St. Lucia – Martinique –Dominica - Iles des Saintes, 28.1.10 – 11.2.10
Donnerstag, 28.1.10
Der Rigger lässt uns auch den ganzen Donnerstag warten. Martin gelingt in dieser Zeit aus lauter Langeweile den Kartenplotter der Jalan Jalan zu reparieren. Am Freitagmorgen haben wir das Warten dann aber endgültig satt und wir beschliessen die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Als wir das Profil zusammengebaut haben, bemerken wir, dass es um 10 cm zu kurz ist. Der Do-it-your-self-Anlauf nimmt ein jähes Ende. Wir wissen nämlich nicht, ob das in Ordnung ist, oder ob uns der liebe Rigger ein Zwischenteil liefern muss. Zum Glück haben wir den Termin mit dem Rigger noch nicht abgesagt, der müsste eigentlich bald einmal erscheinen, so hoffen wir. Als bis am Nachmittag nichts geschieht melden wir uns bei Uli, dem Verkäufer der Anlage. Kurz vor dem Feierabend schaut er vorbei und gibt Entwarnung. Wir brauchen nichts zu ändern, es ist alles in Ordnung.
Er hat auch herausgefunden, warum der Rigger nicht erschienen sei. Martins Wunsch nach gemeinsamer Arbeit oder angeleiteter Arbeit hat ihn beleidigt. Der Rigger macht die Arbeit selbst, sonst braucht es ihn nicht. Schade nur, dass er dies so lange verschwiegen hat.
Zum Glück haben wir während der langen Warterei gute Gesellschaft. Liz und John von der Jalan Jalan und Dawn und Richard von der Dolfijn (beides ARC-Schiffe) sind auch zurück im Hafen. So treffen wir uns jeweils für die Feierabends-happy-hour in der Hafenbar. Am Freitagabend gesellen sich noch Toni und Annika dazu, welche auch bei der ARC waren. Zu acht gehen wir an das berühmte Jump-up Strassenfest in Gros Islet. Jeden Freitagabend wird getanzt und gefeiert. Touristen und Einheimische mischen sich wild durcheinander. Wir amüsieren uns prächtig und lassen das Fest auf der Jalan Jalan und später noch auf Tonis Schiff bis zum Morgengrauen ausklingen.
Am Samstagmorgen, etwas später als geplant, machen wir uns an den zweiten Anlauf. Die Rigger-arbeiten sind schnell gelöst. Der einzige Knackpunkt: Ist Martin schon wieder fit genug um die Arbeiten im Mast oben zu erledigen? Bei mir wäre es aussichtslos gewesen. Aber mit Hilfe von Vitamindrinks und geheimen Pülverchen wagt Martin am späteren Nachmittag den Anlauf. Richard und John helfen uns beim Aufriggen der Rollanlage und einer halben Stunde ist die Anlage installiert. Wir sind so motiviert, dass wir gleich noch das Segel raufziehen und alles fertig machen.
Zum Glück, denn am Sonntag regnet es den ganzen Tag. Am Abend treffen wir unverhofft auf die Freitagstruppe und nach einer gemütlichen Runde Bier laden wir alle spontan zu Spaghetti Carbonara auf unser Schiff ein.
Jalan Jalan und Dolfijn sind uns während dieser etwas schwierigen Woche treu beiseite gestanden und haben für Abwechslung gesorgt. Unsere Wege trennen sich vorerst, vielleicht treffen wir uns aber wieder in Antigua.
Am Montag wird das Material hart getestet. Im dritten Reff und stark eingerollter Genua geht es gegen Wind und Wellen nach Martinique. Alles hält der Belastung stand und wir sind mit der neuen Rollreffanlage zufrieden.
Die Ankunft in Le Marin könnte nicht herzlicher sein. Schon beim Einfahren ins Ankerfeld winkt uns ein Franzose zu und teilt uns überschwänglich seine Begeisterung für die First 30 mit und am nächsten Morgen dürfen wir in ein grosses Dinghi umsteigen und unser kleines Dinghi wird nur nachgeschleppt. Dieser Taxidienst eines Franzosen ist goldwert, denn gegen den Wind und die Wellen hätten wir sicher eine halbe Stunde gepaddelt. Was für ein Empfang!
In le Marin finden wir Ersatzteile, kaufen Badehosen und decken uns mit Lebensmitteln ein. Der Ankerplatz und das Städtchen hat aber nicht so viel flair, so dass wir nach zwei Tagen nach St.Anne verschieben.
Dort treffen wir unverhofft auf Ron und sitzen gemütlich zusammen. Pläne von Seglern ändern sich zwar andauernd, doch nun gehen unsere Wege auseinander. Nach einem Tag in St. Anne segeln wir nach Fort de France der Hauptstadt der Insel. Man fühlt sich hier eher in Frankreich, als in der Karibik: Peugeot - Jeeps, Baguettes - Toasts, französische Chansons - Reggea, Rechtsverkehr - Linksverkehr, Euros – Caribbean Dollars, Brie – Cheddar, Autobusse – Sammeltaxis, markierte Wanderwege – „selbsternannte“ Guides, Einklarieren am Computer – etliche Formulare, die Boatboys sind verschwunden dafür weckt uns am Morgen eine Kirchenglocke.
Wir nützen die Vorzüge, trauern aber trotzdem ein paar Kleinigkeiten nach.
In Fort de France ist unsere Shoppingstour nicht ganz so erfolgreich wie in Le Marin, da einige gewünschte Sachen nicht an Lager sind. Ganz leer gehen wir aber nicht aus. Martin findet nämlich neue Sandalen und ich habe nun ein neues Paar Flossen.
