Platz neben der Planeta Azul und wir setzen neben ihr den Anker. In unserem Führer steht, wenn mehr als 15 Yachten in der Bucht liegen, dann soll man in eine andere Bucht verholen. Bis am Abend liegen ca. 25 Yachten in der Bucht und geniessen den schönen Palmenstrand!

Von den 25 Yachten gehören sechs einer Sunsailflottille an. Die Flottille wird von zwei Schweizern durch die Grenadinen geführt. Brigitte, die Hostess, kümmert sich ums Wohlbefinden der SeglerInnen und Thomas, der Captain, unterstützt die Crews segeltechnisch, d.h. es geht manchmal soweit, dass er ihnen den Platz fürs Ankern aussucht und ihnen dann wenn nötig diktiert, was zu tun ist. Die beiden machen die Törnplanung und segeln ihren Schützlingen meist voraus. Für den Abend organisieren sie das gemeinsame Nachtessen bei Einheimischen.

Thomas düst am Nachmittag mit dem Dinghi bei unserem Schiff vorbei und lädt uns auf einen Drink ein. Es ist spannend immer wieder andere Seglergeschichten zu hören.

Auf dem Heimweg fängt uns die Dame der Planeta Azul ab: „ …pour prendre un pot?“, das tönt verlockend. Das Ehepaar ist seit 10 Jahren unterwegs und auf dem gleichen Heimweg wie wir. Sie wissen viel zu erzählen und zeigen uns sogar das ganze Schiff, das eine Cruisingversion einer alten Open 60 Rennyacht ist. Die Kiste macht am Wind 14kn, doch langsamer sei es angenehmer. Wir kommen aus dem Staunen kaum heraus.

Am Montagmorgen, 18.1.10, brechen wir gerade nach dem Zmorge auf. Als wir in die Bucht von Canouan aufkreuzen, nach ein paar regattamässigen Wenden, lassen wir nur mit unserer Fock eine 42 Fuss Charteryacht mit gerefftem Gross und Genua regelrecht stehen. So können wir unsere Fock nochmals richtig geniessen.

Martin nützt in Canouan das gratis Wifinetz der Bucht. Ich paddle mit dem Dinghi zum Schnorcheln. Danach holt Martin im Dorf Käse. Es gibt haus- äh, schiffsgemachte Knöpfli, damit kein Heimweh aufkommen kann.

 

Nach Canouan geht es am Dienstag in Richtung Bequia. Wir müssen wieder hoch am Wind segeln, wie in den vergangenen Tagen. Weil wir etwas mehr Meilen vor uns haben, setzen wir heute auch das Grosssegel. Kurz vor Bequia fällt uns eine hektische Vogelschar auf, die sich knapp an der Wasseroberfläche bewegt. Wir trauen unseren Augen nicht, als wir eine Fontäne erkennen. Dort schwimmt ein Wal und die Vögel jagen regelrecht hinter ihm nach. Wir ändern den Kurs in diese Richtung und setzen danach das Segel back um das Ganze von näher anzuschauen. Der Wal taucht immer wieder auf um zu atmen. Das Geräusch beim Ausatmen ist unvergesslich. Wir wissen nicht, ob es ein Buckelwal ist. Eines ist aber sicher, der war ein Stück grösser als Ranja. Schätzungsweise 15 m lang. Es gelingt uns dem Wal eine Weile nachzusegeln, bis er dann endgültig verschwindet. Wir brauchen eine Weile, bis wir wieder bereit fürs Segeln sind.

Über Nacht bleiben wir in der Friendship Bay in Bequia. Mit Martins Rollbremse liegen wir komfortabel. Zwei Charteryachten ankern uns viel zu nah und feiern bis in die Nacht. Doch heute bräuchte es mehr um uns die gute Laune noch zu verderben.

„Am Mittwoch müsst ihr in die Cumberland Bay kommen. Es werden einheimische Speisen serviert, eine Steelband spielt auf und es wird getanzt und gefeiert.“ Für den Abschluss des zweiwöchigen Flottillensegelns geben Thomas und Brigitte alles. Wir nehmen die Einladung gerne an.

