Iles des Saintes – Guadeloupe – Antigua, 12.2.- 17.2.10
Freitag, 12.2.10
Eigentlich wollen wir nach Petit Terre, eine unbewohnte Insel, 40nm im Nordosten von Iles des Saintes, dafür müssten wir um ca 5 Uhr morgens losfahren. Es kommt aber nicht dazu, da ein Sturm im Nordatlantik Schwell in die Karibik schiebt, der die Navigation durch die Riffe vor der Insel zu gefährlich macht. Deshalb beschliessen wir direkt Guadeloupe anzulaufen. Wir entscheiden uns für die Hauptstadt Basse Terre, da diese Nahe am Vulkan und den Wasserfällen liegt, die wir besichtigen wollen. Als wir also erst um 7 statt 4 aufstehen, muss ich mir zuerst die Augen reiben, weil alles im selben Grauton erscheint. Das Problem liegt aber nicht an meinen Augen, sondern an der Asche des Vulkans auf Montserrat, die sich auf unser Schiff gelegt hat. Ein bisschen ärgerlich aber das Deck ist schnell geputzt. Um den Rest soll sich der Regen kümmern. Die Fahrt nach Basse Terre ist in 2 Stunden absolviert und wir haben genügend Zeit die glanzvolle Hauptstadt Guadeloupes zu erkunden. Die Stadt ist aber nur halb so glanzvoll, weil auch dort alles mit Asche bedeckt ist, und der Spielplatz für die Kids von ein paar Lümmeln abgefackelt wurde. Auf dem Touribüro erfahren wir, dass es keine Busse gibt, die zum Vulkan oder den Wasserfällen fahren. Man müsste ein Auto mieten. Aber Autos gibt es keine zum Mieten, weil in der Stadt eh nix los sei. Und falls man doch ein Auto hätte könne man die Wasserfälle nicht anschauen, weil geschlossen. Die drei Angestellten des Touribüros sind très très désolés. Zwei Fragen stellen sich uns: Wie kann man einen Wasserfall schliessen, und warum braucht diese Stadt überhaupt ein Touribüro, mit drei Angestellten????
Samstag 13.2.10
Also geht es schnurstracks nach Point a Pitre, wo was los ist. Allerdings ist unsere neue Genua nicht das, was man eine Kreuzfock nennen würde. Die Geschwindigkeit am Wind ist ok, aber der Krängungswinkel und Abdrift sind grösser als mit der guten alten Fock, dadurch muss früher gerefft werden. Und man kommt nicht mehr so hoch an den Wind. Aber ans Ein- und Ausrollen statt Runterholen und Zusammenlegen und wieder Raufziehen gewöhnt man sich sehr schnell.
Auf dem Weg funkt uns Kanulli (heisst eigentlich Bruce) an und lotst uns an den besten Ankerplatz in Point a Pitre. Kanulli nennen wir einen Kanadier, mit dem sich unser Weg seid St. Vincent ein paar Mal gekreuzt hat. Kanulli ist ein bisschen ein Knallfrosch, aber eigentlich ganz nett.
Sonntag 14.2.10
Heute wollen wir aufs Internet, skypen. Da Skype mit WIFI aber immer so schlecht funktioniert suchen wir ein Internetcafe mit fix installierten PCs. Laut Kanulli hat es in der Marina viele, wir finden aber keine. So laufen wir in die Stadt (40min statt 20min gehen). Dort ist alles (!!!) geschlossen wegen dem Karneval am Abend. Wieder zurück in der Marina müssen wir zuerst wieder das Dinghi schnappen und zum Schiff fräsen, den Laptop holen und eine Beiz suchen, wo’s WIFI gibt. Mit 2 Stunden Verspätung können wir schlussendlich skypen.
Am Nachmittag gehen wir wieder in die Stadt, diesmal aber nicht zu Fuss, sondern mit dem Dinghi, und schauen uns den Karneval an. Der Umzug ist schön. Farbenprächtig und fröhlich. Die Kostüme sind sehr fantasievoll, und die Frauen, die die Anzüge tragen sind sehr verschieden. Von ganz dünn bis ganz dick, weiss bis schwarz, blutjung bis uralt. Aber alle glücklich. Nach 3 Stunden tun uns die Füsse weh und wir gehen zurück zum Dinghi, nicht aber ohne vorher noch einen Bikits am Stand zu kaufen. Weil wir ewig anstehen, wissen wir dafür wies geht: Omellettenteig auf heisse Platte, Ei drauf, Käse drauf, Schinken drauf, zusammenlegen, fertig. Kostet 2.5 Euro und schmeckt hervorragend.
