RORC Caribbean 600, 20.02 - 27.02.10

Samstag, 20.2.

Als Dolfijn fertig umgebaut ist schwimmt sie ca. 2cm höher und Ranja 4cm tiefer, weil wir alles Material, das fürs Rennen nicht gebraucht wird auf unser Schiff nehmen. Am Abend geht’s zur RORC Caribbean 600 Eröffnungsparty. Die Drinks sind gratis, da wir aber am Sonntag ernsthaft Regattatrainieren wollen halten wir uns, so gut wir können, zurück. Travor, der extra fürs Rennen aus England hergeflogen ist, gibt aber alles und ist am Sonntagmorgen ziemlich übel beieinander.

 

Sonntag, 21.2.

Um zehn erscheinen wir nur wenig verkatert auf der Dolfijn. Wir teilen uns folgendermassen ein: Richard ist Skipper, Travor ist Navigator und Koch, Dawn und Mirjam sind im Cockpit und bedienen die Schoten und anderen Leinen, der kräftige Sam muss grinden (Winschen kurbeln) und ich bin auf dem Vordeck und kümmere mich um die Spibäume.

Richard und Dawn erklären uns alle wichtigen Dinge und wir führen einige Manöver durch, vor allem Spinnaker und Gennaker wollen gut beherrscht sein. Doljfin ist ein Eintonner und Ranja ein Halbtonner, die Schiffe unterscheiden sich also nur unwesentlich, abgesehen von der Grösse. Wir finden uns bald gut zurecht und kehren wieder zurück in den Hafen.

 

Am Abend geht’s auf die Shirley Heights, von wo man einen grandiosen Blick auf den English Harbor, Nelsons Dockyard und Falmouth Harbour hat. Wir betrachten den Geschichtsträchtigen Ort bei Sonnenuntergang. Am Sonntagabend findet dort oben jeweils ein Fest statt, das sich aber als Touristenfalle entpuppt. Die Preise sind hoch und die Livemusik ist nicht so fröhlich wie die authentische karibische, die wir bis jetzt gehört haben. Da am nächsten Tag das Rennen startet fällt uns die Entscheidung einfach, schon bald wieder zu gehen.

 

Montag-Freitag, 22.2. – 26.2.10

Da wir Ranja nun für ein paar Tage unbeaufsichtigt am Anker lassen verstauen wir die Rettungsinsel und Dinghi unter Deck und schliessen alles sorgfältig ab. Pünktlich um 0930 kommt Dolfijn längsseits und wir jumpen  rüber. Vor dem Start kreuzen die Schiffe vor der Startlinie hin und her. Mirjam vergleicht das mit Rennpferden vor dem Start. Um 1230 ist Startschuss. Wir erwischen die dritte Position. Die schnelleren Schiffe starten 10 und 20 Minuten später und müssen uns somit überholen. Am Himmel schwebt ein Helikopter der Bilder von uns macht. Alles recht imposant.

 

Am Wind geht’s zur ersten Boje, östlich von Antigua. Danach setzen wir den Spinnaker. Der Wetterbericht sagt 8-10 Knoten voraus für die nächsten 3 Tage, ab Donnerstag sollen’s 20 Knoten sein. Das sind perfekte Bedingungen für uns. Denn die schnellen Schiffe werden nach 3 Tagen schon zurück sein und somit immer Schwachwind gehabt haben. Und wir werden die letzten 1.5 Tage viel Wind haben. Es kommt aber anders. Schon nach kurzer Zeit bläst’s mit 20 Knoten und wir haben alle Hände voll zu tun die Segel zu bedienen.

 

Der Kurs geht von Antigua nach Barbuda, Nevis, St. Cristopher, St Eustatius, Saint-Barth, um St. Martin, vorbei an Monserrat, um Guadeloupe zurück nach Antigua, Barbuda, Antigua. Alles in allem 600nm auf direktem Weg.

Wir nehmen die Sache sehr ernst. Die Segelwechsel müssen immer sehr schnell erfolgen. Dann wird es jeweils hektisch. Vorschiffmann brüllt Cockpitmann an. Cockpitmann brüllt Steuermann an. Steuermann brüllt irgendjemand an. Sobald etwas nicht schnell genug passiert wir es sehr laut auf dem Schiff. Aber alles kein Problem, weil es nicht persönlich gemeint ist. Mirjam und ich schlagen uns sehr gut.

Es wir auch mehrmals täglich ein Wetterbericht eingeholt um Kurs und Taktik zu bestimmen. Die Leute sind wirklich gut, wir können sehr viel von ihnen lernen. Die Wachen werden so gehalten: 6 Stunden an Deck, 3 Stunden Ruhen. Somit sind immer 4 Leute oben und 2 unten. Da wir immer am Limit segeln ist’s manchmal sehr ungemütlich. Die Schoten müssen permanent bedient werden. Sogar das Grosssegel müssen wir aus der Hand fahren um nicht einen Sonnenschuss (Schiff schiesst in den Wind) zu riskieren. Immer wieder kommt Wasser über und plätschert durch die undichte Luke auf den „Schlafenden“ im Salon. Beide Kojen werden von je 3 Leuten nach einander benutzt. Wir kommen uns vor wie in einem U-Boot. Der von England eingeführte Schnupfen hat leichtes Spiel sich von Person zu Person zu übertragen. Er macht folgende Reihenfolge: Travor – Sam – Richard – Dawn – Martin. Mirjam bleibt als Einzige verschont. 24 Bakterien- und Virenverseuchte Viertklässler haben diese zäche Person abgehärtet.

 

Es läuft uns sehr gut nach St. Martin, auf dem langen Schlag nach Guadeloupe erhalten wir die Meldung, dass wir Erste nach berechneter Zeit sind. Auf solchen Rennen gibt es jeweils zwei Sieger, das erste Schiff, und das schnellste nach Anwendung des Handicaps, der Korrekturfaktor um verschiedene Schiffe miteinander vergleichen zu können. Wir sind nun noch motivierter und geben alles.

 

Doch bei Guadeloupe stellt plötzlich der Wind ab. Null Wind null Speed während 6 Stunden. Dann geht’s mal mit 1 Knoten, mal mit 3 weiter nach Marie Galante wo wir wieder in absoluter Windstille, diesmal 8 Stunden festsitzen. Der Wetterbericht prophezeit 0-5 Knoten Wind für die nächsten 48 Stunden, was uns zum Aufgeben zwingt. Wir sind ziemlich deprimiert. Die restlichen 75 Meilen nach Antigua müssen wir motoren. Seid wir in der Karibik unterwegs sind haben wir noch nie so wenig Wind gehabt. Die See ist spiegelglatt. Nur eine lange hohe Dünung steht. Freitagnacht sind wir wieder zurück auf Ranja wie fallen todmüde in unsere sauberen und trockenen Kojen.

 

Samstag, 27.2.10

Nach 10 Stunden komaartigem Schlaf kochen wir uns wiedermal etwas Normales zum Zmittag. Der Englische Food auf Dolfijn war sehr englisch. Danach paddeln wir mit dem Dinghi an Land und suchen Richard und Dawn. Auf dem Weg wankt uns Travor entgegen. Er ist nach unserer Ankuft noch ausgegangen und erst am Morgen zurück auf Dolfijn erschienen. Als wir die beiden finden gehen wir zum Yachtclub und informieren uns. Nur 7 Schiffe haben es vor der grossen Flaute zurück geschafft. Einer ist noch unterwegs und wir sind die schnellsten derer, die aufgegeben haben. Also Platz 9 von 25. Immerhin.