Die beiden arbeiten bald ein Jahr für Sunsail und kennen sich in St. Vincent gut aus. In den meisten Segelführern wird wegen den aufdringlichen Boatboys von St. Vincent abgeraten. Thomas klärt uns auf, dass es in der Cumberland Bay angenehm sei.

 

Als wir uns der Küste von St. Vincent nähern fällt uns eines zuerst auf. Die Boatboys und Fischer sind nicht motorisiert, sondern rudernd unterwegs. Einer legt sich schon von weitem mächtig ins Zeug. Er wollte uns wahrscheinlich nach Wallilabou lotsen. Doch die nächste Bucht ist unser Ziel. So macht ein anderer Gehilfe das Rennen um das Legen der Landleine. Wir geniessen die herrliche Lage in der Bay. Ich gehe auf Schnorcheltour und Martin meldet sich für den Znacht an. Mittlerweile ist auch die Sunsailflottille eingetroffen, Thomas und Brigitte freuen sich, dass wir uns der Flottille zum Znacht anschliessen. Es gibt Fleisch und Fisch vom Grill, Brotfruchtsalat, Kochbananen, . . .

Wir werden den Flottillensegler als Atlantiküberquerer vorgestellt und erhalten unerwartete Bewunderung. Während der ARC haben uns ein paar Segelmagazine interviewt. Eine Seglerin erkennt mich wieder und schenkt uns darauf gerade das Heftchen mit dem Interview.

Als die Steelband zu spielen beginnt, schwingen die beiden Schweizer sogleich das Tanzbein und reissen die Flottille und auch uns mit.

Am Donnerstagmorgen bei Kaffee auf der Ranja verabschieden wir uns von Thomas und Brigitte. Die beiden segeln heute zur Basis zurück, um schon am Freitag die Neuen zu begrüssen. Ein Job im Paradies, den sie aber trotzdem in einigen Wochen aufgeben werden. Ständig mit Leuten in Ferienstimmung zu arbeiten, sei mit der Zeit ermüdend.

Martin und ich steigen nach dem Abschied ins Dorf auf und geniessen die schöne Aussicht auf die Bucht. St. Vincent hat im Gegensatz zu den kleineren Inseln im Süden der Grenadinen eigene Quellen und ist auch viel fruchtbarer. Muskatnuss, Limonen, Mangos, Kokosnüsse, Zuckerrohr, Papaya, Bananen, Passionsfrüchte, Erbsen, Kohl, …… gedeihen prächtig. Die ganze Insel ist bewachsen, in die Cumberland Bay fliesst sogar ein tosender Bach. Die Leute leben sehr einfach, hungern müssen sie aber sicher nicht so schnell.

 

Am Wegrand sammeln wir ein paar Kokosnüsse, die hier sonst unberührt verfaulen. Während Martin mit dem grossen Messer am Schälen ist, nähert sich eine Frau. Freundlich zeigt sie uns den richtigen Trick, wie man eine Kokosnuss  noch einfacher schält. Auch sonst werden wir immer wieder herzlich angesprochen.

Am Nachmittag gehen wir zum Riff schnorcheln. Anders als in den Tobago Cays zeigt sich hier eine regelrechte Landschaft an Korallen und Wasserpflanzen. Man kommt sich vor, als ob man auf einen anderen Planet schauen würde. Leider funktioniert die Unterwasservideokamera nicht mehr, das hättet ihr euch anschauen sollen. Zum Abschluss des Schnorchelns in den Grenadinen sehen wir eine ziemlich grosse Muräne.

 

Als Tageshöhepunkt heizt Martin heute am Strand den Einweggrill aus Gran Canaria ein. Die Fische, die wir bei einem Boatboy gekauft haben, werden darauf perfekt. Der private Strandbarbeque ist einfach das Beste. Als es dämmert fliegen die Cattle Egrets in Schwärmen über die Bucht. Es ist genauso wie es im Führer beschrieben ist, mit dem speziellen Znacht vielleicht noch besser.