Montag 15.2.10
Heute mieten wir zusammen mit dem Kanulli und seiner Freundin June ein Auto und wollen den Vulkan im Süden von Basse Terre besichtigen (Guadeloupe sieht aus der Vogelperspektive aus wie ein Schmetterling. Der linke Flügel ist gebirgig und heisst Basse Terre (!) und der rechte ist flächer und kleiner und heisst Grande Terre (!). Der Namensgeber hatte anscheinend Humor). Mit Glück erhaschen wir uns das einzige Auto. Da Kanulli nicht französisch kann, überlässt er uns das Verhandeln, Fahren und Navigieren. Nach ca einer Stunde Fahrt sind wir am Fuss des Vulkans angelangt. Zu Fuss geht’s auf dem schönen Weg zuerst durch den Dschungel, später immer steiler hoch zum Krater. Der Gipfel ist fast immer von einer Wolke umgeben, dementsprechend ist es nass und kühl. Der Wind pfeifft uns mit ca 40kn um die Ohren. Der schweflige Atem des Vulkans trägt seines dazu bei, dass man den Krater bald wieder verlässt. Unten beim Parkplatz hat es einen natürlichen Swimmingpool, mit Vulkan-temperiertem Wasser. Mirjam gönnt sich darin ein Bad und fühlt sich danach 10 Jahre jünger.
Kanulli lässt keine Gelegenheit offen uns wegen irgendwas anzuzünden. So auch wegen unserer Kamera. Er fragt uns wieso wir kein grösseres Schiff haben, wenn wir uns doch so eine tolle Fotokamera (Nikon D60) leisten können. Hätte er ein um 20% günstigeres Schiff gekauft, hätte er sich über 300 dieser Kameras leisten können. Es ist eben eine Frage der Prioritäten.
Auf dem Heimweg hätte ich beinahe einen strassenüberquerenden Leguan überfahren. Später als es mit dem Dinghi zurück zum Schiff geht, hätte ich fast einen schwimmenden Leguan überfahren. Die Viecher sind überall!
Dienstag 14.2.10
Früh morgens geht’s wieder ans Land um Einkäufe zu machen. Ich will einige Shipchandler (Bootszubehörläden) anschauen, weil ich das einfach gerne tue. Doch alles ist wie ausgestorben im grössten Yachtzentrum der Karibik! Es ist eben Karneval und da arbeitet niemand. Ein Supermarkt ist offen. Dort gehen wir gross einkaufen, da wir danach französisches Staatsgebiet verlassen und einige Dinge nicht mehr zu bekommen, oder teurer sind. Am Nachmittag verholen wir vor die Süd-Brücke des Kanals Riviere Salee, der die beiden Guadeloupehälften trennt, denn die Brücke öffnet nur einmal am Tag und zwar um 5 Uhr morgens. Im Verlauf des Abends treffen noch ein paar andere Schiffe ein, unter anderen der Kanulli.
Mittwoch 15.2.10
Um 04:30 geht der Wecker. Den Anker heben wir aber erst 5 vor 5, damit wir uns nicht zu lange vor der Brücke aufhalten müssen. Kanullis Motor läuft schon als unser Wecker ging und kreuzt dann fast eine halbe Stunde vor der Brücke hin und her. Später meinte er, dass er nicht als erster durch wollte, aber irgendwie sei er halt einfach zu vorderst gewesen. Kein Wunder! Es ist stockdunkel, aber im Konvoi mit einem lokalen Segler vor uns geht’s ganz gut. An der flachsten Stelle haben wir 0.5m Wasser unterm Kiel. Nach der zweiten Brücke schmeisst der Kanulli den Anker und wartet bis es hell wird, wir aber gehen weiter, weil es dort viele Mücken haben soll, mit denen wir keine Bekanntschaft machen wollen. In der Bucht Grande Cul-de-Sac Marin (ist nichts vulgäres, heisst nur grosse Sackgasse Marin) wollen wir vor dem Grande Riviere a Goyaves vor Anker gehen. Da die ganze Bucht sehr flach ist tasten wir uns vorsichtig vorwärts um nahe an die Flussmündung heranzukommen. Als das Echolot nur noch 0.2m unter dem Kiel anzeigt, halten wir an und schauen wo wir sind. Nach Doyle Cruising Guide ist es kein Problem, 10m tief. Das GPS will sich nicht über die Tiefe äussern und die Karte spricht von 0.3m Tiefe. 1.7m ist die Wahrheit, denn schon sitzen wir auf Grund. Dank perfekter Anwendung von 180 Grad Navigation kommen wir gut wieder raus. 180 Grad Navigation haben wir beim CCS gelernt und heisst: Wenn du aufsitzest, drehe um 180 Grad und gehe dort hin wo du hergekommen bist, dort war es genug tief. Auf 2.5m Tiefe werfen wir dann den Anker. 15m Kette sollten reichen. Der Kanulli trifft auch schon bald ein und ankert vor uns. Seine Luxusyacht hat einen Schwenkkiel und hat somit weniger Tiefgang. Sofort gehen sie mit dem Dinghi den Fluss erkunden, wir aber lassen uns Zeit und essen erst mal gemütlich z’Morge.