Saint Piere ist der letzte Ort, den wir in Martinique besuchen. Vor rund hundert Jahren wurde die Stadt vom nahe gelegenen Vulkan vollständig zerstört. Die Ruinen des alten Theaters sind eindrücklich. Heute ist die Stadt nicht mehr der Handelsumschlagsplatz, sondern lebt vor allem vom Tourismus. Ein herziges kleines Restaurant macht das Rennen fürs Nachtessen.
Das Segeln entlang der Küste von Martinique war stets angenehm. Im Lee der Insel hatte es keine Wellen und der Wind blies anständig.
Am Sonntagmorgen, 7.2.10, stellen wir uns auf härtere Verhältnisse ein. Es sind 53 nm nach Porthmouth in Dominica. Zwischen den Inseln erwarten wir mehr Wind und Wellen weswegen wir im Schiff alles sorgfältig stauen. Weil wir nicht zu spät in Dominica ankommen wollen, fahren wir frühmorgens um 5 Uhr los. (53 nm:4.5nm= 11.78 h)
Der Wind spielt den ganzen Tag verstecken. Zwischen den Inseln bläst es weniger als im Lee der Inseln! Trotzdem versuchen wir so oft als möglich die Segel zu setzen. Darum sind wir auch froh um unsere Rollanlage, einrollen ist weniger Arbeit als runterziehen und anbändseln. Es gibt ein Haufen Motorenstunden und weil wir mit dem Motor um einiges langsamer sind als mit Segeln, erreichen wir die Prince Rupert Bay in Porthmouth knapp vor Sonnenuntergang. (18.00) Die Bay ist schon ziemlich belegt und als wir weit vorne ein freies Plätzchen finden, werden wir von Amerikanern unfreundlich verjagt. Mit dem Sonnenuntergang finden wir dann grad unseren zweiten Platz und wir sind froh, dass der Anker aufs erste Mal sitzt.
Montag, 8.2.10
Die Customs sind leider vom Ankerplatz weit entfernt. Zum Glück gibt es wieder Boatboys. Für einen fairen Preis von 5 USD rast die Cobra mit Martin quer durch die Bucht. Danach gehen wir ins Städtchen und essen in einem kleinen Restaurant. Die Dame fragt nur: „Fish or Chicken?“ Sonst gibt es für alle das Gleiche. Es schmeckt köstlich und kostet nur umgerechnet 6 Fr. pro Person. Am Nachmittag ziehen wir noch ein bisschen durch die Strässchen um ein bisschen Dominica-Luft zu schnuppern. Auf einem Waldweg sehen wir eine kleine schwarze Schlange. Um 16 Uhr sind wir zurück beim Schiff. Wir haben eine Indianriver-Boattour gebucht. Unser Boatboy, ein ausgebildeter Führer, rudert uns den Fluss hinauf. Der Fluss ist von Mangroven gesäumt und schon bald wird er immer schmaler. Der Fluss ist ziemlich berühmt. Zum einen haben ihn die Männer von Kolumbus schon zum Transport von Rumfässern gebraucht und zum zweiten paddelt Captain Jack im Fluch der Karibik auch auf diesem Fluss.
Im Brackwasser sehen wir viele Fische und Krabben und in den Ästen verschiedene Vögel. Unsere gesichtete Schlange, sei übrigens nebst dem Hund das einzige Tier, welche die Einheimischen nicht verspeisten.
Auf dem Rückweg sehen wir zwei Papageien, was uns bisher noch nie gelang. Die Tour war mal was ganz anderes. Nach der Rückkehr ist uns klar, dass wir uns am nächsten Tag nicht einer Tour von Yachties anhängen werden. 40 US pro Kopf dünkt uns viel Geld und wir brauchen die Indian River Tour ja nicht mehr zu übertrumpfen.
Dienstag, 9.2.10
Nach dem letzten Segeltag erwarten wir eine ruhige Fahrt zu den Iles des Saintes (Guadeloupe). Wir freuen uns, dass es doch ein bisschen Wind hat und setzen gut gelaunt das Gross. Es kommen plötzlich starke Böen auf und Ranja krängt stark. Unten im Salon fliegen schlecht gestaute Bücher durch die Luft. Zeit zum Reffen! Nach getaner Arbeit läuft es anständig. Wir kommen früher als erwartet auf der Insel Terre d’en Bas an. In der kleinen Bucht liegen nur ein Segelschiff und ein paar Fischerbötchen. Das Wasser ist kristallklar und ist perfekt zum Schnorcheln. Am Nachmittag paddeln wir noch an Land. Auf der Insel spielt sich das Leben ruhig ab. Am Morgen bringt die Fähre eine handvoll Tagestouristen und holt sie am Abend wieder ab. Auf dem Wanderweg treffen wir nur auf ein Pärchen, sonst sind wir nebst den freilaufenden Ziegen und Hühnern allein. Von den besagten zahlreichen Leguanen entdecken wir auch nur einen. Die angefangene Wanderung verlängern wir im Tatendrang zweimal. Zurück im Dorf finden wir erst beim Hafen einen Imbissstand, wo wir unseren Durst stillen können. Weniger Touristen – weniger Reschtis- man kann nicht immer alles haben.
Mittwoch - Donnerstag, 10. – 11.2.10
Mit einer Segelfahrt am Wind in Juli-Bodenseeverhältnissen gelangen wir zur nächsten Insel der Iles des Saintes. Vor Bourg, dem Hauptort der Inseln, liegen wir vor Anker. Touristen rasen einem wie wild mit Scootern um die Ohren. Wir wagen uns trotzdem zu Fuss an eine schöne Bucht. Diesmal sehen wir haufenweise Leguane. Auf dem Rückweg nehmen wir einen andern Weg. Mit diesem Rundweg haben wir beinahe die halbe Insel schon gesehen. Für das bescheidene Strassennetz werden eindeutig ein Haufen Scooter vermietet.