Am Freitag fahren wir in die Wallilabou um auszuklarieren. Die Landleine legt uns Roni, ein Einheimischer der im Doyleführer erwähnt ist. Roni ist echt freundlich, die andern Boatboys sind eindeutig aufdringlicher als in der Cumberlandbay zuvor.

In Wallilabou wurde „Fluch der Karibik“ gedreht. Natürlich haben wir die verbliebenen Requisiten unter die Lupe genommen. Einige Kanonen sind z.B. aus Kunststoff.

Zum Zmittag haben wir uns bei Ronis Restaurant „The Golden Spoon“ angemeldet. Vor dem Essen gibt es viel Unterhaltung. Zuerst tischt uns ein Einheimischer Passionsfrüchte  zum Kosten auf. Danach ist er verschwunden und mit einem Eimer voller Früchte wieder aufgetaucht. Papayas, Passionsfrüchte, Limonen, Sorellblüten, Golden Apples, Rose Plums, …. Diese hat er uns und dem Nebentisch mit viel Verhandlungsgeschick feilgeboten. Wenn was fehlte ist er einfach wieder in den Garten verschwunden und mit neuer Ernte zurückgekommen. Es war nicht immer das Gewünschte, aber aus seiner Sicht ein guter Ersatz. Als er für die Tomaten keinen Plastiksack dabei hatte, hat er kurzerhand seinen Brotsack umfunktioniert. Ein erlebnisreicher Früchtekauf.

 

Nach dem Essen haben wir das restliche Touristenprogramm, den Besuch des Wallilabou Wasserfalles durchgezogen. Dieser ist wenig spektakulär, viel mehr Spass machte das Muskatnusssammeln bei einer verlassenen Plantage. (Tipp von Bina und Peter)

Sonntag, 24.1. – Donnerstag, 28.1.10

Die Rückkehr in die Rodney Bay Marina fühlt sich ein bisschen an wie heimkommen. Wir liegen am gleichen Steg, wie nach der Atlantiküberquerung und es ist schön, wenn man nicht auf Erkundungstour gehen muss, sondern wenn man weiss, was man wo bekommt. In der Rodney Bay treffen wir auch immer wieder auf bekannte ARC-SeglerInnen, mit denen man schnell wieder in Kontakt kommt.

Die ersten Tage haben wir einen gleichaltrigen Halb-Italiener-Franzosen neben uns und wir putzen, waschen und reparieren beinahe um die Wette. Wir haben uns gut unterhalten, haben aber leider verpasst, uns mit Namen vorzustellen. Vielleicht kommen wir in Martinique noch dazu, denn er geht in die gleiche Richtung wie wir.

 

Als wir das erste Mal die E-Mails checken, erhalten wir vom Tacktickhändler in der Schweiz eine erfreuliche Nachricht. Wenn man Europa verlässt, müsse man die Sendefrequenz bei den Geräten wechseln. Diese Information haben wir weder auf der Tacktickhomepage noch in der Betriebsanleitung gelesen! Das Umstellen ist schnell geschehen und siehe da, alles funktioniert nun wieder einwandfrei, so als ob nie was gewesen wäre. Uns fällt ein Stein vom Herzen! Wir lassen die Anzeige zur Feier des Tages den ganzen Tag laufen und zum Znacht haben wir einen Grund anzustossen.

 

Bei der Videokamera haben wir nicht so Glück. Sie hat sich leider von den Tauchgängen nicht mehr erholt und ist nun bereits auf dem Weg in die Schweiz. Vielleicht kriegen wir nochmals eine neue, denn sie läuft noch unter Garantie.

 

Am Mittwochnachmittag wären der neue Vorstag, die Rollanlage und das Segel bereit zum Installieren, doch am Nachmittag tut sich nichts mehr. Martin muss sich in Geduld üben, denn hier läuft alles ein bisschen gemütlicher ab.

Unsere To-do-listen sind sonst schon um einiges kürzer geworden. Sobald die Rollanlage installiert ist, wollen wir nach Martinique weiter. Wir hoffen, dass es noch vor dem Wochenende klappt.

 

 

 

Bild der neuen Anlage folgt . . . .