Später geht’s dann auch los, auch wir wollen mit dem Dinghi den Fluss erkunden. Der Wind und die Wellen nehmen bald zu und noch bevor wir die Mündung des Flusses erreichen ist Mirjam pflutschnass. Der Fluss ist zuerst gesäumt mit Mangroven, später machen diese dem Zuckerrohr und Bambus platz. Dann sehen wir erste Kühe. Wasservögel sehen wir nur ganz wenige, nur die allgegenwärtigen Reiher. Nach ca 1.5 Stunden flussaufwärts sehen wir verwesende Kuhkadaver an der Böschung. Wir haben genug gesehen und drehen um und gehen zurück zum Schiff.
Beim Schiff angekommen sehen wir, dass etwas nicht stimmt. Der zweite Anker ist ausgebracht worden. Der Kanulli ist schon weg, aber ein Zettel von ihm hängt am Niedergang. Es steht, dass unser Schiff 200m gedriftet sei und er darauf mehr Trosse gegeben, und den zweiten Anker gesetzt hat. Wir sind ganz aufgelöst und dem Kanulli sehr dankbar. Nach bald 100 Ankermanövern sind wir offensichtlich etwas nachlässig geworden. Wir sind nicht davon ausgegangen, dass sich während der Dinghitour Bedingungen von 0 Wind/Welle zu 1m Schwell und 4Bf ändern. Aber 15m Kette sind so oder so zu wenig.
Diesen üblen Ort wollen wir sofort wieder verlassen und wir navigieren durch die Flachs und Riffe hinaus aufs offene Meer und nach Port Louis im Nordwesten von Grande Terre. Von dort ist es dann kürzer und einfacher um nach Antigua zu kommen. Dort angekommen (es ist immer noch Mittwoch) inspizieren wir Ranjas Unterwasserschiff. Dort unten wuchern Fauna und Flora, man könnte meinen wir haben Dünger statt Antifouling aufgetragen. Unten am Kiel hat’s Korallen, weiter oben Muscheln und Algen. Die grössten Exemplare der Muscheln sind ca 2cm gross. Mit dem Spachtel schaben wir die Dinger ab und mit der Messingbürste polieren wir den Propeller und die Welle. Nach 2 Stunden haben wir’s und sind geschafft. Alles ist wieder blitzblank.
Zum Znacht kocht Mirjam Gordon Bleu, Nudeln und Salat. Das haben wir uns verdient.
Donnerstag 16.2.10
Freitag 17.2.10
Erst am Mittag werden wir auf der Dolfijn gebraucht, also gehen wir ein bisschen die Umgebung erkunden. English Harbour und Falmouth Harbour waren in brittischer Hand, was man unschwer an den Gebäuden erkennen kann. Alles sehr englisch hier, aber schön. In English Harbour liegen einige Superyachten, was wir aber in Falmouth Harbour, gleich um die Ecke, sehen schiesst den Vogel ab. Eine Yacht grösser als die andere. Swans, Wallys,… Auch die Mirabella ist dort. Sie ist der grösste Einmaster der Welt. Die kann man mieten, für eine halbe Million pro Woche. www.mirabellayachts.com Das müsst ihr euch ansehen!
Am Mittag auf der Dolfijn gibt’s nur wenig zu tun. Worauf wir ihr Dinghi nehmen und ausserhalb der Bucht schnorcheln gehen. Das Wasser ist unglaublich klar. Die Unterwasserwelt ist komplett anders als in den flachen Gewässern der Tobago Cays. Es ist felsig und tief. Wir sehen sehr grosse Papageifische und später einige dutzend Barakudas. Sie sind aber nicht sehr gross, somit fürchten wir uns nicht allzu sehr vor ihnen. Doch dann erscheinen ihre Mamis und Papis, die wir über 1.5m lang schätzen. Wir begegnen ihnen mit Respekt und kommen heil davon.
Zurück auf der Dolfijn wechseln wir die Cruising durch Regattasegel aus, winschen Richard in den Mast und helfen bei ein paar anderen Dingen. Das Schiff soll am bis am Montag auf Vordermann gebracht werden.
Voraussichtlich gehen wir am Sonntag probesegeln und am Montag um 12 Uhr startet das Race. Ihr könnt uns wie bei der ARC auf dem Internet verfolgen: www.caribbean600.rorc.org/